1500 Flaschen Rum : Hochprozentige Sammelleidenschaft

Mit dieser Flasche Barbancourt aus Haiti fing Lycks Sammelleidenschaft an.
Mit dieser Flasche Barbancourt aus Haiti fing Lycks Sammelleidenschaft an.

Der Kieler Bäckermeister Kai Lyck besitzt etwa 1500 Falschen Rum - vermutlich die größte Sammlung der Welt.

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02. Januar 2013, 07:20 Uhr

Kiel | Kai Lyck ist ein klassischer Jäger und Sammler. In den Räumen über seiner Bäckerei in Elmschenhagen gibt es Regale voller CDs, Architekturzeitschriften und Schallplatten. Lycks größte Leidenschaft gilt allerdings dem Rum. Er trinkt auch gerne mal einen Schluck, aber vor allem sammelt er die Flaschen. Vor 20 Jahren brachte er zwei Flaschen Rum aus dem Urlaub in der Dominikanischen Republik und Haiti mit. Inzwischen hat er mit rund 1500 Flaschen - die meisten sind noch ungeöffnet - die vermutlich größte Sammlung der Welt beisammen.
"Mit jedem Schluck trinkt man eine irrsinnige Geschichte", begründet der Bäckermeister seine Leidenschaft für das hochprozentige Getränk. "Vom ganz süßen Rum bis zum scharfen Rachenbrenner ist alles dabei", schätzt er auch die geschmackliche Breite. Einige seiner Flaschen haben eine bewegte Geschichte. Da ist zum Beispiel der "Old Jamaica Rum", den die Wehrmacht unter dem deutschen General Erwin Rommel in Afrika erbeutete. Damals gelang es, ein britisches Lager mit gewaltigen Alkoholreserven zu erobern. Über Italien und Österreich gelangte der Schnaps schließlich ins Sortiment von US Army Shops. Vom riesigen Lagerbestand der Briten - Lyck schätzt ihn auf Millionen von Litern - sind heute nur noch wenige Flaschen übrig.

In 20 Städten holte er persönlich Rum ab

Noch exotischer ist eine Flasche Rum von 1886. Sie lag rund 100 Jahre versteckt in einem alten französischen Bauernhaus. Der Besitzer, der die Flaschen wohl persönlich aus Südamerika mitbrachte, muss sie versteckt haben, war aber verstorben ohne seinen Schatz genießen zu können. In den 1980er Jahren fand man die Flaschen wieder. Zufällig stieß Lyck vor ein paar Jahren bei Ebay auf eine von ihnen und bekam sie für einen Spottpreis. "Der Rum ist grundsätzlich noch trinkbar", schätzt Lyck. Köpfen mag er seine Flaschen dennoch nicht gerne. Denn er sieht sie auch als Wertanlage, sein Vorrat wird daher von Kameras überwacht. Nicht-Rumexperten dürfte es allerdings schwer fallen die großen Schätze in der Sammlung zu finden - dafür gibt es einfach zu viele Flaschen.
Zurzeit ist seine Leidenschaft ein bisschen eingeschlafen. "Damit geht es auf und ab", sagt er. In seinem Flaschenzimmer hängt eine Karte der Karibik. In knapp 20 Städten hat er sich dort schon persönlich Rumflaschen abgeholt. "Als ich auf Martinique 40 Flaschen Rum geholt habe, musste ich auch noch einen Strafzettel bezahlen, weil ich nicht angeschnallt war", erzählt er schmunzelnd.
Mit den Jahren ist Lyck ein richtiger Experte in Sachen Rum geworden. Sein Wissen hat der Bäckermeister in einem rund 400 Seiten starken Buch "Mythos Rum" aufgeschrieben. Allerdings hat er bis jetzt noch keinen Verleger gefunden. Seine große Sammlung will er möglicherweise irgendwann dem Rum-Museum in Flensburg überlassen. Aber bis dahin wird er wohl noch einige Flaschen sammeln.

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