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Hundehaltung in SH : Handlungsbedarf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Rasseliste im Gefahrhundegesetz bietet keinen ausreichenden Schutz. Ein Führerschein für Halter sollte sie aber nicht verdrängen, sondern ergänzen. Ein Kommentar von Frank Jung.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2013 | 07:16 Uhr

Die Statistik verrät auf den ersten Blick, dass die jetzige Rasseliste im Gefahrhundegesetz nicht genug Schutz vor Hundebissen bietet. Schließlich werden ungleich mehr Menschen von Vierbeinern verletzt, die nicht im Verzeichnis der als gefährlich eingestuften Rassen stehen, als von solchen, die dort gelistet sind. Das liegt zwar auch daran, dass etwa Schäferhunde oder Doggen viel häufiger vorkommen als Kampfhunde wie Pitbull- oder American Staffordshire-Terrier. Doch das ändert nichts daran, dass eben auch mancher Schäferhund und manche Dogge in der Öffentlichkeit ein Risiko darstellen können, zumal für Kinder. Nicht jeder Halter konventioneller Rassen hat sein Tier im Griff. Deshalb besteht auf jeden Fall Handlungsbedarf. Höchste Zeit also für eine Art Hundeführerschein auch für Nicht-Kampfhundebesitzer, wie er sich im Landtag abzeichnet. Für ein breites Artenspektrum ist ein ausführlicher Sachkundenachweis über den Umgang mit dem Tier durch einen theoretischen und praktischen Teil sinnvoll. Das muss aber entgegen der Einschätzung der meisten Landtagsfraktionen keinen Verzicht auf die Rasseliste bedeuten. Bei den dort eingetragenen Arten funktioniert sie ja. Warum also soll es nicht beide Instrumente nebeneinander geben?

Ein Führerschein ist zwar mit Kosten und Zeitaufwand verbunden. Trotzdem muss Sicherheit vorgehen. Ein Mofa kann sich auch keiner einfach so anschaffen. Zur Güte: Eine Pflicht zum Führerschein würde nur für diejenigen gelten, die sich einen Hund neu anschaffen und nicht im vergangenen Jahrzehnt mindestens zwei Jahre durchgehend einen gehalten haben. Auch stellt sich die Frage, ob man im künftigen Regelwerk nicht mit einer Art Negativliste noch eine Lockerung einbauen kann. Mit ihr könnten einige wenige Arten vom Sachkundenachweis ausgeschlossen werden, bei denen aller Lebenserfahrung nach keine ernsten Biss-Folgen zu erwarten sind – etwa Pudel oder Pekinesen. Mögen Experten auch noch so laut betonen, dass sich wissenschaftlich nie nachweisen lasse, dass eine Rasse von Natur aus gefährlicher sei als eine andere – der normale Menschenverstand sagt ebenso wie die Statistik, dass die Schwere eines Bisses auch mit Gewicht und Größe zu tun hat.

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