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Studie der Schwäbisch Hall : In SH leben Nachbarn friedlich und zufrieden

vom
Aus der Onlineredaktion

In Schleswig-Holstein leben nicht nur die glücklichsten Menschen - sie vertragen sich offenbar auch gut. Das behauptet eine neue Studie.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2015 | 09:09 Uhr

Flensburg/Kiel/Lübeck | Rasenmähen zur falschen Zeit, ohrenbetäubende Partys, böse Nachreden, vermüllte Hauseingänge: Gründe zu Streitereien mit Nachbarn gibt es zuhauf und etliche landen vor Gericht. Sind wir zänkische Zeitgenossen? Im Gegenteil, konstatiert eine Studie der Bausparkasse Schwäbisch Hall. 83 Prozent der Deutschen fühlen sich demnach wohl in ihrer Nachbarschaft und die Schleswig-Holsteiner zählen zum obersten Drittel der zufriedensten Nachbarn.

Egal, ob man im Reihen-, Mehrfamilien- oder alleinstehenden Haus wohnt: Der mehrheitliche Wille zur guten Nachbarschaft eint alle. Und: Bei vier von fünf Befragten stärkt eine gute Nachbarschaft außerdem das Gefühl von Heimat.

Lärm ist Zankapfel Nummer eins. Musik, der berüchtigte Rasenmäher, selbst spielende Kinder – 15 Prozent der jetzt bundesweit befragten 2000 Personen fühlen sich davon belästigt. Auch neugierige Nachbarn (fünf Prozent), Rücksichtslosigkeit (vier Prozent) und mangelnder Ordnungssinn (drei Prozent) sorgen für Zoff am Gartenzaun, und der wird immerhin so oft ausgelebt, dass er als Thema Eingang in Doku-Soaps gefunden hat. Um Nachbars Fallobst auf dem eigenen Rasen geht es da ebenso wie um den Nachbarn, der jeden Herbst Brennholz hackt.

 

Auch im wirklichen Leben manövrieren sich immerhin so viele Menschen in Unfrieden mit ihren Nächsten, dass die Zänkereien genussvoll in Doku-Soaps zelebriert werden. Auch in der „Lindenstraße“ sind sie als Thema regelmäßig zu Gast, aktuell grüßte man sich dort nicht, weil keine Einigkeit im Verhalten dem Vermieter gegenüber herzustellen war. Spezielle Internetportale widmen sich diesem Unfrieden ebenfalls. Bezeichnenderweise heißt eines davon „www.nachbarschaftsstreit.de“ und auch dort geht es vor allem um das Thema Nummer eins in allen Varianten: Heimwerkergeräusche, Lustschreie, Balkon-Partys, klingelnde Windspiele.

Keine Frage, Ärger stresst. Selten aber immer wieder artet schwelender Streit in Handgreiflichkeiten aus. Da ging in Lübeck ein 59-Jähriger auf seinen 40 Jahre alten Nachbarn mit dem Messer los und verletzte ihn schwer. Ursache: Lärmbelästigung.

Das alles aber sind Ausnahmen, lautet das Fazit der Schwäbisch-Hall-Nachbarschaftsstudie. Ihr zufolge ist gute Nachbarschaft ein Kitt, der die Alltagswelt zusammenhält und demzufolge gehütet werden muss. Für 93 Prozent der Befragten trägt gute Nachbarschaft zu einem Gefühl von Sicherheit im eigenen Wohnumfeld bei, für zwei Drittel sind Nachbarschaftsbeziehungen für das Sicherheitsempfinden sogar sehr oder äußerst wichtig.

Ältere (55 bis 60 Jahre) Menschen in ländlichen Gebieten und Hauseigentümer messen dem eine größere Bedeutung bei als jüngere (16 bis 24 Jahre)  Stadtbewohner und Mieter.  Häufig sind es wiederum Mieter, die sich über ihren Nachbarn ärgern, weil der sich, so ergab es eine weitere Umfrage, durchgeführt von der Apotheken Rundschau, vor Schneeräumen und Treppenhausfegen drückt.

Ein Fazit dieser Befragung: „Vielen gehen die Auseinandersetzungen auf die Nerven. So wünscht sich jeder Siebte (14,1 Prozent) ein besseres Verhältnis zu seinen Nachbarn. Richtig ans Eingemachte geht es bei den nachbarschaftlichen Auseinandersetzungen ohnehin nur selten. Gut vier Prozent der Deutschen sind wegen lästiger Nachbarn schon einmal umgezogen und lediglich 1,7 Prozent waren deswegen schon einmal vor Gericht.“

 

Der Wille zum Miteinander prägt auch das Fazit der Schwäbisch-Hall-Studie. Am meisten Wert auf gute Nachbarschaft wird hier mit 73 Prozent übrigens in Reihenhäusern und Doppelhaushälften gelegt, Platz zwei halten Bewohner von Einfamilienhäusern (67 Prozent) vor denen in Mehrfamilienhäusern (59 Prozent).

