Uwe Appold : Impulsgeber aus dem Norden

Flötentöne der Landflucht mit Erde von Backåkra.
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Flötentöne der Landflucht mit Erde von Backåkra.

Der Flensburger Künstler Uwe Appold zeigt bei den Vereinten Nationen in Genf Bilderzyklus zu Texten des früheren UN-Generalsekretärs Dag Hammerskjöld

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01. Oktober 2011, 11:20 Uhr

Flensburg/Genf | Der Nationalfeiertag am 3. Oktober ist für Uwe Appold Anlass, über den Tag hinaus zu schauen. In doppeltem Sinn. Der Flensburger, der seit gut zwei Jahrzehnten mit großen Bilderzyklen für Aufsehen sorgt, ist nach Genf aufgebrochen. Am Tag der deutschen Einheit wird er in der Ständigen Deutschen UN-Vertretung an einem Empfang teilnehmen. Zwei Tage später startet in der Schweizer Hauptstadt eine ungewöhnliche Ausstellung.
Sprechen die Kanzlerin oder der deutsche Außenminister vor den Vereinten Nationen in New York, so ist das ein Ereignis. Nun aber ist es ein deutscher Künstler - noch dazu aus Schleswig-Holstein -, der auf internationales Parkett eingeladen worden ist. Appolds neuer Bilderzyklus zu Texten des früheren UN-Generalsekretärs Dag Hammerskjöld wird am kommenden Donnerstag am Hauptsitz der Vereinten Nationen in Genf präsentiert.
Brücken im Kalten Krieg
"Das Leben Hammerskjölds bewegt mich seit meiner Jugend. Es hat mich beeindruckt, wie er als Anwalt der Dritten Welt auftrat, wie er die UNO-Blauhelmsoldaten initiierte, um den Suezkrieg zu verhindern und 1960 20.000 Uno-Soldaten aufbot, um den Völkermord im Kongo zu verhindern. Umso mehr fühle ich mich jetzt geehrt, dass mich die schwedische Botschafterin eingeladen hat, meinen Zyklus zum 50. Todesjahr dieser großen Persönlichkeit im Palais des Nations zu zeigen", sagt Appold. UN-Generaldirektor Kassym-Jomart Tokayev wird die Ausstellung eröffnen.
Was für Deutschland die Wiedervereinigung, war für Dag Hammarskjöld, dem zweiten Generalsekretär der Vereinten Nationen (1953-1961), der unermüdliche Versuch, mitten im Kalten Krieg Brücken zu bauen. Für den Schriftsteller Oliver Kohler, der mit Appold zusammen ein Buch ("Dag Hammarskjöld - Die längste Reise ist die Reise nach innen", Adeo-Verlag) herausgebracht hat, ist der schwedische Politiker und Wissenschaftler "Architekt eines weltweiten friedlichen Zusammenlebens". Hammerskjöld, posthum ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis, kam vor 50 Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben. Bis heute konnte der Grund für den Absturz der UN-Maschine im September 1961 nicht geklärt werden.
Zehn vielschichtige Werke
Appold: "Immer wieder habe ich seine Tagebuchaufzeichnungen gelesen und mich schließlich vom November 2008 in Hammerskjölds Heimat auf Spurensuche begeben." Vom Strand in Hagestadt brachte er Sand mit, Erde von Simrislund oder aus Backåkra, wo Hammarskjöld den Bau einer überkonfessionellen Kapelle plante. Zehn vielschichtige Werke entstanden, in denen der Flensburger Texte des früheren UN-Generalsekretärs in Bilder umsetzte und darin den aus Schweden mitgebrachten Sand und die Erde verarbeitete. "Als ich die Spuren meiner Reise auf Leinwände brachte, begann die Reise erst wirklich. Wohin auch immer", sagt Appold. Dass sie ihn zu den Vereinten Nationen nach Genf führen würde, habe er natürlich nicht zu träumen gewagt.
Dabei hat der 69-jährige Maler und Bildhauer in vielen spektakulären Ausstellungen schon oft für Impulse gesorgt. So brachte er 2002 mit seinem Bilderzyklus zur Apokalypse auf der griechischen Insel Patmos, wo Johannes einst seine Geheime Offenbarung niedergeschrieben hat, hochrangige Vertreter aller christlichen Kirchen zum Dialog zusammen. Gesprächsstoff gibt es auch jetzt: Die Ausstellung in Genf endet am 2. November mit einem Tag der offenen Tür für alle Schüler und Studenten der Stadt.

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