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Masern, Mumps und Windpocken : In SH wird der Baby-Impfstoff knapp

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Es gibt Schwierigkeiten mit der Produktion eines Mehrfachimpfstoffes für Säuglinge. Bei der Versorgung mit Medikamenten kommt es – laut Apothekerverband Schleswig-Holstein – immer öfter zu Engpässen. Die Politik müsse Preis-Regulierungen lockern.

Kiel | Das Theater wegen der Lieferengpässe beim Grippeimpfstoff ist den Schleswig-Holsteinern noch in Erinnerung. Jetzt müssen sich Eltern von Säuglingen mit einem ähnlichen Problem herumschlagen. Das Pharmaunternehmen Glaxo hat Schwierigkeiten mit der Produktion ihres Mehrfachimpfstoffs gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Das Robert Koch Institut in Berlin bestätigte gestern: Frühestens ab April ist mit einer Auslieferung zu rechnen.

Der Impfplan für die Babys gerät dadurch durcheinander. Statt eines Pikses für alle vier Impfungen bekommen die Kleinen jetzt teilweise erst eine dreifach-Impfung und dann gesondert den Piks gegen Windpocken. „Das ist bedauerlich, aber kein Beinbruch“, meint Thomas Friedrich von der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, zumal im Impfplan immer eine Zeitspanne angegeben sei. Viel ärgerlicher sei, „dass es auch bei anderen wichtigen Medikamenten – Blutdrucksenkern, Antibiotika, und Mittel gegen Diabetes – immer wieder zu Lieferengpässen kommt. „Deutschland ist für die Pharmakonzerne kein interessanter Markt mehr, seitdem die Preise von der Regierung reguliert werden“, sagt Friedrich.

Zudem gibt es quasi ein Herstellermonopol. Selbst wenn verschiedene Firmen mit unterschiedlichen Marken auf dem Markt agieren, steckt dahinter – nach den vielen Fusionen der letzten Zeit – häufig nur ein Konzern, der die Rohstoffe liefere und meist in Indien produziert. Wenn dann was schief geht, hat das sofort überall enorme Auswirkungen.

Das bekommen auch die Apotheker im Norden zu spüren. „Bestimmte Vitamin D Tabletten gibt es seit Monaten nicht mehr, und einem Blutdruckmittel, für das die Krankenkassen mit den Herstellern Rabatte ausgehandelt haben, laufen wir seit Wochen hinterher“, beschreibt Verbandspräsident Peter Froese die Situation in seiner Rendsburger Apotheke. Die Flensburger Apothekerin Kerstin Tomberger berichtet von ähnlich dramatischen Versorgungszuständen. So sei beispielsweise ein Schilddrüsen-Kombipräparat derzeit nicht lieferbar. „Die Patienten müssen jetzt zwei Medikamente schlucken, die aber zusammen nicht die gleichen Wirkstoffmengen haben.“ Das Schlimme: „Die Entwicklung wird immer schlimmer“, so Friedrich.

Die Ärzte bekommen von dem Dilemma – zum Beispiel beim Impfstoff – erst was mit, „wenn wir unsere Vorräte aufgebraucht haben“, berichtet der Chef des Hausärzteverbandes, Thomas Maurer aus Leck. Muss wegen der Engpässe auf ein gleichwertiges Medikament eines anderen Herstellers umgestellt werden, sei das aus medizinischer Sicht zwar nicht bedenklich für die Patienten, aber ärgerlich, so Maurer. Und für die Apotheker auch. Sie bekommen direkt den Ärger ihrer Kunden zu spüren. Friedrich appelliert deshalb an die Politik, den Dschungel der Regulierungsmaßnahmen zu lichten, „sonst läuft uns das aus dem Ruder“. Genauso wie Medikamente Wechsel- und Nebenwirkungen haben, seien auch die Eingriffe des Gesetzgebers nicht ohne Risiko. Momentan werde überreguliert mit unerwünschten Nebenwirkungen für die Patienten.

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erstellt am 17.Jan.2014 | 12:32 Uhr

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