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Nach Torjubel von Bastian Schweinsteiger : Harmloser Fingerzeig bis anrüchige Geste: Was Handzeichen weltweit bedeuten

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Sein Jubel hat Schweini in die Bredouille gebracht. Warum? shz.de mit einer Handzeichen-Übersicht - und der Übersetzung.

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erstellt am 16.Jun.2016 | 08:40 Uhr

Mit einem Blitz-Treffer zum 2:0 gegen die Ukraine hat sich Bastian Schweinsteiger im ersten Spiel der Fußball-Europameisterschaft zurück in die Herzen der Deutschen gekickt. Nach dem Tor rennt er zur Bank seines Teams, reißt beide Arme in die Höhe und spreizt an beiden Händen Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Was in weiten Teilen Europas unverfänglich ist, hat auf dem Balkan für herbe Kritik gesorgt. Der Grund: Ursprünglich wurde mit dem sogenannten „Serben-Gruß“ auf die serbisch-orthodoxe Kirche geschworen, heute verwenden ihn auch die „Tschetnik“-Soldaten, die in zahlreichen Kriegen auf dem Balkan den Tod Tausender Menschen zu verantworten haben.

Ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt - Schweinis Jubel zeigt, dass so mancher Fingerzeig andernorts eine andere Bedeutung hat als hierzulande. Eine Übersicht über die wichtigsten und bekanntesten Handzeichen, damit Sie im Ausland nicht in Schwierigkeiten geraten:

Daumen hoch: Wer den Daumen ausstreckt, zeigt, dass er voll des Lobes ist oder zustimmt. Doch so positiv die Geste hierzulande ist, so missverstanden kann sie in anderen Ländern werden: Im Mittleren Osten wird die Geste als Beleidigung verstanden, in der Türkei steht sie für die Aufforderung zum Beischlaf.

Auch wer den Daumen nutzt, um ein Bier zu bestellen, kann in Asien übermäßig mit dem Gerstenkaltgetränk bedacht werden: In Japan bedeutet der Daumen die Zahl „Fünf“, in Indonesien die „Sechs“.

Der erhobene Zeigefinger: Was in Deutschland ein harmloser Fingerzeig ist, um auf sich, etwas oder jemanden anders zu deuten, gilt in Thailand als Fauxpas: Grundsätzlich sollten Besucher in dem Land niemals mit dem Zeigefinger auf Personen zeigen, sondern stattdessen mit dem Kinn in die entsprechende Richtung deuten. In Gefahren können sich Touristen in Südafrika mit der Geste bringen: Dort wird sie als Angriff gedeutet.

Der Fingerkreis: „Alles in bester Ordnung“ will man in der Tauchersprache mit dem Fingerkreis signalisieren, „Köstlich" dem Koch im noblem Restaurant. In Südeuropa, Brasilien oder Russland wird das Zeichen jedoch als Beleidigung aufgefasst. In der Türkei gilt es als sexuelle Anspielung, als Beschimpfung seines Gegenübers als „Null“ in Belgien, Frankreich und Tunesien. In südeuropäischen Ländern wie Italien ist die Geste mit dem Stinkefinger zu vergleichen, im Nahen Osten werden Homosexuelle damit verspottet.

Das Victory-Zeichen: Die Franzosen benutzen das „V“ für Sieg, in Deutschland bestellt so mancher mit diesem Fingerzeig zwei Bier. Beleidigender wird es andernorts: In Griechenland sagt man sich so „Fahr zur Hölle“, in Australien, Malta, England oder Neuseeland kommt die Geste unserem Stinkefinger gleich. In Australien und Großbritannien meint man es sogar noch schlimmer und will „Steck dir zwei Zimmer ins Gesäß“ sagen.

Ganz anders wiederum meinen es Ostasiaten: Sie benutzen die Geste häufig auf Fotos oder Videos, um ein Lächeln zu unterstreichen.

Der Heavy-Metal-Gruß: Für Metal-Fans ist es weltweit das eindeutige Erkennungszeichen: „Es rockt“ lassen sie sich mit den Hörnern gegenseitig wissen. Im Baltikum sowie in Spanien und Italien werden sie damit aber auf wenig Begeisterung stoßen: Das Horn „hörnt“ dort die Männer und enttarnt sie als betrogene Ehemänner. Glimpflicher wird es hingegen im Süden Amerikas, wo das Zeichen vor Unheil schützen soll.

Der kleine Fingerzeig: „So klein mit Hut“ will man hier mit dem gestreckten kleinen Finger sagen. Intimeres verbirgt sich jedoch in vielen Mittelmeer-Ländern hinter der Geste: Dort will man auf das winzige Geschlechtsorgan eines Mannes aufmerksam machen. In Frankreich steht der Finger für die Botschaft: „Du kannst mich nicht reinlegen“. In Südamerika steht er für dünn, in Italien sogar für sehr mager und klein. Japaner verwenden den kleinsten aller Finger derweil als Symbol für die Frau.

Der Daumen in der geballten Faust: Während diese Geste in Deutschland harmlos ist, sollte sie in der Türkei vermieden werden, drückt sie dort doch eine sexuelle Beleidigung aus. In Brasilien ist es nicht ganz so schlimm: Dort bezichtigt man jemanden als Geizkragen mit der geballten Faust.

Gespreizter Daumen und Zeigefinger: Mit der „Zwei“ hat man in deutschen Kneipen gute Chancen auf zwei kühle Bier - in England wiederum nur eins, in China dafür das Vierfache von zwei. Wer das Zeichen von der Stirn weg gezeigt bekommt, kann davon ausgehen, dass sein Gegenüber nicht besonders viel von ihm hält, steht das „L“ doch für „Loser“. In Japan nimmt man es damit besonders ernst, dort bedeutet es eine schlimme Beleidigung.

Gekreuzter Zeige- und Mittelfinger: In Kanada und Brasilien wünscht man sich mit den gekreuzten Fingern viel Glück. In China steht das Handzeichen wiederum für die Zahl „Zehn“, und in Deutschland, Schweden, Spanien und der Schweiz signalisieren die gekreuzten Finger hinter dem Rücken eine vorsätzliche Lüge.

Der Drei-Finger-Gruß: Gilt das Handzeichen hier als unverfänglich, weil es keine Bedeutung hat, hat es auf dem Balkan eine tiefe Symbolik. Ursprünglich wurde mit dem sogenannten „Serben-Gruß“ der Eid auf die serbisch-orthodoxe Kirche abgegeben, seit dem 19. Jahrhundert verwenden ihn auch die „Tschetnik“-Soldaten, die in zahlreichen Kriegen auf dem Balkan den Tod Tausender Menschen zu verantworten haben.

Das Telefon: Gespreizter Daumen und kleiner Finger steht in vielen Ländern für die Aufforderung zum Telefonieren, in Australien und Hawaii sowie in der Surferszene heißt das Handzeichen „Alles cool“ oder „Sei locker“. Geht die Hand Richtung Mund heißt das für viele Südeuropäer: Es darf getrunken werden. In China bedeutet das Handzeichen die Zahl „Sechs“.

Die flache Hand auf die geballte Faust: In Deutschland gilt es als etwas anrüchig die flache Hand auf die geballte Faust zu schlagen, in Brasilien heißt es hingegen „Jetzt habe ich ein Problem“, in Argentinien „Schluss mit der Diskussion“ und in Südafrika „Es ist voll“.

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