Blaualgen : Hochsaison für die Minimalisten im Meer

Kann gefährlich werden: Jeanette Göbel zeigt am Mikroskop eine vergrößerte Blaualge.  Foto: Müller
Kann gefährlich werden: Jeanette Göbel zeigt am Mikroskop eine vergrößerte Blaualge. Foto: Müller

Blaualgenteppiche sind in der Ostsee gesichtet worden. Das Landesamt nimmt Meeresproben, um die Belastung zu untersuchen.

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20. Juli 2013, 09:43 Uhr

Flintbek | Da sind sie: Jeanette Göbel kann sie genau durch das Okkular sehen. Und weil die gefährlichen Blaualgen jetzt als kleine Perlenkette unter dem Mikroskop im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR) in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) erkennbar sind, sind sie auch vor unserer Ostseeküste. Gerade gestern hat Göbel die aktuellen Proben ausgewertet und Luftbilder gesichtet. "Im Fehmarnsund, der westlichen Mecklenburger Bucht und der Lübecker Bucht sind überall größere Bereiche mit Blaualgenteppichen gesichtet worden", sagt sie. Noch seien die küstenfern, anlandiger Wind könnte sie aber an die Strände treiben. Genaue Vorhersagen seien aber nicht möglich, sagt Göbel.
2006 gab es eine wahre Plage der Mikroalgen an den Ostseestränden. Badestellen wurden gesperrt, die Tourismusverbände klagten über Einnahmeausfälle. Denn die Blaualge kann bei Menschen Hautreizungen verursachen, beim Verschlucken zu Übelkeit und Erbrechen führen. "Dafür muss es lange warm und windstill sein, und die Strömung muss die Blaualgen, die in der zentralen Ostsee entstehen, zu uns an die Küsten treiben", sagt Göbel. Die Algen haben im Moment Hochsaison - bis Mitte August könnten die Blaualgenteppiche noch wachsen. Unklar ist, was genau ihr massives Wachstum verursacht. Deswegen untersuchen die Experten vom Landesamt regelmäßig Proben, die von einer Hubschrauberbesatzung aus der Nordsee und von Beamten der Wasserschutzpolizei aus der Ostsee gezogen werden. Im Labor analysieren Jeanette Göbel und ihre Kollegen, was und wie viel im Meer schwimmt. Eines ist dabei immer sicher: "Es gibt seit Jahren konstant zu viele Algen, das liegt unter anderem an den vielen Nährstoffen, die seit Jahren ins Meer gespült werden", sagt Göbel. Das kann dazu führen, dass der Sauerstoffgehalt im Meer sinkt, im schlimmsten Fall sterben daran die Fische. Das ganze Ökosystem verschiebe sich, verantwortlich dafür ist der Mensch.

Schaumalge eher harmlos

"Wir untersuchen Mikroalgen - also solche, die man einzeln mit bloßem Auge kaum erkennen kann", sagt Göbel. Die Leute seien sehr interessiert wie sich die Algen entwickeln. Vor allem, wenn etwa an der Nordseeküste in Massen Schaumalgen auftreten, nähmen die Touristen den etwas fischigen Geruch wahr. "Und viele denken wegen des Schaums, dass hier jemand Abwässer eingeleitet hat." Dabei sei die Schaumalge fast immer völlig harmlos.
Genauso wie die Meeresleuchttierchen, die vor einigen Wochen die Nordsee vor Sylt rosa bis rostrot färbten. Dieser Planktonorganismus, der sich von mikroskopisch kleinen Kiesel- und Schaumalgen ernährt, sorgt für eines der faszinierendsten Naturschauspiele an der Küste - in der Dämmerung leuchtet das Meer.

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