Die zufriedensten Nachbarn machte die Studie in Brandenburg aus. Aber auch die Menschen im Norden fühlen sich wohl in ihrer Wohngesellschaft. 57 Prozent geben in Schleswig-Holstein an, sehr oder äußerst zufrieden mit ihrer Nachbarschaft zu sein, mehr als im gemütlichen Bayern (53 Prozent) und im ordentlichen Baden-Württemberg (48 Prozent) und viel mehr als im quirligen Berlin, dass mit gerade einmal 38 Prozent an Zufriedenheits-Punkten die rote Laterne trägt.

Kein Wunder, denn die besten Nachbarn hat man auf dem Land, wo ein gutes Miteinander schlichtweg nötig ist. So gaben sich beim niedersächsischen Nachbarn 61 Prozent als zufriedene Nachbarn zu erkennen (im großen Hamburg sind es nur 42 Prozent), aber auch dieses Bundesland ist keine Insel der Seeligen.

Als „Psycho-Terror am Gartenzaun“ geisterten dort Geschichten aus Göttingen durch die Medien, in denen erbittert um eine Terrasse, eine acht Zentimeter zu hohe Pergola und fehlendes Sonnenlicht gestritten wurde und ein Ehepaar sich mit Stofftieren, die an Galgen baumelten, Fratzen am Zaun und Horrorpuppen im Fenster regelrecht von dem Nachbarn bedroht fühlte, der sich seinerseits von ihrer Pergola um Licht und Lebensqualität gebracht fühlte. Es ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Von weiteren Ausnahmen berichtet die Studie aus Mecklenburg-Vorpommern, in dem – ländlich hin, beschaulich her – nur 48 Prozent zufriedene Nachbarn gezählt wurden.

Tatsache ist, dass in ländlichen Gebieten die Tugenden besser gepflegt werden, die die Befragten als die Top 7-Punkte einer guten Nachbarschaft gesetzt haben. Grußlos aneinander vorübergehen, wie in Großstädten üblich, geht hier beispielsweise gar nicht (oder nur, wenn eine intensiv gehegte Fehde vorliegt). Für 81 Prozent gehört ein gegenseitiger Gruß zum Miteinander; für 68 Prozent ist es das wachsame Auge, dass man auf Haus und Wohnung des Nächsten hat; für 67 Prozent Rücksichtnahme auf Ruhezeiten und für staunenswerte 66 Prozent die Annahme von Post und Paketen, wenn der Nachbar aushäusig ist. Dieser Punkt hat in Zeiten der Online-Einkäufe Gespräche (58 Prozent), Nachbarschaftshilfe für Ältere (56 Prozent) und kurzfristige Leihgaben (47 Prozent) hinter sich gelassen. Den Online-Großhändler Amazon hat das zu der Aktion „Danke, lieber Nachbar“ inspiriert: Solange der Vorrat reicht, kann ein Kunde seinem freundlichen Nächsten über den Versandhandel eine Pralinenbox für 2,50 Euro zukommen lassen.

Insgesamt sind 83 Prozent der Deutschen mindestens zufrieden mit der Beziehung zu den Leuten hinter der Nebentür. Und 53 Prozent geben sogar an, sehr bzw. äußerst zufrieden zu sein. Was aber tun, wenn es doch mal kracht? Wer „Nachbarschaftsstreit Anwälte“ googelt, bekommt Hilfe-Angebote zehntausendfach. Die meisten kosten Geld. Kostenlos ist dieser Tipp: Miteinander reden! Beim Konfliktauslöser Nummer 1, dem Lärm, seien sich die Unruhestifter oft gar nicht über die Belästigung im Klaren, sagen die Experten von immowelt.de.

Und wenn man selbst der Übeltäter ist: Schall-Absorber schwächen Bässe ab, die durch den Boden dröhnen, dicke Teppiche mindern Fußgetrappel und Mittagsruhe tut jedem gut. Und wer doch Grundsätzliches zum Nachbarrecht sucht, wird im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in den Paragrafen 903 bis 924  sowie für das Besondere zu Nachbar- und Grenzwänden, Hammerschlag- und Leiterrecht, Schornsteinen, Traufen, Bodenerhebungen, Grundwasserschutz, Einfriedungen, Abständen noch einmal in 14 Abschnitten und 47 Paragrafen des Nachbarschaftsgesetzes für das Land Schleswig-Holstein (NachbG Schl.-H.) fündig.

 

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