Iraner Ehsan Abri : "Ich hätte den Polizisten umarmen können"

Der Iraner Ehsan Abri hat eine Duldung erhalten. Er ist jetzt im Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster untergebracht. Foto: Gehm
Der Iraner Ehsan Abri hat eine Duldung erhalten. Er ist jetzt im Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster untergebracht. Foto: Gehm

Ehsan Abri bleibt in Schleswig-Holstein. Die Abschiebung des Iraners wurde am Montag im letzten Moment gestoppt. shz.de traf den Mann in Neumünster.

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26. Juni 2013, 02:59 Uhr

Neumünster | Die Erleichterung, das Glück dieses Moments, wird greifbar mit seinem Lächeln: Der Iraner Ehsan Abri (25), dem in seiner Heimat die Hinrichtung droht, wird nicht abgeschoben. Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich (CSU) hat die für Montag geplante Ausreise im letzten Moment gestoppt. "Ich bin einfach nur glücklich", erklärte Abri am Nachmittag in Neumünster.
Um 5 Uhr sollte der Flieger starten, am Hamburger Flughafen hatten sich bereits 100 Menschen versammelt, um gegen die Abschiebung zu demonstrieren. "Ein Polizist kam zu mir und sagte, er habe gute Nachrichten für mich", berichtet Abri. "Ich hätte ihn umarmen können."

Regierungskritisches TV-Programm auf Youtube

Der Jurastudent hat sich in seiner Heimat in der kommunistischen Partei engagiert. Und mit Freunden gestaltete er ein eigenes TV-Programm, das auf Youtube veröffentlicht wurde. "JK Hangout" kritisierte die Regierung. "Alle Leute im Iran wollen den Wandel", sagt Abri. "Wir haben das islamische Regime bekämpft."
Über seine Flucht erzählt er: "Im November wurde mein Freund Sazar Beheshzi verhaftet, er starb auf der Polizeiwache. Danach suchten Polizisten in meinem Elternhaus nach mir, nahmen meinen Laptop mit. Meine Mutter rief mich an und sagte: Komm nicht zurück, du musst fliehen."

Zu Fuß nach Europa

Zu Fuß schlug sich Ehsan Abri nach Europa durch, im Mai griffen ihn in Ungarn Polizisten auf, nahmen seine Fingerabdrücke. Damit galt für ihn die Dublin II-Verordnung: Für Asylanträge ist das Ersteinreiseland zuständig. "Doch in Ungarn gibt es keine fairen Asylverfahren, zudem wird in den Iran abgeschoben", erklärt Martin Link vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Deshalb versuchte Abri, mit der Bahn nach Kopenhagen zu reisen, wurde aber von Bundespolizisten festgenommen und in die Abschiebehafteinrichtung Rendsburg gebracht.
Dort kümmerte sich Solveig Deutschmann um ihn. "Wir haben seinen Fall recherchiert, einen Asylantrag unterstützt", sagt die ehrenamtliche Beraterin des Flüchtlingsrats. Doch der Asylantrag in Deutschland wurde aus formalen Gründen abgelehnt - da Ungarn zuständig sei.

Zahlreiche Mails an Hans Peter Friedrich

Nach Berichten über die geplante Abschiebung schrieben etliche Bürger dem Bundesinnenminister E-Mails. Darunter auch Innenminister Andreas Breitner (SPD), der Hans Peter Friedrich am Sonntagnachmittag bat, sich der Sache persönlich anzunehmen und für eine humanitäre Lösung einzusetzen. "Nur durch Friedrichs prompte Reaktion konnte die schon eingeleitete Abschiebung gestoppt werden", sagte Breitner am Montag. Der Bund habe jetzt noch einmal die Gelegenheit, den Fall zu prüfen.
Im Behördendeutsch heißt das "Selbsteintritt". Es bedeutet, dass Ungarn das Asylverfahren abgenommen wird. Dann kann, jenseits der Formalien, geprüft werden, in welcher Gefahr der Iraner schwebt. Abri berichtete Montag von 17 Studenten, die aus Malaysia abgeschoben worden sind. "Niemand weiß etwas über ihr Schicksal." Und dann sagt er: "Ich kann die Freiheit schon spüren, aber wäre es nicht schön, wenn alle Menschen in Freiheit leben könnten?"

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