Deutsch-Japanische Gesellschaft : Hilfsaktion für Japan

'Japan begleitet mich schon mein ganzes Leben': Dr. Peter Janocha. Foto: Brumm
"Japan begleitet mich schon mein ganzes Leben": Dr. Peter Janocha. Foto: Brumm

"Was müssen diese armen Menschen leiden": Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Schleswig-Holstein ruft zu Spenden für das gebeutelte Land auf.

Avatar_shz von
22. März 2011, 08:19 Uhr

Altenholz | "Es wird Jahre dauern, aber Japan wird den Wiederaufbau schaffen, davon bin ich überzeugt." Dr. Peter Janocha (73) aus Altenholz bei Kiel ist ein ausgesprochener Japan-Kenner. Schon 1965 hatte der Volkswirt durch seine Tätigkeit beim Institut für Weltwirtschaft erste Kontakte und konnte an einem japanisch-deutschen Forschungsprojekt mitwirken, arbeitete deshalb ein halbes Jahr lang in Tokio. Seitdem hat ihn das Land nicht mehr losgelassen.
"Japan ist faszinierend, die Menschen haben eine ganz andere Vorstellung vom Leben und den gesellschaftlichen Werten als wir - die Gruppe ist wichtiger als der Einzelne", erzählt Janocha. Der Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft (DJG) Schleswig-Holstein versucht damit auch zu erklären, warum sich Techniker am Katastrophen-Meiler Fukushima so heldenhaft verhalten, ihr Leben riskieren, um den Super-Gau zu verhindern.
Die erste ausländische Delegation
Was Erdbeben in Japan anrichten können, erlebte Peter Janocha 1995, nachdem die Hafenstadt Kobe in Schutt und Asche lag. Fast 6500 Menschen tot, 300.000 Menschen obdachlos. Gemeinsam mit der damaligen Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins, Heide Simonis, und Wirtschaftsvertretern war er nach Japan gereist. "Wir waren die erste ausländische Delegation nach dem Erdbeben, dadurch ist eine Partnerschaft entstanden."
Gewachsen sind auch die Japan-Kontakte der 100 Mitglieder starken DJG Schleswig-Holstein. "Unsere Gesellschaft ist mit der Japanisch-Deutschen Gesellschaft (JDG) in Fukushima freundschaftlich verbunden und so möchten wir mit einer Spende den dortigen Mitgliedern und ihren Familien ein Zeichen unseres Mitgefühls und unserer Anteilnahme senden", ruft Janocha zur Unterstützung einer Hilfsaktion auf. Mit dem Vorsitzenden der JDG Fukushima, der schon einmal in Kiel zu Besuch war, konnten die Schleswig-Holsteiner noch keinen Kontakt aufnehmen. "Wir bekommen telefonisch keine Verbindung."
Wie ein "kleiner Krisenstab" fühlt sich Peter Janocha. Ständig erreichen ihn Anrufe von besorgten Schleswig-Holsteinern, denen die Katastrophe sehr nahe geht. "Eine Frau weinte hemmungslos am Telefon", berichtet Janocha, der sich selbst "emotional sehr dicht dran" fühlt. Und er hat ein Bild vor Augen, das ihm besonders ans Herz geht: Eine alte Frau steht vor den Trümmern ihres Hauses. Sie weint nicht, doch in ihrem Gesicht steht ihr ganzes Schicksal geschrieben. "Was müssen diese armen Menschen leiden", sagt der pensionierte Volkswirt leise.
Aber auch wenn das Land von einem Erdbeben erschüttert, von einem Tsunami überschwemmt ist und die Menschen von radioaktiver Strahlung aus Fukushima bedroht sind - Janocha ist sich sicher, dass das Land trotzdem eine Zukunft hat: "Japaner sind wie Bambus im Wind - es biegt sich so weit es nötig ist, richtet sich aber immer wieder auf."
(db, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen