Winterschäden an den Straßen : Herr der Schlaglöcher braucht Geld

Waren im Dauereinsatz: Matthias Paraknewitz (r.) zeigt Reinhard Meyer die Fahrzeuge der Straßenmeisterei Klausdorf. Foto: Dewanger
Waren im Dauereinsatz: Matthias Paraknewitz (r.) zeigt Reinhard Meyer die Fahrzeuge der Straßenmeisterei Klausdorf. Foto: Dewanger

Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) zieht Bilanz des "Rekord-Winters": Der kostet fünf Millionen Euro mehr als ein Durchschnittsjahr.

Avatar_shz von
30. April 2013, 11:33 Uhr

Schwentinental | Der Winter ist vorbei, allerdings noch nicht für Reinhard Meyer. Der SPD-Verkehrsminister steht auf dem Hof der Straßenmeisterei Klausdorf in Schwentinental bei Kiel und fröstelt. Er ist gekommen, um die Bilanz des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV) für den Winter vorzustellen. Die ist zwar nach seinen Worten erfolgreich, aber auch teuer. "In einem durchschnittlichen Winter geben wir unter zehn Millionen Euro für den Winterdienst aus, diesmal sind es rund 15 Millionen", so Meyer. Im vergangenen Winter haben die 612 Straßenwärter, die 8200 Kilometer Straßen betreuen, knapp 60 000 Tonnen Streusalz verbraucht. Im Winter zuvor waren es 44 000. Auch die Einsatzstunden sprechen Bände: 2011/12 waren es 43.000, in diesem Rekord-Winter 73.000.

Meyer dankt den Straßenwärtern beim Rundgang durch die Straßenmeisterei für ihren Einsatz. Der Leiter der LBV-Niederlassung Rendsburg, Matthias Paraknewitz, sagt: "Der Anspruch der Menschen an uns ist hoch." Dennoch sei es gelungen, die Straßen trotz der enormen Schneemassen gut freizubekommen - "auch wenn im Randbereich manche Schulwege erst spät geräumt werden konnten". In einigen Teilen des Landes hatte es Kritik an den Streudiensten gegeben.

Die Aufräumarbeiten beginnen

Für Straßenwärter und Minister beginnen nun die Aufräumarbeiten. Meyer bezeichnet sich selbst als den unfreiwilligen "Herrn der Schlaglöcher", der zumindest eine gute Nachricht mitbringt. Die Landesstraße zwischen Gudow und Büchen (Herzogtum Lauenburg), die wegen der großen Schlaglochdichte aus Sicherheitsgründen für den Verkehr gesperrt worden war, ist nach der Sanierung seit gestern wieder frei. Bis Ende Mai soll feststehen, welche weiteren Straßen saniert werden. Ein entsprechender Plan liegt im Ministerium. Die Ingenieure plädieren dafür, einige Straßen lieber von Grund auf zu sanieren, statt viele immer wieder zu flicken.

Dass viele Straßen marode sind, ist Meyer klar. "2009 hat der Landesrechnungshof festgestellt, dass 29 Prozent der Straßen in Schleswig-Holstein in schlechtem Zustand sind. Ich fürchte, dass es jetzt über 30 sind." Meyer weiß, dass auch die fünf Millionen Euro, die er durch Umschichtungen in seinem Etat zusätzlich für den Straßenbau bereitstellt, "nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind". Die hohen Kosten des Winters machen es da nicht leichter. "Aber was sollen wir machen? Sicherheit geht vor", so Meyer. Der Gesamtetat für die Reparatur der Straßen liege bei 24 Millionen Euro, der über Jahre aufgebaute Sanierungsstau allerdings bei rund 100 Millionen. "Erhalt geht vor Neubau", so Meyer. Er plädiert dafür, nicht nur in Köpfe, sondern auch in Beton zu investieren. "Dafür werde ich streiten."

Kritik von der CDU

Die CDU im Landtag kritisiert den Minister: ,,Meyers Selbstbeweihräucherung ist unerträglich: Der Verkehrsminister klopft sich auf die eigene Schulter, weil er ausschließlich in diesem Jahr magere fünf Millionen mehr für die maroden Landesstraßen bereitstellen wird. Er verschweigt, dass er den Gemeinden satte 18 Millionen für deren ebenso dringende Straßenunterhaltung wegnehmen will", erklärt der Abgeordnete Hans-Jörn Arp. Mit der geplanten Kürzung der Straßenbaumittel aus dem Gemeindeverkehrs finanzierungsgesetz stünden künftig deutlich weniger Mittel zur Verfügung als unter der Vorgängerregierung. Ihm sei klar, dass mancher Bürger meister enttäuscht werde, weil "seine Straße" nun wieder nicht saniert werden könne, so Meyer. Allein die Reparatur der L 205 wird an die zwei Millionen Euro kosten.

Und so sagt Meyer über den Winterdienst: "Wir werden die Kosten irgendwie kompensieren müssen." Wie genau, sagt er nicht. Auf die Frage, ob er darüber mit Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) sprechen wolle, zuckt Meyer erst die Schultern und nickt dann zögerlich. Es wird wohl ein frostiges Gespräch werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen