Standesamt Husum : "Ida" soll kein Name für Mädchen sein

Die Freude über  seine  kleine Tochter lässt sich das Ehepaar auch nicht durch den Namensstreit nehmen. Heide und Thorsten Jöns-Erichsen möchten ihr Mädchen  schlicht Ida nennen. Foto: Volkert Bandixen
Die Freude über seine kleine Tochter lässt sich das Ehepaar auch nicht durch den Namensstreit nehmen. Heide und Thorsten Jöns-Erichsen möchten ihr Mädchen schlicht Ida nennen. Foto: Volkert Bandixen

In Eckernförde ist Ida einer der beliebtesten Mädchennamen - in Husum dürfen Mädchen so nicht heißen. Denn für das Husumer Standesamt ist "Ida" nicht eindeutig weiblich. Ein junges Elternpaar aus Goldebek will nun vor Gericht ziehen.

shz.de von
01. März 2008, 04:52 Uhr

Husum / Goldebek | Heide und Thorsten Jöns-Erichsen verstehen die Welt nicht mehr. Das junge Ehepaar aus Goldebek möchte sein neu geborenes Töchterchen Ida nennen. Das darf es aber nicht. Laut Standesamt Husum muss ein zweiter Name beigestellt werden. Begründung: "Ida" ist geschlechtsneutral. Damit auch wirklich klar erkennbar ist, ob es sich um ein Mädchen oder um einen Jungen handelt, sollen die Eltern nun einen rein weiblichen Namen vor oder hinter "Ida" stellen.

"Das ist überhaupt nicht in unserem Sinne", ärgert sich der frisch gebackene Papa. Gerade weil das Paar einen langen Familiennamen trägt, sollte der Vorname der Kleinen kurz und bündig sein: Ida. Ida Jöns-Erichsen - das klingt gut, fand das Paar und hätte im Traum nicht daran gedacht, dass es nun für seinen Wunsch auch noch kämpfen muss.

"Jeder, der unsere Geschichte hört, schüttelt ungläubig mit dem Kopf", erzählt der Goldebeker. "Wo soll an dem Namen denn etwas geschlechtsneutrales sein?" Kein Mensch denke doch bei Ida an einen Jungen.
International ist Ida geschlechtsneutral
Doch das Standesamt Husum beruft sich auf die Dienstanweisung für Standesbeamten. Dort heißt es im Paragraph 262, Absatz vier: "Für Knaben sind nur männliche, für Mädchen nur weibliche Vornamen zulässig. (...) Lässt ein Vorname Zweifel über das Geschlecht des Kindes aufkommen, so ist zu verlangen, dass dem Kinde ein weiterer, den Zweifel ausschließender Vorname beigelegt wird." Diese Dienstanweisung ist erst zum Juni 2007 aktualisiert worden.

Auch wenn beim Vornamen Ida die meisten wohl nie auf die Idee kämen, dahinter einen Jungen zu vermuten, sieht es das Internationale Handbuch für Namen - herausgegeben von der Gesellschaft für deutsche Sprache und dem Bundesverband der Standesbeamten - anders. In dem 457 Seiten umfassenden Standardwerk ist Ida als geschlechtsneutral aufgeführt.

Pech für die Jöns-Erichsens, denn damit war die Entscheidung gefallen. Doppeltes Pech der Goldebeker, dass die drei Standesbeamten der Stadt Husum just im August 2007 beschlossen hatten, sich wirklich ausnahmslos an die vorgegebenen Richtlinien zu halten. Anstoß dafür hatte der Modename "Merle" gegeben - laut Handbuch geschlechtsneutral. Um keine der zahlreichen Eltern, die ihrem Töchterchen diesen Namen mit auf den Lebensweg geben wollten, zu bevorzugen, galt sofort die Regel: keine Ausnahmen. Wohl oder übel mussten sich die Betroffenen etwas Neues ausdenken oder sich zu einem Doppel-Namen entschließen. Die Initialen MM schienen zu locken, denn seit August werden etliche Mädchen als Merle-Marie geführt.
Gerichtsverfahren: schwierig und teuer

Für die Familie Jöns-Erichsen ist ein Doppel-Vorname zum Doppel-Familiennamen keine Lösung. Sie überlegt nun, ob sie ihr verbrieftes Recht in Anspruch nehmen und beim Amtsgericht Flensburg die "Vornahme einer Amtshandlung" beantragen soll. "Unser Rechtsanwalt hat gesagt, dass dies schwierig und kostspielig ist", wägt der junge Familienvater ab, "und dass man kaum damit durchkommt". Namen wie Jon und Mika sind zum Beispiel gescheitert - das Gericht hatte sie als geschlechtsneutral eingestuft und als reine Jungennamen abgelehnt.

Die ganze Aufregung um Ida versteht Margitta Paulsen, Standesbeamtin im Amt Bredstedt-Land, überhaupt nicht. "Für mich ist das eindeutig ein Mädchenname", sagt sie, und auch ihr Kollege vom Amt Südtondern sieht das so: "Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nachzuschlagen." Wäre das Kind also nicht in der Klinik in Husum, sondern im Niebüller Krankenhaus oder bei einer Hausgeburt in Goldebek zur Welt gekommen, würde es Ida heißen dürfen. Denn: Letztlich entscheidet der Standesbeamte.
Oberlandesgericht in Schleswig erlaubt "Extra"-Namen
Mut könnte den Eltern eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Schleswig machen: Es hat im September 2003 entschieden, dass Eltern aus dem Kreis Steinburg ihre Tochter Emilie-Extra nennen dürfen. Das Standesamt hatte das zunächst abgelehnt. Das Gericht hingegen erlaubte in einem anderen Verfahren auch den Begriff Prestige als zusätzlichen Namen.

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