Seen und Ostsee : Hochbetrieb auf dem Eis – Trotz Warnung

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Gefährlicher Spaziergang: Viele Menschen wagen sich auf das vermeintlich sichere Ostseeeis.

Gefährlicher Spaziergang: Viele Menschen wagen sich auf das vermeintlich sichere Ostseeeis.

Die Feuerwehr warnt vor dem Betreten zugefrorener Seen oder des Eises auf der Ostsee – nicht jeder hält sich daran.

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03. März 2018, 17:01 Uhr

Es ist ein Spiel mit dem Nervenkitzel, der plötzlich zur akuten Lebensgefahr werden kann. Zahlreiche Menschen an den Stränden der Ostsee spazieren auf dem teilweise zugefrorenen Wasser. Doch dieser Leichtsinn kann schnell gefährlich werden, wie am Samstagnachmittag in Pelzerhaken (Neustadt in Holstein) und in Scharbeutz (Kreis Ostholstein). In Pelzerhaken versuchte ein Mann seinen eingebrochenen Hund aus dem Wasser zu befreien und geriet selber in Lebensgefahr. In Scharbeutz brach eine Person in das eiskalte Wasser ein und wurde durch den Rettungsdienst betreut.

Bereits am Freitag waren mehrere Menschen in Haffkrug (Gemeinde Scharbeutz) knietief ins Eis eingebrochen. „Wir warnen dringend vor dem Betreten der Eisflächen an der Ostsee im Bereich der Lübecker Bucht. Es besteht akute Lebensgefahr“, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei.

Viele Menschen wagen sich auf das vermeintlich sichere Ostseeeis. Einige gehen nur direkt am Anfang vom Strand, doch andere sind an diesem Nachmittag mutiger und gehen weit hinaus aufs Eis. Teilweise mit Smartphone und Kamera ausgerüstet heißt es dann: „Posieren für ein Erinnerungsfoto.“ Manch einer hat sogar so viel Vertrauen in die Standfestigkeit der zugefrorenen Ostsee, dass auf dem Eis gesprungen und gehüpft wird – nur um diesen einen Moment festzuhalten.

Auch auf den Gewässern in Stormarn herrschte am Sonnabend Hochbetrieb. Vor dem Ahrensburger Schloß, am Lütjensee, am Großensee und am Manhagener Teich tummelten sich hunderte Spaziergänger und  Schlittschuhläufer auf dem Eis. Und das, obwohl die Gefahr einzubrechen auch hier groß ist.

<p>Eisläufer vor dem Ahrensburger Schloss.</p>
Peter Wüst

Eisläufer vor dem Ahrensburger Schloss.

 

Trotz der Minusgrade seien die Eisflächen von zugefrorenen Gewässern noch zu dünn. Auch der Frost der vergangenen Nächte garantiere nicht, dass die Eisdecke auf Seen oder Flüssen tragfähig ist. Betreten werden sollten nur Flächen, die dafür freigegeben wurden. Besonders Kinder ließen sich von den glitzernden Eisflächen zu unvorsichtigem Verhalten verleiten. Für den sicheren Ausflug sollten einige Tipps der Feuerwehren beachtet werden, schreibt die Feuerwehr in einer Mitteilung:

  • Nehmen Sie örtliche Warnhinweise ernst. Kindern müssen die Gefahren erklärt werden.
     
  • Vermeiden Sie einsame Ausflüge auf dem Eis. Bei einem Unfall kann es sonst sein, dass niemand Hilfe holen kann.
     
  • Wenn das Eis knistert und knackt, Risse aufweist oder schwallweise Wasser auf die Oberfläche tritt: Auf keinen Fall betreten.
     
  • Wenn Sie bereits auf dem Eis sind: Flach hinlegen, um das Gewicht auf eine größere Fläche zu verteilen, und zum Ufer robben (möglichst wenig ruckartige Bewegungen)
     
  • Rufen Sie im Unglücksfall sofort über den Notruf 112 Hilfe oder organisieren Sie, dass jemand einen Notruf absetzt. Vor allem bei unübersichtlichem Gelände kann ein Einweiser an einer markanten Wegkreuzung die Anfahrt der Rettungskräfte erleichtern.
     
  • Vorsicht ist nicht nur bei fließendem Gewässer, verschneiter Oberfläche und bewachsenem Ufer geboten; auch an Ein- und Ausflüssen kann die Eisdicke plötzlich abnehmen. Vor allem an dunklen Stellen kann das Eis zu dünn sein – hier droht Einbruchgefahr.

Innerhalb weniger Minuten in rund drei bis vier Grad kaltem Wasser erschlaffen die Muskeln, der Körper erlahmt, die eingebrochene Person geht unter.

In einem Archiv-Video von 2012 erklärt die Feuerwehr Elmshorn, warum das Betreten von Eisflächen gefährlich ist.

Der Feuerwehrverband gibt folgende Tipps zum Verhalten im Unglücksfall:

  • Wer einbricht, sollte versuchen, sich vorsichtig am Eis festzuhalten oder darauf zu ziehen. Wenn das Eis weiter bricht, kann man sich mit Fäusten oder Ellenbogen einen Weg zum Ufer frei schlagen.
     
  • Helfer sollten sich nicht selbst in Gefahr bringen. Eigensicherung beachten (Leinen/Schwimmweste/Rettungsring), nicht zu weit hinaus wagen.
     
  • Wer sich zum Helfen auf die Eisfläche begibt, sollte dafür eine Unterlage (Leiter, Bretter, Zaun, Hockeyschläger) verwenden, um das Gewicht zu verteilen. Die Hilfsmittel kann man der eingebrochenen Person zuschieben. Eine quer über die Einbruchstelle gelegte Unterlage oder Äste machen die Rettung leichter. Hilfreich können auch an Gewässern aufgehängte Rettungsringe sein.
     
  • Gerettete in warme Decken (Rettungsdecke) oder Jacken hüllen, vorsichtig erwärmen, nicht als „Hausmittel“ mit Schnee abreiben.
     
  • Unterkühlten Personen keinen Alkohol geben, stattdessen möglichst warmen Tee reichen.
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