Hitzewelle 2015 : Hoch „Annelie“ auf Rekord-Jagd in SH

Genießt seinen Urlaub auf Sylt: Trainer Jürgen Klopp mit Frau Ulla.  
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Genießt seinen Urlaub auf Sylt: Trainer Jürgen Klopp mit Frau Ulla.

In Schleswig-Holstein kann es Temperaturen bis über 36 Grad geben. Ein besonderes Schauspiel gab es in St. Peter Ording: Helgoland war als Fata Morgana sichtbar.

shz.de von
03. Juli 2015, 06:42 Uhr

Hoch „Annelie“ nimmt Anlauf für einen neuen Hitzerekord. Am Sonnabend könnte in einigen Teilen Deutschlands der bisherige Höchstwert von 40,2 Grad fallen. Auch den Norden haben die heißen Luftmassen aus Afrika fest im Griff. Bereits am Donnerstag hatten die Temperaturen an einigen Stellen in Schleswig-Holstein die 30-Grad-Marke geknackt, sagte Diplom-Meteorologe Heino Strunck von der Kieler Wetterwelt. Maximal 17 Stunden Sonnenschein seien es im Land gewesen.

Die Lübecker Stadtverwaltung sorgt sich wegen der Hitze um die Bäume der Stadt - und bittet daher die Bürger, die Straßenbäume vor ihren Häusern zu wässern. Der Bereich Stadtgrün könne das nur bei frisch angepflanzten Bäumen leisten, teilte die Hansestadt am Freitag mit. Ausgewählte Jungbäume sollen dabei in den Genuss einer besonderen Methode kommen: Statt aus einem Gartenschlauch sollen sie das Wasser aus Wassersäcken erhalten, die um den Stamm gelegt und mit einem Reißverschluss befestigt werden. Daraus sickert das Wasser langsam ins Erdreich, so dass das Wurzelsystem kontinuierlich versorgt wird, hieß es.

Nicht nur die Schleswig-Holsteiner, sondern auch einige Prominente genießen den Sommer im Norden. Der ehemalige Borussia-Dortmund-Trainer Jürgen Klopp macht gerade auf der Nordseeinsel Sylt zusammen mit seiner Frau Ulla und Hündin Emma Urlaub.

Am Freitag kann es in Lauenburg bis zu 34 Grad heiß werden, die kühlere Nordseeluft und der Westwind sorgen allerdings in der Westhälfte des Landes für etwas kühlere Temperaturen, die in Husum 25 bis 27 Grad erreichen. Zwölf Stunden Sonnenschein sind laut Strunck trotz aus Richtung Nordfriesland heranziehender Wolkenfelder möglich, im Bereich der Lübecker Bucht kann es Gewitter geben.

Am heißesten wird es nach Angaben des Wetter-Experten aber morgen. „In Südholstein sind am Sonnabend Spitzenwerte von 35 bis 36 Grad möglich, das ist in der Nähe bisheriger Rekordwerte für diesen Monat. Vor allem dort sind für den Juli auch neue Rekorde möglich.“ Im Verlauf des späteren Abends nehme dann die Gewitter-Wahrscheinlichkeit in ganz Schleswig-Holstein zu.

Der Sonntag werde immer noch sehr warm und wechselhaft mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad, „aber es gibt keine Dröhn-Hitze mehr“. Mit kräftigen Schauern und Gewittern ist zu rechnen. Im Verlauf der kommenden Woche werde es mit etwa 20 Grad ziemlich durchschnittlich und durchwachsen. „Das ist dann kein Traumsommer mehr.“

Die außergewöhnlich hohen Temperaturen führen unterdessen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer zu Besonderheiten: Die 50 Kilometer entfernte Insel Helgoland war am Mittwochabend von St. Peter-Ording als Fata Morgana sichtbar, wie Biologe Rainer Schulz von der Schutzstation Wattenmeer mitteilte. Eigentlich sei Helgoland vom Festland aus nicht zu sehen, da es bereits hinter der Erdkrümmung liegt. „Wenn aber über dem Meer warme über kalter Luft geschichtet ist, werden die Lichtstrahlen so gebeugt, dass auch Schiffe oder Inseln unter dem Horizont quasi angehoben und sichtbar werden.“

Mit den Temperaturen steigt auch die Nachfrage nach Raumkühlern. Im Vergleich zu den beiden Vorwochen sei die Nachfrage nach Kühlgeräten seit Montag um 539 Prozent angestiegen, berichten die Betreiber einer Flohmarkt-App. Neben klassischen Ventilatoren seien auch mobile Klimageräte gefragt. 

Die Tiere im Zoo reagieren gelassen auf Hitzewellen und schalten einfach einen Gang runter. Vorzugsweise im Schatten. Abkühlung und Erfrischungen bringen aber die schlappen Tiere in Schwung und Abwechslung in den Zoo-Alltag. Einfachste Maßnahme: Rasensprenger an und Tier freut sich, zum Beispiel die Alpakas mit der warmen Wolle oder die Affen im Hamburger Tierpark Hagenbeck. „Auch die Orang-Utans genießen es bei dieser Hitze, wenn der Pfleger ihnen einen Gartenschlauch hinhält“, sagt Hagenbeck-Tierärztin Adriane Prahl.

Die Kamtschatkabären fressen eine Eisbombe aus Obst und Gemüse.
Foto: dpa
Die Kamtschatkabären fressen eine Eisbombe aus Obst und Gemüse.
 

Andere Tiere nutzen das Wasserbecken auf ihrem Gelände und nehmen jetzt öfter ein Bad als sonst, wie etwa die asiatischen Elefanten. Luxus-Bedingungen finden die Antarktischen Pinguine vor. Ihr Wasser wird auf sieben Grad heruntergekühlt. „Ihre Kollegen, die Humboldt-Pinguine, stammen aus Südamerika und kommen gut mit höheren Temperaturen klar“, sagt Prahl. Die aus Russland nach Hamburg gekommenen Walrösser nutzen an Hochsommertagen ausgiebig ihr Becken mit einer Wassertemperatur von erfrischenden 15 Grad. „Eisbären und Robben liegen auch mal gerne in der prallen Sonne“, hat der Revierpfleger für das „Eismeer“, Dirk Stutzki, beobachtet.

Auch Eisbär Kap freut sich im Tierpark Neumünster über eine Eisbombe.
Foto: Norden
Auch Eisbär Kap freut sich im Tierpark Neumünster über eine Eisbombe.
 

Der Hit für heiße Tage sind „Eisbomben“. Statt „Fürst-Pückler-Eis“ gibt es allerdings Fisch und Obst, das in Wasser eingefroren wird.„Die kann man dann entweder ins Wasser werfen, wo sich Walrösser und auch die Eisbären daran erfreuen“, sagt die Tierärztin. Oder für manche Tiere wird, wie zum Beispiel für die Kamtschatka-Bären, gleich eine Kette mit eingefroren. Damit können sie dann spielen, daran lecken oder kratzen und am Ende das Futter eisgekühlt genießen.

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