Bad Oldesloe : High-Tech-WC für 180.000 Euro?

Lübeck hat das High-Tech-Klo schon. In Bad Oldesloe soll auch eines aufgestellt werden. Foto: hl-live.de
Lübeck hat das High-Tech-Klo schon. In Bad Oldesloe soll auch eines aufgestellt werden. Foto: hl-live.de

Eine ebenso hochmoderne wie kostspielige Toiletten-Anlage soll demnächst am Bad Oldesloer ZOB aufgestellt werden. Kostenpunkt: Schlappe 180.000 Euro. Und das, ohne die Planung für die Umgestaltung des Busbahnhofs abzuwarten.

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12. Oktober 2008, 05:21 Uhr

Bad Oldesloe | Da hatte die CDU gut aufgepasst und im Haushaltsentwurf, der jetzt im Planungsausschuss diskutiert worden ist, einen ungewöhnlichen Posten entdeckt: "Bedürfnisanstalten WC-Anlage Hagenstraße". 180.000 Euro sollen dafür im kommenden ausgegeben werden. Siegfried Wobig wunderte sich: "Wir brauchen dringend eine öffentliche Toilette, aber bislang hieß es immer, die kommt er im Rahmen der ZOB-Umgestaltung." Der Busbahnhof taucht im Haushalt allerdings nicht auf, denn der soll erst angefasst werden, wenn das Verkehrsgutachten vorliegt und klar ist, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind. Eventuell ergeben sich nämlich gänzlich neue Erfordernisse für einen ZOB wenn der Busverkehr in der Stadt neu geordnet wird.
An dieser Sichtweise hat sich auch nichts geändert, erläuterte Bauamtsleiter Rolf Steinhoerster. Das neue Klo ist aber gewissermaßen ein kleines Wunderding. Es reinigt sich selbstständig, ist vandalismus-resistent. "Dafür können wir auf dem Parkplatz einen Standort finden. Wenn der später nicht mehr passt, weil die Planung etwas neues ergibt, kann man das Ding an den Haken nehmen und umsetzen", erklärt er. Dann brauche man nur neue Leitungen zu verlegen.
In Lübeck steht das neue Wunderklo bereits
In Lübeck steht das neue Wunderklo bereits. 100 Benutzungen am Tag, knapp 40.000 im Jahr - da rentiert sich der Betrieb für eine Privatfirma. Der Bauamts-Chef wertet diese Zahlen als ein Beleg für die Leistungsfähigkeit der Technik. Oldesloe wird diese Nutzungsfrequenz allerdings nicht vorweisen können. Deshalb rentiere sich die Aufstellung für das Unternehmen nicht. Trotzdem würde die Firma der Stadt so ein Klo vermieten. 30.000 Euro jährlich, Mindestmietdauer zehn Jahre. Alternativ könne die Stadt auch eine Anlage kaufen - Kostenpunkt 180.000 Euro.
Vergangenes Jahr wurden die Kosten für eine Toilette noch mit 100.000 Euro beziffert. Es ist ja nicht so, dass Oldesloe keine Bedürfnisanstalten hätte. An der Hude gibt es Toiletten, die aber wegen Vandalismus ständig geschlossen sind. Juristische Fallstricke machen es leider nicht möglich, dass dort die Mitarbeiter des benachbarten Subway einen Blick drauf haben. Zulässig ist nämlich nur eine öffentliche Toilette. Die müsste dann rund um die Uhr geöffnet sein. Muss man sich aber vor dem Pullern einen Schlüssel im Schnellimbiss holen, handelt es sich um eine Toilette für die Öffentlichkeit - und das sieht der Mietvertrag nicht vor. Ähnlich ist die Situation in der Hagenstraße. Auch dort gibt es hinter einem kleinen Restaurant Toiletten für die Öffentlichkeit - aber eben nur, während der Öffnungszeiten. Das sorgt für Unmut.

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