Wohnen : Hohe Mieten: Viele Familien auf Hartz-IV-Niveau

Miete bezahlt - un dann? In den einkommensschwachen Familien in den Städten ist das Geld zum Leben knapp. Foto: dpa
Miete bezahlt - un dann? In den einkommensschwachen Familien in den Städten ist das Geld zum Leben knapp. Foto: dpa

Arbeit unter Hartz-IV-Regelsatz: In den großen Städten in SH machen hohe Mieten einkommensschwachen Familien das Leben schwer. In Hamburg haben auch Normalverdiener Probleme.

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24. Juli 2013, 09:38 Uhr

Kiel | Wegen hoher Mieten rutschen viele einkommensschwache Familien in den größten Städten im Norden Deutschlands unter Hartz-IV-Niveau. In Hamburg, Kiel, Flensburg und Lübeck bleibt ihnen nach Abzug der Miete im Schnitt weniger Geld übrig als der Hartz-IV-Regelsatz von 1169 Euro im Monat, wie die Bertelsmann Stiftung am Montag mitteilte. Berechnet wurde dies für eine vierköpfige Familie mit weniger als 60 Prozent des regionalen Durchschnittseinkommens, die ein Kind bis sieben Jahre sowie ein Kind zwischen sieben und 14 Jahren hat.
In Flensburg hat eine solche Familie laut Studie nach der Mietzahlung rechnerisch noch 1015 Euro zur Verfügung - sie liege damit 13 Prozent unter der Grundsicherung. Grund sei vor allem das relativ geringe Durchschnittseinkommen in der Stadt. In Kiel landeten die Familien zehn Prozent, in Lübeck vier Prozent unter Hartz-IV-Niveau. Ausgeben mussten sie für die Miete demnach jeweils etwas weniger als 30 Prozent ihres Haushaltseinkommens.

Kaum familientaugliche Wohnungen in Hamburg

Die Lage in Hamburg weicht davon laut Studie erheblich ab. Zwar kommt die Hansestadt auf ein relativ hohes Durchschnittseinkommen, gleichzeitig kostet eine für die Familien geeignete Wohnung fast doppelt so viel wie in Kiel, Flensburg oder Lübeck. Mehr als 42 Prozent des Haushaltseinkommens müssten die einkommensschwachen Familien dafür investieren. Die Zahlung bedeute für sie, mit ihrem Budget im Schnitt sechs Prozent unter dem Level der Grundsicherung zu landen.
Familientaugliche Wohnungen sind in Hamburg nach Angaben der Autoren rar gesät. Nur eine von fünfzig sei für einkommensschwache Familien bezahlbar. Der Wert ist auch im bundesweiten Vergleich weit unter Durchschnitt (12 Prozent). Gleichzeitig müssten auch Familien mit mittlerem Einkommen auf Gebiete außerhalb des Zentrums ausweichen. Durchschnittsverdiener fänden in der Hansestadt erst bis zu 27 Kilometer jenseits des Zentrums eine geeignete Bleibe - auch das ist eine deutliche Abweichung vom Bundesschnitt (8 Kilometer).
Bundesweit zeigt die Studie erheblich Schwankungen zwischen den 100 größten Städten Deutschlands. In 60 von ihnen blieb den einkommensschwachen Familien nach Abzug der Miete weniger als Hartz IV. In Jena (Thüringen) lagen sie demnach sogar 43 Prozent darunter - in Heilbronn (Baden-Württemberg) hingegen 66 Prozent darüber. Auch der Anteil der Wohnkosten am Einkommen schwankt laut Studie deutlich. In Frankfurt am Main oder München müssten die einkommensschwachen Familien im Schnitt mindestens jeden zweiten Euro in die Miete stecken. Grundlage der Modellrechnungen waren der Mikrozensus 2011 sowie eine Datenbank mit Immobilienangeboten.

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