Interview : Ich habe die kleine Nena in mir bewahrt

Bei der Verleihung des Deutschen Kinderpreises in Hannover zettelte Nena eine bunte Farbenschlacht an. Foto: dpa
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Bei der Verleihung des Deutschen Kinderpreises in Hannover zettelte Nena eine bunte Farbenschlacht an. Foto: dpa

Nena (48) hat gerade den Ehrenpreis des Deutschen Kinderpreises bekommen. Passend dazu ist jetzt ihr neues Kinderalbum erschienen. Im Interview mit der sh:z-KiNa-Redaktion erzählt sie von der matschigen Preisverleihung und Lehrern, die abgewählt werden können.

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27. November 2008, 05:40 Uhr

Die meisten Leute kennen dich nur unter deinem Spitz- oder Künstlernamen Nena. Ist es dann normal, dass alle Leute dich duzen?
Ja klar. Das mit dem siezen ist immer so distanziert. Das mag ich nicht.
Möchtest du denn Nena genannt werden oder lieber mit deinem richtigen Namen Gabriele Susanne angesprochen werden?
Nena ist mein Name. So heiße ich seit meinem dritten Lebensjahr. Den Namen habe ich mir selber gegeben und damit bin ich groß geworden.
Du machst ja seit vielen Jahren nicht nur Popmusik, sondern auch Musik für Kinder und engagierst dich für Kinder. Jetzt hast du beim deutschen Kinderpreis den Ehrenpreis bekommen. Was bedeutet das für dich?
Das bedeutet mir sehr viel - aber auch gar nichts. Im Moment der Preisübergabe ist das natürlich etwas sehr Schönes. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass ich das, was ich mit Kindern mache, einfach so vorleben möchte. Dafür kann man eigentlich gar nicht ausgezeichnet werden. Das ist kein Verdienst, sondern eine Lebensform. Dennoch: Diesen Preis zu kriegen ist etwas Wunderschönes, weil es dabei nicht - wie bei anderen Preisen - um Plattenverkäufe geht, sondern um die Kinder. Die Landesbischöfin hat eine schöne Rede über mich gehalten, die mich echt berührt hat. Und dass ich dann am Schluss noch meine Aktion starten durfte (Nena hat sich mit Kindern und einigen Erwachsenen gegenseitig mit Farbe beschmiert; Anmerkung der Redaktion) - das hat einfach Spaß gemacht. Das wäre bei einer anderen Preisverleihung nicht möglich gewesen. Mit ein paar Farben haben wir die ganze Veranstaltung aus dem Gleichgewicht gebracht.
War das nicht eine Riesensauerei? Und wie bist du die Farbe wieder losgeworden?
Ich stand eine halbe Stunde unter der Dusche, und dann war das Zeug wieder runter. Aber ich habe die ganze Aktion sehr genossen – genau wie die Kinder. Es ging dabei wirklich jegliche Eitelkeit einfach weg. Es war völlig egal, ob man gut aussieht oder nicht. Wir waren im Hier und Jetzt. Ich finde Schlamm und Modder einfach gut.
Wie haben denn die ganzen Leute in ihren schicken Anzügen und Kleidern reagiert?
Ein paar von ihnen haben sich getraut und hatten spontan Lust mitzumachen. Einige Männer haben ihre Jacken weggeworfen und sind mitten rein ins Geschehen gegangen. Das ist ein wunderschöner Moment, wenn erwachsene Menschen sich wieder daran erinnern, dass sie auch mal Kind waren.
Gerade ist dein neues Kinderalbum "Himmel, Sonne, Wind und Regen" erschienen. Was erwartet uns darauf?
