zur Navigation springen

Mobbing an Schulen : "Ich hätte tot umfallen können"

vom

Nicht nur Erwachsene leiden darunter, sondern zunehmend auch Kinder in den Schulen: Mobbing. Eine Schülerin berichtet von den Attacken ihrer Klassenkameraden.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2009 | 02:53 Uhr

Laboe | Über fünf Jahre wurde Anna-Lena S. von ihren Klassenkameraden gemobbt (Englisch: to mob = pöbeln). Fast wäre sie daran zerbrochen. Schleswig-Holstein am Sonntag hat sie ihre Geschichte erzählt. "Wehrt euch mit Worten! Sucht euch Unterstützung!", lauten ihre Tipps für andere Betroffene.
In der Grundschule lief bei Anna-Lena S. alles glatt. Dann wechselte sie auf die Realschule. "In meiner neuen Klasse waren nur drei Mädchen, sonst alles Jungs. Einige Jungs ärgerten mich von Anfang an", erzählt sie. Dumme Sprüche und Sticheleien auf dem Schulhof gab es täglich. Wenn sie sich im Unterricht zu Wort meldete, äfften die Jungen sie nach. Das war ihr peinlich. Bald meldete sie sich gar nicht mehr. "Natürlich überlegte ich, warum die Jungs so gemein zu mir waren, aber ich fand keine Erklärung. Ich kann nur sagen, dass ich ein ruhiger, eher schüchterner Typ bin". Auch sei es ihren Eltern nicht möglich gewesen, ihr ständig teure Markenklamotten oder neueste Handymodelle zu kaufen. "Oft wurde ich dafür dumm angemacht", so die 17-Jährige.
Die anderen schauten weg

"Schlimm war, dass mich eigentlich nur vier Jungs ärgerten, aber alle anderen tatenlos zuschauten oder wegguckten. Keiner half oder ergriff Partei für mich. Ich war irgendwann soweit, dass ich nicht mehr in die Schule wollte. Ich bekam Bauchschmerzen, weinte viel und hatte keine Lust am Leben mehr." In dieser schweren Zeit standen Anna-Lena S. ihre Familie und Freundinnen aus einem Mädchentreff zur Seite. Gemeinsam besprachen sie, ob Anna-Lena nicht besser die Schule wechseln sollte. Doch aufgeben kam für sie nicht in Frage.
Schließlich nahm sie allen Mut zusammen und sprach einen Lehrer auf ihre Situation an. Der hörte zwar aufmerksam zu, unternahm aber nichts. Die Schikanen der Mitschüler gingen ungehindert weiter.
Attacke mit gefundener Spritze
Dann folgte eine heftige Attacke: "Zwei Jungs aus meiner Klasse hatten auf der Straße eine Spritze gefunden. Eine, die Diabetiker benutzen, um sich Insulin zu spritzen. Die Jungs kamen auf mich zu und rammten mir die Spritze in den Arm. Das tat weh und ich hatte große Sorge, dass ich jetzt Aids bekomme. Auch wusste ich nicht, ob noch Insulin in der Spritze war. Hätten sie mir das gespritzt, hätte ich tot umfallen können." Das verängstigte Mädchen vertraute sich sofort ihrer Mutter an. Die erstattete bei der Polizei Anzeige. Außerdem begleitete sie ihre Tochter vorsorglich zum Aidstest. Die jugendlichen Täter wurden für ihren Angriff strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen, denn sie waren zur Tatzeit erst 13 Jahre alt.

Kurz bevor Anna-Lena S. in die neunte Klasse kam, sprach sie noch einmal einen Lehrer auf das Mobbing an. Dieser reagierte umgehend und redete ein ernstes Wort mit ihren Mitschülern. "Danach wurde es tatsächlich besser. Im neunten Schuljahr hatte ich endlich Ruhe", blickt sie zurück.

Hilfe für Kinder- und Jugendliche: 0800/1110333; für Eltern: 0800/111 0550,

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen