TSV Hattstedt : Haus-Umbau für den gelähmten Trainer

Das erste Treffen mit seiner Familie und Freunden des TSV Hattstedt: Kay Eckmann bei einem Stadionbesuch in Hamburg. Foto: Privat
Das erste Treffen mit seiner Familie und Freunden des TSV Hattstedt: Kay Eckmann bei einem Stadionbesuch in Hamburg. Foto: Privat

Kay Eckmann war Fußballtrainer. Seit einem Unfall ist er querschnittsgelähmt. Jetzt baut ihm sein Sportverein ein behindertengerechtes Domizil.

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17. Dezember 2012, 09:12 Uhr

Husum/Hattstedt | Ein Sturz und nichts ist mehr so wie es war. Der 15. September hat das Leben der Familie Eckmann aus Husum (Kreis Nordfriesland) auf den Kopf gestellt. Seit jenem Abend wartet Levke Eckmann (37) mit den Kindern Christin (14), Lena (11) und Sina (9) darauf, dass ihr Mann nach Hause kommt. Durch ein Unglück ist Kay Eckmann (40) querschnittsgelähmt und liegt in einer Hamburger Spezialklinik. Mit einer Hilfsaktion versucht sein Sportverein nun, dem beliebten Fußballtrainer eine Rückkehr ins Leben zu ermöglichen.
Rückblick: Kay Eckmann und sein Co-Trainer besprechen die Aufstellung ihrer C-Junioren-Mannschaft fürs kommende Wochenende. Als sich Kay verabschiedet, verliert er das Gleichgewicht und prallt mit voller Wucht gegen den Pfosten seines Carports. Der Aufprall ist so heftig, dass sich der 40-Jährige nicht mehr halten kann und rückwärts auf Hinterkopf und Rücken fällt. Blut strömt aus zwei Platzwunden. "Ich kann meine Beine nicht mehr spüren", sagt der gebürtiger Hattstedter, der beruflich als Pfleger im Helios-Klinikum in Schleswig tätig ist. Als Profi in der Intensivpflege ist ihm möglicherweise schon in diesem Moment bewusst, wie es um ihn steht.

Schädel-Hirn-Trauma, geringe Aussichten auf Heilung

Im Krankenhaus werden ein Jochbein- und ein Kieferbruch erkannt. Viel schlimmer jedoch ist der Verdacht, dass neben seinen schweren Kopf- und Gesichtsverletzungen auch die Halswirbel beschädigt sein könnten - es erfolgt die Verlegung in eine Hamburger Klinik. Dort stellten die Ärzte fest, dass einige Halswirbel in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Die niederschmetternde Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma, geringe Aussichten auf Heilung. Kay Eckmann weiß, was das bedeuten kann: Querschnittslähmung und ein Leben im Rollstuhl.
Von den Schultern abwärts ist der leidenschaftliche Sportler von nun an gelähmt. Er kann sich nicht einmal an der Nase kratzen. Er ist hilflos. Er muss um jeden Gefallen bitten. Die ersten Schritte zurück ins Leben erfolgen mit dem Rollstuhl, den er mit dem Kinn steuert. "Reicht der Akku bis zum Sportplatz?", ist eine seiner ersten Fragen, die er seiner Frau stellt. Sie weiß, dass ihrem Mann nicht nur seine Familie fehlt, sondern auch sein Verein - der TSV Hattstedt. Dort hat er von Kindesbeinen an Fußball gespielt und zuletzt die Jugend trainiert.

"Für uns alle war sofort klar, dass wir helfen"

"Für uns alle war sofort klar, dass wir helfen", sagt Thorsten Schulze. Der Vereinsvorsitzende schart eine Handvoll Männer um sich, als feststeht, dass Kay Eckmann nur dann in sein Haus zurückkehren kann, wenn alles barrierefrei eingerichtet ist. Rund 84.000 Euro kostet der Umbau des Eigenheims, hat Helge Horstmann berechnet. Der Architekt ist TSV-Mitglied - ebenso wie Hans-Peter Heldt, der seine Leistung als Bauleiter auch unentgeltlich bereitstellt. "In unserem Verein ist jedes Gewerk vorhanden", hat TSV-Vorsitzender Schulze festgestellt und lässt bei einem ersten Treffen eine Liste herumgehen, in die sich jeder einträgt, der helfen kann und möchte.
Fest steht nämlich schon jetzt: Da die Pflegekasse lediglich 2500 Euro übernimmt, der Unfall in Eckmanns Freizeit passiert ist und deshalb die Berufsgenossenschaft als Zuschussgeber wegfällt und es auch keine private Unfallversicherung gibt, bleiben die Eckmanns auf den Kosten sitzen. "Doch wie?", fragt Levke Eckmann. "Der Hauptverdiener fällt aus, und ich habe nur ein geringes Einkommen." Fest steht für sie aber auch: "Wir werden Kay auf keinen Fall in ein Pflegeheim lassen."

"Papa fehlt uns so sehr"

Bis zum Frühjahr muss deshalb der Anbau fertiggestellt sein. Die Erdarbeiten haben schon begonnen. Jetzt sucht der Verein noch ein beheizbares Zelt, damit auch im Winter weitergearbeitet werden kann. "Der Verein ist Kays zweite Familie und wir werden das schaffen", ist Thorsten Schulze zuversichtlich. Er macht Levke und ihren Kindern Mut, denn er weiß um die Stärke der Gemeinschaft.
Der Vater fehlt seinen Mädchen. "Die Kinder werden damit fertig, dass Kay nicht mehr alles kann", sagt Levke Eckmann. "Sie werden aber nicht damit fertig, dass Papa momentan nicht da ist - er fehlt uns so sehr." Das wird den Eckmanns Tag für Tag bewusster.
Weihnachten verbringen die Eckmanns gemeinsam - zwar nicht in vertrauter Umgebung, aber in der Hamburger Spezialklinik. Nächstes Jahr wird dann in Husum gefeiert. "Dafür sorgen wir", sagt Vereinsvorsitzender Schulze.

Verein bittet um Unterstützung
Um Kay Eckmann ein Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, muss ein Extra-Zimmer mit speziell ausgestattetem Bad gebaut werden. Zusätzlich müssen die Haustür ersetzt und diverse Stufen im Haus beseitigt werden. Außerdem ist eine aufwändige Elektroinstallation vonnöten, damit Kay Eckmann wieder am Familienleben teilnehmen kann. Für die Materialien wirbt der Sportverein um finanzielle Unterstützung und hat ein Spendenkonto eingerichtet: TSV Hattstedt, Nord-Ostsee-Sparkasse BLZ 21750000, Konto 164331597; Verwendungszweck: Kay Eckmann.

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