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Rücktritt : Heimatbund verliert seine Präsidentin

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Vier Mitarbeiter aus der Geschäftsstelle des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes sind bereits weg. Nun wirft auch Präsidentin Jutta Kürtz das Handtuch.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2013 | 06:56 Uhr

Kiel | Der hauptamtliche Geschäftsführer Dirk Wenzel: seit Ende April nicht mehr im Büro, nachdem er gekündigt worden ist. Die Bildungsreferentin und eine Sekretärin: ebenfalls entlassen. Der Umweltreferent: auch weg. Und jetzt hat Präsidentin Jutta Kürtz ihren sofortigen Rücktritt erklärt - turbulente Zeiten beim Schleswig-Holsteinischen Heimatbund (SHHB). Es ist der Dachverband von 200 Vereinigungen mit 50.000 Mitgliedern. Breitenwirkung erzielt der Schleswig-Holstein-Tag, den der SHHB seit 1978 im Zwei-Jahres-Rhythmus organisiert hat. 2014 fällt die Ausrichtung, auch mangels Unterstützung des Landes, erstmals aus.

Sie "schaffe Raum für die geplante und dringend notwendige Erneuerung" beim SHHB, erklärt Jutta Kürtz in einer knappen Mitteilung. Die seit 2007 amtierende Präsidentin zitiert darin Albert Einstein mit den Worten: "Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert." Erst 2012 war die 70-Jährige bis 2015 an der Spitze des SHHB bestätigt worden.

Auf der Mitgliederversammlung in diesem Juni hatte Kürtz zwar offen über "finanzielle, strukturelle und personelle Probleme" gesprochen, die Gelegenheit zu einem Wechsel in der Führung jedoch verstreichen lassen. Mitte Juli deutete sie in einem Gespräch mit dem sh:z an, allenfalls früher gehen zu wollen, wenn sie vor 2015 einen Nachfolgekandidaten finde. Nun zieht sie sich ohne einen solchen zurück. "Nicht im Zorn", wie sie betont. Aber mit dickem Fragezeichen. Obwohl selbst freiberufliche Journalistin, lehnt sie jede Nachfrage nach dem Auslöser des Weggangs ab. Sie meint, eine Erklärung würde Schaden anrichten.

Kommissarisch steht jetzt Stellvertreter Hermann-Josef Thoben in erster Reihe. Thoben ist Leiter des Referats für ländliche Räume in der Kieler Ministerialverwaltung und als solcher langjähriger Verteiler von Fördermitteln, zuletzt für die Aktivregionen. Er deutet an, dass der Rücktritt von Kürtz mit mangelnder Unterstützung aus dem Präsidium für weitere Reformen zu tun habe. Selbst regulär als Präsident zu kandidieren, schließt Thoben aus. Spätestens für die nächste Mitgliederversammlung im Frühjahr will er dafür einen Bewerber gewinnen.

"Jutta Kürtz hat erreicht, dass das Thema Heimat eine zukunftsorientierte Wahrnehmung erfahren hat", würdigt Thoben seine Vorgängerin. Die Umbrüche in der Geschäftsstelle erklärt er damit, dass "dort nicht so effektiv gearbeitet worden ist, wie man sich das vorstellt". Eine geschmeidige Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt habe die einstige Besetzung nicht gewährleisten können. Eine bessere Verzahnung verspricht sich Thoben von der Anfang August gestarteten ehrenamtlichen Geschäftsführerin Ute Löding-Schwerdtfeger, die er aus ihrer Tätigkeit für die Akademie für ländliche Räume schätzt. Sie ist allerdings nur mit etwa 15 Wochenstunden für den SHHB im Einsatz. Dadurch spart der Verband viel Geld.

Thoben zeigt sich nach Gesprächen mit dem Kulturministerium indes zuversichtlich, dass die im Haushaltsentwurf des Landes für 2014 skizzierte Kürzung um 50.000 Euro nicht das letzte Wort sein wird. Insgesamt wird der SHHB vom Land mit 216.000 Euro gefördert. Klar ist aber für Thoben, dass angesichts knapperer Mittel Themen und Aufgaben konzentriert werden müssten und Kooperationen nötig seien.

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