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Post : Immer mehr Briefe kommen verspätet an

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Die Postboten sind überlastet und es gibt zu viele Quereinsteiger, sagt ein Gewerkschafter von Verdi. Ein Postsprecher sieht verspätet zugestellte Briefe aber nicht als generelles Problem.

Post-Verzögerungsärger im Norden: Briefe, die am 23. Dezember abgestempelt waren, wurden erst am 28. Dezember zugestellt. Kunden oder Privatpatienten werden erst mit einer Mahnung darauf aufmerksam, dass sie eine Rechnung bezahlen sollen, deren Ursprungsfassung sie nie bekommen haben. Die Industrie- und Handelskammer Flensburg hatte am Tag vor Silvester nur zwölf Briefe in ihrer Eingangspost – „selbst zwischen den Jahren hätten es mindestens mehrere Dutzend sein müssen“, sagt deren Poststellenchef Ingo Magnussen. Seit dem Frühherbst beobachtet er Probleme bei der Zustellung. „Auf manche Sendungen warten wir Tage lang, wir sind überhaupt nicht zufrieden.“

Für Uwe Gier, den Verdi-Betriebsgruppenvorsitzenden Brief in Kiel, ist das die Kehrseite davon, dass der Arbeitsalltag für viele Kollegen schwieriger geworden sei. „Auch wenn das Bemühen bis an die Leistungsgrenze selbstverständlich nach wie vor da ist, täglich zuzustellen“, wie er betont. Bei innerstädtischen Touren habe sich die Zahl der Haushalte innerhalb der vergangenen zehn Jahre nahezu verdoppelt. „Teilweise sind die Zustellbezirke so groß geworden, dass sie an einigen Tagen nicht mehr für jeden zu schaffen sind – es sei denn, die Leute wären zwölf oder 13 Stunden draußen.“ Laut Tarifvertrag gilt die 38,5-Stunden-Woche. Ein leicht sinkendes Aufkommen traditioneller Briefe werde durch vermehrte Werbepost mehr als kompensiert. Etwa durch die Sendung „Einkauf aktuell“, eine Kombination aus Fernsehprogramm und Sonderangeboten, die die Post flächendeckend zustellt. Im Hamburger Umland reiche die Menge davon an bis zu 1000 Sendungen pro Mann heran.

Vor allem im ländlichen Bereich hat laut Gier die starke Zunahme bei der Auslieferung von Online-Bestellungen die Dinge grundlegend verändert. Auf den Dörfern werden Pakete und Briefe meist von so genannten Verbundzustellern aus einer Hand in die Haushalte gebracht. Statt wie vor wenigen Jahren noch 30 Pakete pro Tag und Zusteller könnten es heute leicht 80 Pakete sein, schildert Gier.

Als großes Manko sieht der Gewerkschafter, dass sein Arbeitgeber zunehmend auf befristete Arbeitsverträge setze. Bei Quereinsteigern fördere das die Tendenz, sich nach einer Weile doch wieder nach Alternativen umzusehen. Dabei gebe es schon jetzt zu wenig Nachwuchs – sowohl bei kurzfristigen Aushilfen als auch bei ausgebildeten Langzeitkräften. Studenten etwa scheuten immer öfter vor einem Nebenjob als Austräger zurück, „weil er so anspruchsvoll geworden ist“. Und die Zahl der Ausbildungsplätze halte nicht mit der der Pensionierungen Schritt. Folge: Der Altersdurchschnitt der Zusteller in Schleswig-Holstein liegt bei 46 Jahren.

Martin Grundler, Sprecher der Deutschen Post für Schleswig-Holstein und Hamburg, erklärt: Er könne immer nur zu Einzelfällen Stellung nehmen, nicht pauschal für die Lage in Schleswig-Holstein. Allerdings habe es vor den Feiertagen in Teilen des nördlichsten Bundeslandes „in der Tat einen hohen Krankenstand gegeben“. Dann hätten Bezirke unter den verbliebenen Zustellern aufgeteilt werden müssen – „dabei kann es punktuell zu Abbrüchen der Zustellung gekommen sein.“ Allerdings allenfalls für lediglich einen Tag. Dies vor dem Hintergrund, dass sich die Menge der zugestellten Sendungen vor Weihnachten fast verdoppelt habe.

Grundsätzlich bemühe sich die Post, vor derartigen Spitzenzeiten zusätzliches Personal einzustellen. Offenbar ist indes nicht jeder Bewerber geeignet: „Das Angebot an Kräften, das sich daraufhin meldet, ist allerdings unterschiedlich.“

Für einen Standardbrief müssen Postkunden derweil seit dem Jahreswechsel 60 statt bisher 58 Cent berappen. Grundler erklärt das mit steigenden Kosten für Personal, Treibstoff und Energie. Und auch mit Investitionen in neue Sortiertechnik für Briefpost. Durch höhere Automatisierung dabei sollten Zusteller einen noch höheren Anteil ihrer Arbeitszeit in der Zustellung verbringen.

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erstellt am 02.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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