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Hohe Kosten : In Schleswig-Holstein sind die Heizkosten am höchsten

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Klimatisch benachteiligt und alter Baubestand: Schleswig-Holsteiner zahlen deutschlandweit am meisten, um ihre Wohnungen warm zu halten.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2013 | 07:29 Uhr

Steigende Energiepreise und ein langer Tiefkühlwinter – die Quittung bekommen die Schleswig-Holsteiner derzeit per Post: hohe Nachzahlungen bei der Heizkostenabrechnung. Besonders stark wurden die Haushalte finanziell strapaziert, die mit einer Ölheizung heizen: Sie haben eine Verbrauchskostensteigerung von etwa 22 Prozent zu stemmen. Wer mit Erdgas heizt, zahlt 9,5 Prozent mehr, Fernwärmekunden 10,5 Prozent mehr als im Vorjahr. 140 Euro Mehrkosten mache das bei einer Durchschnittswohnung aus, berechnete der Dienstleister Techem aus Eschborn bei Frankfurt in seiner Energiekennwert-Studie 2013.

Schlecht für den Norden: Hier muss mehr geheizt werden, um die Stube warm zu bekommen als anderswo. Bundesweit Spitzenreiter beim Verbrauch von Heizenergie ist der Postleitzahlenbezirk 24 – also der Ostteil Schleswig-Holsteins, mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 158,7 Kilowattstunden pro Quadratmeter, dicht gefolgt von der Westküste mit 154,3 Kilowattstunden (kw/h). Den Vogel schießt Itzehoe mit 190 kw/h ab. Zum Vergleich: Der Wert liegt rund um Leipzig bei 106,4 kw/h.

Die Ursache für die starken regionalen Unterschiede sieht Schleswig-Holsteins Mieterbund-Chef Jochen Kiersch vorwiegend in klimatischen Faktoren. „Wir leben in einer exponierten Lage.“ Techem-Sprecherin Ute Ebers bringt es auf die Kurzform: „Im Norden zieht es immer, da muss mehr geheizt werden.“ Allerdings schließen Fachleute nicht aus, dass neben witterungsbedingten Faktoren auch die Bausubstanz eine Rolle spielt. „Wir haben viele alte Häuser“, gibt Kiersch zu Bedenken. Und Karin Sibeck aus dem für Wohnungsbau zuständigen Kieler Innenministerium fügt hinzu: „Wir haben sehr viele Nachkriegsbauten, die mit Marshallplangeldern in den 50er und 60er Jahren errichtet wurden und die den heutigen energetischen Standards nicht mehr entsprechen.“ Deshalb förderte die Landesregierung Neubau und Modernisierung mit zinsgünstigen Darlehen, sofern strenge Vorgaben bei der Wärmedämmung eingehalten werden.

Allerdings ist Wärmedämmung nicht alles. Häufig verleite sie sogar zu Verschwendung, warnt Techem-Chef Hans-Lothar Schäfer. „Ein dreifach verglastes Fenster ist nutzlos, wenn es gekippt wird.“ Eine weitere Verschärfung der Neubaustandards hält er für nicht sonderlich effektiv und außerdem für teuer. Mit Kiersch ist er einer Meinung: „Entscheidend ist der Bestand.“ Etwa 40 Prozent der Heizungen seien älter als 20 Jahre. Fatal sei auch, dass es kein grundsätzliches Modernisierungsgebot gebe und Mindeststandards und Grenzwerte für den maximalen Energieverbrauch pro Quadratmeter nicht durchgesetzt werden können. Deshalb gebe es immer noch „schlimme Energieschleudern mit Einwegverglasung“, berichtet der Mieterbundchef aus der täglichen Beratungspraxis.

Besserung fürs Portemonnaie der Bürger ist nicht in Sicht. In den ersten neun Monaten 2013 erhöhte sich der Absatz von Heizöl um 13 Prozent und der Verbrauch von Erdgas um elf Prozent. Und weil die Preise für Gas und Heizöl nicht sinken, dürfte die nächste Heizkostenabrechnung kaum erfreulicher sein als die aktuelle.

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