zur Navigation springen

Diebstahl in SH : In wenigen Sekunden ist das Fahrrad weg

vom

Fahrraddiebe sind meist bandenmäßig organisiert. Sie werden selten erwischt. Wer seinen Drahtesel schützen will, sollte sich nicht nur ein gutes Schloss anschaffen.

Kiel | Meist geht es ganz schnell: Ein kurzer Handgriff mit dem Seitenschneider oder einer Zange, und schon ist das Fahrradschloss offen. Ein Raddiebstahl dauert oft nur Sekunden und ist erledigt, bevor jemand etwas bemerkt. In der Regel haben es die Diebe auf teure Räder abgesehen, die sie weiterverkaufen können, wie Stephan Steffen erläutert. Der Polizeihauptkommissar beschäftigt sich in der Zentralstelle für Polizeiliche Prävention der Landespolizei mit Fahrraddiebstählen. Den Fokus legt er dabei vor allem auf Vorbeugung. Dass der Drahteselklau landesweit ein ernstzunehmendes Verbrechen ist, zeigt schon ein schneller Blick auf die Statistik.

16.796 Fahrraddiebstähle wurden 2012 in Schleswig-Holstein angezeigt. Beim Blick auf die absolute Anzahl der Fälle liegen die größten Städte Kiel und Lübeck mit 2348 beziehungsweise 2217 Fällen auf den ersten beiden Plätzen. Es folgt der Kreis Pinneberg auf Rang drei. Betrachtet man das Fallaufkommen im Verhältnis zur Einwohnerzahl, ergibt sich jedoch ein ganz anderes Bild: Die ersten beiden Plätze belegen dann nämlich Neumünster und St. Peter-Ording, wo es jeweils mehr als 17,5 Diebstähle pro Tausend Einwohner zu verzeichnen gab. Auf Rang drei liegt Husum mit 16,8 Diebstählen pro 1000 Einwohner. Platz vier wiederum belegt Groven im Kreis Dithmarschen. Zwei Diebstähle wurden in der 119 Einwohner zählenden Gemeinde 2012 angezeigt. Hochgerechnet ergibt das dieselbe Quote wie in Husum.

Diese Zahlen sind allerdings nur begrenzt aussagekräftig, weil sie nur die angezeigten Fälle widerspiegeln. „Außerdem wissen wir ja nicht, wie viele Fahrräder in den Städten und Gemeinden tatsächlich unterwegs sind“, sagt Steffen. Brennpunkte, so könne man sagen, gebe es in den größeren Städten etwa an den Bahnhöfen. „Das ist schon deshalb so, weil dort verhältnismäßig viele Räder auf kleiner Fläche stehen“, sagt Steffen. Die Aufklärungsquote ist recht gering, sie liegt bei knapp vier Prozent.

Steffen vermutet, dass die meisten Räder von gut organisierten Banden gezielt gestohlen und im Anschluss zum Verkauf abtransportiert werden. Sie danach wieder aufzufinden, sei sehr schwer. Um nach einem Diebstahl den Besitz des Rades nachweisen zu können, sollte man einen Fahrradpass anlegen und den Kaufbeleg gut aufbewahren, rät der Polizist. Der Radpass, den man beim Kauf erhält, enthalte die Rahmennummer und andere Informationen über das Fahrrad. Darüber hinaus kann man sein Rad codieren lassen. Dabei wird ein individuell vergebener Code in den Rahmen eingraviert und der Besitzer registriert.

Steffen rät jedoch dazu, bereits vorher geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit ein Diebstahl bestenfalls gar nicht erst passiert. Es könne bereits helfen, Schnellspanner durch Spezialmuttern zu ersetzen, um den Klau von Sätteln oder einzelnen Rädern zu verhindern.

Am wichtigsten sei es jedoch, sein Rad mit einem guten Schloss zu sichern. „Fast 3400 der 2012 geklauten Räder waren gar nicht abgeschlossen“, erläutert Steffen. Wenn möglich, solle man sein Rad dagegen nicht nur ab-, sondern auch irgendwo anschließen. Sonst könnten die Diebe es schließlich einfach wegtragen. „Und dann“, so sagt Steffen, „nützt auch das beste Schloss nichts“.

Es passiert nicht selten: Das Fahrrad irgendwo abgestellt, und wenn der Eigentümer dann zurückkehrt, ist der Drahtesel weg – gestohlen von gewieften Dieben, die sich jede kleine Schwäche zunutze machen. Es ist hilfreich, folgende Hinweise zu beachten:

- Fahrrad immer mit Rahmen sowie Vorder- oder Hinterrad mit massiven Stahlketten, Bügel- oder Panzerkabelschlössern an feststehenden Gegenstand anschließen. Auch in Fahrradkellern.

- Nehmen Sie Zubehör, wie Fahrradcomputer oder nicht fest montierte Tachometer und möglichst auch das Werkzeug aus der Werkzeug- oder Satteltasche mit.

- Fahrradpass ausfüllen und mit Kaufbeleg aufbewahren – wird nach einem Diebstahl für die polizeiliche Sachfahndung und Versicherung gebraucht.

- Gegebenenfalls Farbfoto für Versicherungsunterlagen fertigen. Fahrrad von Fachleuten codieren oder auf andere Weise dauerhaft individuell kennzeichnen lassen. Der alphanumerische Code mit chiffrierten Informationen zum Besitzer kann von vielen Fundämtern und Polizeidienststellen decodiert werden.

- Aufkleber „Finger weg! Mein Rad ist codiert!“ anbringen, der möglichen Dieben die Vorsorge für Fahndungsmaßnahmen verdeutlicht.

Mehr Informationen: www.polizei-beratung.de

zur Startseite

von
erstellt am 25.Feb.2014 | 18:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen