Weniger Gäste aus Deutschland : Hohe Provisionen machen dänische Ferienhäuser teuer

Ein Sommer in Dänemark - dieser Urlaub ist vielen Deutschen zu teuer. Foto: dpa
Ein Sommer in Dänemark - dieser Urlaub ist vielen Deutschen zu teuer. Foto: dpa

Ferienhausbesitzer in Dänemark klagen über immer weniger Gäste aus Deutschland. Die privaten Eigentümer mahnen die Branche zur Bescheidenheit.

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27. Juli 2013, 10:12 Uhr

esbjerg | Warum fahren von Jahr zu Jahr weniger Schleswig-Holsteiner und andere Deutsche in dänische Ferienhäuser? Nördlich der Grenze geraten die großen Sommerhausvermittler in die Kritik. Die privaten Eigentümer der Häuser kritisieren Unternehmen wie Dansommer, Novasol, Sol & Strand und andere, völlig überzogene Provisionen einzustreichen. Wären die Firmen genügsamer, würden die Deutschen als Urlaubsgäste zurückkehren.
Kim Juhlin vom aus Protest gegründeten kleinen "Verband dänischer Sommerhausvermieter" sagt: "Nach meiner überschlagsmäßigen Berechnung kassieren die großen Agenturen eine Provision von durchschnittlich 60 Prozent. Darauf addieren sie noch einmal zehn bis 14 Prozent, wenn sie an Deutsche vermieten. Ich als Eigentümer sehe nichts davon." Juhlin ergänzt: "Die großen Büros haben auch in verschiedenen anderen Ländern Ferienhäuser im Angebot. Deshalb kann es ihnen am Ende egal sein, wohin Herr Schulz aus Deutschland fährt. Aber uns als Eigentümern kann es nicht egal sein. Und dem Kaufmann in Henne Strand auch nicht."

Deutsche bezahlen mehr als Dänen

"Wir sind diejenigen, die mit dem Schwarzen Peter sitzen bleiben", ärgert sich Thorkild Hansen, der zwei Ferienhäuser auf der Nordseeinsel Röm besitzt. Er boykottiert die großen Vermittler. "Die Gewinn-Margen bei den großen Büros sind viel zu hoch. Sie finden zwar alle möglichen anderen Bezeichnungen dafür. Aber ich spreche von dem Unterschied zwischen dem, was die Eigentümer bekommen, und dem Preis, den der Tourist bezahlt." Hansen meint: "Würden die Mieten 25 bis 30 Prozent niedriger, würden die Urlauber wiederkommen." Hansen fischt über eine eigene Website nach Kunden. In der Hochsaison liegen seine Preise 2000 bis 3000 Kronen unter dem, was die Agenturen verlangen würden - also etwa 285 bis 428 Euro günstiger. Derzeit lässt Hansen auch seine Häuser mit Wärmepumpen ausstatten - als Ergänzung zur Stromheizung. "Viele können das nicht verstehen, weil die Gäste den Verbrauch doch selbst bezahlen müssen", erzählt er. "Jaja, antworte ich dann - aber die Gäste gehen doch dorthin, wo sie am wenigsten auf den Tisch legen müssen."
Die Zeitung Jydske Vestkysten hat bei einem willkürlich ausgewählten großen Anbieter die Preise für ein Haus auf Fanø verglichen, für zwei Erwachsene und drei Kinder vom 3. bis 10. August. Das Haus liegt nah am Wasser, verfügt über Pool und Spa und ist für acht Personen zugelassen. Auf der dänischen Internetseite betrug der Preis 13.150 Kronen, auf der deutschen 1872 Euro - was 13.946,40 Kronen und damit einem Aufschlag von 796 Kronen und rund 100 Euro entspricht. sh:z-Recherchen hatten in früheren Jahren ebenfalls Preisunterschiede für dänische Sommerhäuser je nach deutschem und dänischem Markt ergeben.
Der Verband dänischer Ferienhaus-Vermieter erklärte die Differenz unter anderem mit dem angeblich strengeren deutschen Verbraucherschutz. So müssten die dänischen Anbieter extra Versicherungen abschließen, um bei einer Insolvenz Schadensersatz zahlen zu können. Außerdem verwies Verbands-Direktor Carlos Villaro Lassen auf höhere Vertriebskosten für den deutschen Markt - vom Aufwand für den Katalogversand bis hin zu Übersetzungen. Der Verband weist auch jetzt die Forderung nach Grenzen für Provisionen zurück. Es gebe keine Regeln, wie hoch Provisionen und Gewinne sein dürften, sagt Direktor Lassen. "Das muss der Markt regeln", findet er. "Fast überall wird der Eigentümer von fünf Agenturen umworben, die das Haus in ihr Angebot aufnehmen wollen." Lassen erklärt, dass die Chance für eine Vermietung eines Objektes durch die großen Büros steige. Wer privat vermiete, vermietet nur halb so oft. Der Direktor meint: "Als Eigentümer kann man einfach ein Büro wählen, das eine niedrigere Provision nimmt." Allerdings räumt er ein, dass ein Eigentümer die Höhe nicht erkennen könne.

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