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Freilauf eingeschränkt : Hausarrest für nicht kastrierte Katzen in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Um die Vermehrung der wild lebenden Stubentiger zu verhindern, können Gemeinden den Auslauf der Tieren künftig einschränken.

Kiel | Schleswig-Holsteins Katzenliebhaber müssen sich darauf einstellen, dass sie ihre geliebten Stubentiger schon bald nicht mehr an die frische Luft lassen dürfen. Die Landesregierung gibt den Kommunen künftig die Möglichkeit, bestimmte Gebiete zum Schutz freilaufender Katzen festzulegen. In diesen Gebieten kann insbesondere der unkontrollierte Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen beschränkt oder sogar verboten werden, heißt es in einer sogenannten Subdelegationsverordnung, die das Kabinett gestern in Kiel verabschiedete. Im schlimmsten Fall bedeutet dies Hausarrest für Hauskatzen.

Hintergrund für die Verordnung ist das große Katzenproblem in Schleswig-Holstein. 75.000 streunende Katzen gibt es zwischen Nord- und Ostsee – Tendenz steigend. Denn wenn eine Katze Junge bekommt, vermehren die sich üblicherweise schnell wieder. Innerhalb eines Jahres kann die Katzen-Population dadurch ausgehend von einem Muttertier um 35 Tiere anwachsen. Katzen, die auf der Straße leben, leiden jedoch oft unter Krankheiten und Hunger. Dadurch sind nicht selten auch Wildvögel und andere Kleintiere ernsthaft bedroht.

Erst vor wenigen Wochen wurde in Schleswig-Holstein ein Pilotprojekt gegen das Katzenelend gestartet. Kommunen fördern dabei mit Tierschutzverbänden und Tierärztekammer, dass Katzen kastriert, gechippt und in einer Datenbank erfasst werden. Über 1100 Tiere wurden im Rahmen dieses Projekts bisher kastriert. „Dort aber, wo örtliche große Probleme bestehen und freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen, können Kommunen von Dezember an entscheiden, ob sie weitergehen müssen. Dies ist neben dem Pilotprojekt der zweite Schritt“, sagte der zuständige Umweltminister Robert Habeck (Grüne) zur neuen Rechtsverordnung. Überlegungen, den unkontrollierten freien Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen im gesamten Landesgebiet zu verbieten oder zu beschränken, erteilte das Kabinett eine Absage. „Dies wäre nicht verhältnismäßig, und war daher rechtlich nicht möglich“, sagte Habeck weiter.

Bianca Tedsen, Vorsitzende des Vereins Stubentiger-Eiderstedt, der sich unter anderem um mutterlose Katzenbabys kümmert, hält die neue Verordnung zwar grundsätzlich für vernünftig, gleichwohl hat sie Zweifel an der Umsetzbarkeit. „Wer soll das denn kontrollieren?“, fragt sich die Katzenliebhaberin. Bianca Tedsen geht davon aus, dass die Verordnung ins Leere laufen wird.
 

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erstellt am 19.Nov.2014 | 11:56 Uhr

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