Kasernen zu Wohnungen : In Lübeck ist Umwandlung gelungen

Aus einstigen Kasernen sind in Lübeck in den 90er Jahren komplette Wohnquartiere entstanden. Die Notmaßnahme hat sich als sehr erfolgreich erwiesen.

shz.de von
25. Oktober 2011, 04:17 Uhr

Mitte der 90er Jahre hat im Wohnungsbau das Lübecker Konversionsmodell Schlagzeilen gemacht. Auf zwei ehemaligen Kasernen-Arealen entstanden innerhalb von fünf Jahren komplette Wohnquartiere mit zusammen rund 1500 Wohnungen. Sechs Wohnungsbauunternehmen der Stadt, die sich eigens dafür zu einem Konsortium zusammengeschlossen hatten, investierten damals mehr als eine Milliarde D-Mark (rund 51 Millionen Euro) in die Umwandlung. Das Projekt sei aus der Wohnungsnot geboren worden, aber habe sich als sehr erfolgreich erwiesen, sagte der damalige Lübecker Bausenator Volker Zahn.
Durch den Zuzug von rund 10.000 Neubürgern zwischen 1989 und 1990 hatte Lübeck Anfang der 90er Jahre ein akutes Wohnungsproblem. Da tat sich durch den Rückzug von Bundeswehr und Bundesgrenzschutz für die Stadt eine Chance auf. Insgesamt vier Liegenschaften mit zusammen 550 Hektar Fläche wurden auf einen Schlag frei - das entspricht dem Fünffachen der Lübecker Altstadtinsel. "Davon boten sich die Walderseekaserne und die Cambraikaserne durch ihre Lage inmitten von Wohngebieten und in der Nähe der Altstadt für eine Wohnnutzung an", sagte Zahn.
Sozial ausgewogene Mischung der Wohnungen
Innerhalb weniger Monate entwickelten die Fachleute der Lübecker Verwaltung ein städtebauliches Konzept für die neuen Wohngebiete und erarbeiteten Pläne für eine sozial ausgewogene Mischung der Wohnungen und ihrer künftigen Bewohner. Die Stadt kaufte formell die beiden ehemaligen Liegenschaften des Bundesgrenzschutzes, die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungsbaugesellschaften übernahm die Areale, veranstaltete Architekturwettbewerbe und begann in den Jahren 1993/94 mit dem Bau, 1998 war der letzte Bauabschnitt fertig.
"Beide Quartiere wurden und werden sehr gut angenommen, es gibt kaum Leerstände und keine sozialen Probleme", sage Zahn. Für das Gelingen des Konversionsprojekt, dass noch heute unter Fachleuten als Beispiel für gelungenen Städtebau gilt, gibt es seiner Meinung nach zwei Gründe: "Wir haben trotz der gebotenen Eile auf solide und qualitätvolle Architektur gesetzt, und die Stadt Lübeck hatte eine klare Vorstellung davon, wie die Stadtteile einmal aussehen sollten", sagte Zahn.

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