Jeder Mensch hat andere Erwartungen, deswegen will ich keine Erwartungshaltung bedienen. Ich kann nur ehrlich zu mir selbst sein und das machen, woran ich glaube und was ich fühle. Ob man das dann mag oder nicht mag, das kann ich nicht entscheiden. Ich kann mein Album selbst nur schwer beschreiben. Man muss es sich einfach selber anhören und gucken, was die Musik mit einem macht. Aber knapp gesagt: Ich singe über vieles, was ich in der Natur erlebe.
Du hast mal gesagt, dass Kinder die Welt anders wahrnehmen als Erwachsene. Viele hätten gar verlernt, wie ein Kind zu denken. Warum gelingt dir das anscheinend besser als vielen anderen?
Es ist immer schön, wenn man Erwachsenen begegnet, die bereit sind, ihr inneres Kind wieder rauszulassen. Mir gelingt das auch nicht immer. Aber ich kann mir mein Leben ohne die kleine Nena in mir gar nicht vorstellen. Ich bin zwar 48 Jahre alt, aber ich weiß nicht, was das eigentlich bedeutet.
Der Name Nena stammt aus dem Spanischen und heißt übersetzt "kleines Mädchen". Das passt, oder?
Eigentlich heißt es Niña. Aber das konnte ich als kleines Kind nicht aussprechen. Dabei ist dann Nena rausgekommen.
Auf deinem neuen Album haben auch dein Mann und deine Tochter Larissa (18) mitgewirkt. Ist das etwas Besonderes für Dich?
Bei uns zu Hause läuft es so, dass jeder mitmachen kann, der möchte. Meine Tochter hat einfach irgendwann gesagt: "Mir fällt dazu auch etwas ein." Das hat sie mir dann gezeigt und ich fand es gleich schön.
Unter anderem hat sie das Lied "Mama" geschrieben und selbst gesungen. Ist das eine Liebeserklärung an dich?
Sicherlich trifft das ein Stück weit zu, und ich habe mich darüber sehr gefreut. Ich war total gerührt. Es soll aber auch ein Dankeschön an alle Mütter sein.
Und die Zusammenarbeit mit deinem Mann?
Dass er mitsingt, darauf habe ich ein wenig gedrängt. Erst wollte er nicht. Aber ich finde seine Stimme wunderschön und das Lied "Baum", das er singt, passt unglaublich schön zu ihm passt. Im Nachhinein findet er es auch toll, dass er mitgemacht hat.
Du bist auch Mitgründerin der "Neuen Schule Hamburg". Erklärst du kurz, was das Besondere daran ist?
Das ist eine Schule, auf der Kinder selbst entscheiden können, was sie lernen, wann sie es lernen und mit wem sie es lernen. Wir sind demokratisch organisiert. Das heißt, jedes Kind und jeder Erwachsene an dieser Schule hat eine Stimme, und es gibt regelmäßige Schulversammlungen, bei denen gemeinsame Entscheidungen beschlossen werden. Es wird zum Beispiel darüber abgestimmt, welche Regeln es gibt, welche Lehrer bei uns ein dürfen. Das ist in Deutschland einmalig.
Wurden denn auch schon Lehrer abgewählt?
Unsere Schule gibt es erst seit einem Jahr, deshalb gab es erst eine Lehrerwahl. Alle durften bleiben.
Du bist selbst Mutter von fünf Kindern. Gehen einige davon auch in die Neue Schule?
Ja, drei von ihnen. Und wir leben die Grundsätze der Schule auch zu Hause weiter. Das kann man nicht trennen. Ich lasse meine Kindern den Weg gehen, den sie gehen wollen. Sie sollen sich entfalten können.
Das hört sich sehr harmonisch an. Gibt es bei Euch zu Hause denn auch Streit?
Das denken viele Leute. Aber in jeder Gemeinschaft gibt es Streitigkeiten. Wir gehen nur anders damit um. Wir suchen nach Lösungen, nicht nach dem Schuldigen und der bestmöglichen Bestrafung. Das geht nicht immer ohne Probleme. Wir stehen, wie alle anderen, Mitten im Leben. Konflikte gehören dazu, und sie sind wichtig, um daran zu wachsen.

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