Sicherheit im Straßenverkehr : Höhere Bußgelder für Fahrrad-Rüpel

Wer beim Radfahren auf der falschen Straßenseite erwischt wird, muss ein höheres Bußgeld zahlen. Foto: dpa
Wer beim Radfahren auf der falschen Straßenseite erwischt wird, muss ein höheres Bußgeld zahlen. Foto: dpa

Ohne Rücklicht auf der falschen Straßenseite radeln und dann noch eine rote Ampel ignorieren: Das wird ab sofort teurer. Fragen und Antworten zu den Neuregelungen und Bußgeldern.

shz.de von
03. April 2013, 08:13 Uhr

Das passende Frühlingswetter lässt noch auf sich warten. Für Radler kommen nun aber pünktlich zum Start der Saison mehrere Neuregelungen: Bei gefährlichen Verstößen wie dem Fahren ohne Licht sind ab Ostermontag, dem 1. April 2013, höhere Geldbußen fällig. Aber auch Autofahrer werden bei mangelnder Rücksicht stärker zur Kasse gebeten. Zum Paket gehören weitere Änderungen, die Zweirädern mehr Sicherheit auf den Straßen bringen sollen. Fahrradverbände fordern noch weitergehende Verbesserungen - und auch mehr Kontrollen.

Welche Fahrrad-Bußgelder werden heraufgesetzt?
Beschwerden über "Rüpel-Radler" werden immer lauter. "Kaum ein Radler fährt mit vorgeschriebener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert sich um Fahrtrichtung oder um Ampeln", klagte erst kürzlich der Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstags, Kay Nehm. Auf Initiative der Länder werden bestimmte Verstöße nun "moderat" um 5 oder 10 Euro teurer. Fahren ohne Licht soll zum Beispiel 20 Euro kosten, doppelt so viel wie bisher. Fürs Radeln durch Fußgängerzonen werden 15 statt 10 Euro fällig. Nicht teurer werden schwere Vergehen wie das Überfahren roter Ampeln. Hierfür wurde die Buße bereits 2009 auf 45 Euro erhöht, dazu kommt ein Punkt in der Sünderkartei in Flensburg.

Was soll sich für Autofahrer ändern?
Positiv sei, dass nicht nur Radfahrer-Verstöße schärfer geahndet werden, heißt es beim Verkehrsclub Deutschland (VCD). Fürs Zuparken von Radwegen müssen Autofahrer künftig 20 statt 15 Euro zahlen. Und auf Radler-Schutzstreifen wird ein generelles Parkverbot verankert. In Fahrradstraßen schreibt die neue Straßenverkehrsordnung für Autos ein Limit von Tempo 30 fest. Dies löst die eher vage Vorgabe "mäßige Geschwindigkeit" ab, wie das Bundesverkehrsministerium erläutert.

Welche Neuerungen sollen Radlern noch nützen?
Ein neues Verkehrsschild mit amtlicher Bezeichnung "durchlässige Sackgasse" soll Fahrradfahrer auf kleine Schleichwege hinweisen, die Autos gar nicht nutzen können. "Eine praktische Hilfe", sagt ein Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Solche Routen abseits der Hauptstraßen sind auch sicherer, wie in der Verordnung erläutert wird. Auf gemeinsamen Rad- und Gehwegen sollen Radler Rücksicht auf Fußgänger nehmen, nicht mehr vorgeschrieben wird aber Schrittgeschwindigkeit. Bis Ende 2016 soll es mehr eigene Radler-Ampeln an Kreuzungen geben. Bis dahin gilt eine Übergangsfrist, denn das Umrüsten ist vor allem in Großstädten aufwendig.

Was sagen Fahrradfahrer-Clubs?
"Kritisieren und bestrafen allein ändert das Verhalten nicht", sagt VCD-Expertin Anja Hänel. "Wer das Klima auf der Straße wirklich verbessern will, muss den steigenden Rad- und Fußverkehrsanteil akzeptieren." Oft reichten schon das Öffnen von Einbahnstraßen in beide Richtungen oder fahrradfreundlichere Ampelschaltungen, um Verstöße zu vermeiden. Der ADFC hält auch mehr Kontrollen und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Innenstädten für nötig. Mehr separate Radwege seien dagegen nicht immer sinnvoll. Denn die verlaufen teils hinter parkenden Wagen oder Büschen - und an Kreuzungen sehen Autofahrer erst ziemlich spät, wenn plötzlich ein Radler kommt.

Was sagt der ADAC?
Nach Ansicht des ADAC haben die Anhebungen der Sanktionen im Bagatellbereich allenfalls symbolischen Charakter, denn Verwarnungsgelder allein schrecken nicht wirksam ab. Um die Verkehrsmoral der Radfahrer zu verbessern, seien vor allem vermehrte Kontrollen nötig.

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