Langwedel : "Ich warte auf Dich" - Loki, Helmut und das Haus am Brahmsee

1981: Helmut Schmidt und seine Frau Loki  entspannen im Urlaub an 'ihrem' Brahmsee.
1981: Helmut Schmidt und seine Frau Loki entspannen im Urlaub an "ihrem" Brahmsee.

Im Ferienhaus der Schmidts am Brahmsee soll noch heute ein Familienrelikt liegen. Ein vergilbtes Blatt Papier mit der handschriftlichen Notiz: "Ich warte auf Dich. Deine Loki."

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22. Oktober 2010, 01:59 Uhr

langwedel | Die kurze Botschaft sagt viel über Lokis Ehe mit einem Profi-Politiker. Hamburger Innensenator, Bundestagsabgeordneter, Bundesminister und schließlich Kanzler. Da bleibt wenig Zeit für ein Privatleben. Doch das Wort "Wochenende-Ehe" mochte Loki Schmidt nie. "Man muss sich aufeinander einstellen, wenn man sich liebt. Und das hieß eben oft warten - auch im Feriendomizil.
Seit 1958 verbrachten die Schmidts immer wenn es möglich war ihren Sommerurlaub in dem kleinen Haus am See. "Wir sind ein Teil der Dorfbevölkerung. Hier kommt keiner und will ein Autogramm. Hier werden wir nicht gestört, hier haben wir unsere Ruhe - hier leben Norddeutsche, die an ihrer Heimat hängen." Gewohnt kurz und pregnant schilderte der Alt-Kanzler einst die Gründe für die Treue zum Brahmsee. Damals hatten die Schmidts rund 3000 Quadratmeter Ufergrundstück gekauft; für 7000 D-Mark. Was dort entstand nannte das Paar rasch "unser zweites Zuhause", hin und wieder auch "unser kleines Paradies". Das allerdings am Anfang wenig paradiesisch anmutete: Eine schlichte Holzhütte, Wände aus Presspappe, verkleidet mit Eternitplatten. Billiger Fertigbau. "Mehr war nicht drin!" sagte Helmut Schmidt 2005 dem Journalisten Günter Stiller ("Hamburger Abendblatt") am Brahmsee. Und er schilderte dem Besucher, wie sich im Winter 1957/58 der Wunsch nach einem Urlaubsdomizil in Schleswig-Holsteiner realisierte. Helmut Schmidt, damals Mitglied des SPD-Fraktionsvorstands im Bundestag, der Abgeordnete und Freund Willi Berkhan sowie ein Busunternehmer aus Kiel saßen im Schnellzug Bonn-Hamburg, der im Schnee steckengeblieben war. Und der Plan wurde konkret. Denn: Der Unternehmer beschäftigte einen Busfahrer aus Langwedel, der einen Bauern kannte, der verkaufen wollte.
Die große Politik kam in das kleine Langwedel
An einem eiskalten Februartag waren Helmut und Loki Schmidt zum ersten Mal am Brahmsee. "Wir waren wild entschlossen zu kaufen", sagt Loki später. "Über fast vier Jahrzehnte haben wir den Sommerurlaub alljährlich mit Friedel und Willi Berkhan am Brahmsee verbracht. Ein einziges Mal hatten Friedel und Willi Urlaub in den Alpen machen wollen, brachen ihn aber schon nach einer Woche ab; am Brahmsee und mit uns zusammen, so erklärten sie, sei es doch viel besser als in den Alpen."
Ein Zimmer für die Eltern, ein Kinderschlafraum, eine winzige Küche, ein Plumpsklo und Petroleumlampen -so fing es an. Kein Strom, kein Wasser, keine Heizung. Im Winter heizte ein Petroleumofen. Er hatte keinen Abzug. In einer Nacht wurde Loki von den Abgasen ohnmächtig und fiel aus dem Bett. Das Geräusch weckte Helmut Schmidt auf - "sonst wären wir beide tot gewesen", sagt er.
Doch die Idylle am See war nie ausschließlich privat. Die große Politik kam in das kleine Langwedel und das Ferienhaus geriet in die Schlagzeilen: "Koalitionskampf am Brahmsee", oder "Bankrott-Gipfel am Brahmsee" hieß es in den Zeitungen. Im Sommer 1970 wurden sogar Fernmeldesoldaten im Dorf stationiert, um den damaligen Verteidigungsminister des Kabinetts Brandt mit Informationen zu versorgen. Auch ein Schleswig-Holsteiner war häufiger Gast: Gerhard Stoltenberg, obwohl der von der "anderen Feldpostnummer" war, sagt Schmidt.

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