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"Tag der offenen Moschee" : Hamburger Moscheen wollen gute Nachbarn sein

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Auf gute Nachbarschaft: In Hamburg und SH haben am Tag der Deutschen Einheit die Moscheen zum Tag der offenen Tür geladen. Nachbarn und Neugierige kamen - zum Kennenlernen, aber auch zu engagierten Debatten.

shz.de von
erstellt am 03.Okt.2013 | 09:43 Uhr

Hamburg | Imam Ercan Yüksekkaya singt die letzten Worte des Gebets, nach und nach zerstreuen sich die Muslime. Mit zittrigen Fingern wickelt ein Mann eine Gebetskette in seine Kopfbedeckung, aus dem betenden Moslem wird wieder ein Durchschnittsmann im Anzug. An der Rückwand des Gebetsraums der Centrum-Moschee im Hamburger Stadtteil St. Georg erheben sich schüchtern und neugierig die Besucher. Sie waren gerade Zeuge von 15 Minuten Gesang und Gebet. Schulter an Schulter knieten die Muslime, berührten mit der Stirn den rot-weiß gemusterten Teppich, standen auf, knieten wieder.

Zum Tag der Deutschen Einheit hatten am Donnerstag die Moscheen in Hamburg zum 17. bundesweiten „Tag der offenen Moschee“ ihre Pforten geöffnet. Das Thema hieß eigentlich „Umweltschutz“. Doch in Hamburg war es das Miteinander, das im Fokus stand.

Für gute Absichten gibt es Happy Digits, erläutert Mehmet Karaoglu. Dafür erntet er irritierte Blicke vom Publikum. Gemeint sind „Pluspunkte vor Allah“; die Besucher lächeln. Gute Absichten, gute Taten, „das ist innere Reinheit“. Karaoglu erzählt am Mittag rund 50 Gästen in der Centrum-Moschee vom Islam. Neugierig bis kritisch sind die Rückfragen: „Wieso müssen Frauen Kopftücher tragen?“ Die Frauen jedoch schalten sich sofort in die Diskussion ein - sie wollen Kopftücher tragen. Und sie wollen auch abseits der Männer beten, um Raum für sich zu haben. In der Centrum-Moschee haben sie einen eigenen Raum. Hier ist der Teppich etwas weicher - und es gibt einen Flatscreen-Fernseher.

Inmitten von Wohnhäusern liegt die Fazl-e-Omar-Moschee in Eimsbüttel. Zwei Minarette, 14 Meter hoch, heben sie unter den Wohnhäusern hervor. Hier wird der Tag der offenen Moschee zu einem kleinen Nachbarschaftsfest. Anwohnerin Ulrike Dehn ist zum ersten Mal da; sie lässt sich von jungen Muslimen die Werte des Islams erklären.

Dehn wohnt gar nicht weit entfernt, die Neugierde trieb sie zum Tag der offenen Moschee. „Ich gehe immer dran vorbei - aber rein traut man sich dann ja doch nicht“, gesteht sie. Das jedoch wäre ganz im Sinne von Imam Laeeq Ahmad Munir. „Wir suchen persönliche Beziehungen zu unseren Nachbarn.“ Im Sommer gibt es Grillfeste, ehrenamtliche Helfer bieten Nachhilfe an - gratis und für alle Kinder. Munir will seine Moschee wieder zum Begegnungszentrum des Viertels machen: „Eine Moschee ist ein Gotteshaus und kein Privathaus.“ 

So sei es schon 1957 gewesen, als die Moschee in Eimsbüttel gebaut wurde. Damals war sie die erste in Hamburg. Die Anwohner hätten sogar gespendet, berichtet Fazal Ahmad, der Sprecher der Gemeinde. Für die Besuchern hat er Fotos aus dieser Zeit parat. Fünf Muslime hätten damals der Gemeinde angehört. Bei der Grundsteinlegung standen Dutzende Menschen um sie herum. Es waren die Nachbarn, die sich auf die neue Moschee freuten.

Heute ist es stiller geworden. Man grüßt sich freundlich, man lächelt sich an. Gelegentlich, eigentlich ganz selten, kommt mal ein Nachbar vorbei und genießt die Stille der Moschee, sagt der Imam. Aber es könnten wieder viel mehr sein. Am Tag der offenen Moschee klappt das schon einmal ganz gut.

In der Centrum-Moschee wird indes eifrig debattiert. Besucher machen ihrem Unmut über den Dschihad Luft. „Dschihad ist kein Krieg, er ist religiöse Anstrengung“, sagt Mehmet Karaoglu. „Ich zeige meine Liebe zu Gott, die Tat ist meine Prüfung.“ Nicht alle sind zufrieden.

Der Islam ist etwas Fremdes in Hamburg. Er ist aber auch etwas, das neugierig macht. Für die Besucher der Fazl-e-Omar-Moschee gab es pakistanisches Fingerfood, eine frittierte Mischung aus Zwiebeln und Kartoffeln.

Ganz schön scharf! „Scharf?“, fragt Fazal Ahmad verwundert. „Richtig scharf machen wir es eigentlich nur, wenn keine Gäste da sind.“ 

Wie viele Moscheen machten beim Aktionstag mit?

Am ersten Tag der offenen Moschee am 3. und 4. Oktober 1997 beteiligten sich bundesweit 600 Moscheen. In ganz Deutschland öffnen seitdem jährlich etwa 1000 Moscheen verschiedener Islamverbände ihre Tore für über 100.000 Besucher.

Wie viele Moscheen gibt es in Schleswig-Holstein und Hamburg?

Das Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland e.V. (BIG) ist ein Zusammenschluss von derzeit 17 Moscheevereinen in Hamburg, Niedersachen und Schleswig-Holstein. Insgesamt gibt es schätzungsweise 2800 Moscheen in Deutschland. Sie sind in verschiedenen Dachverbänden organisiert.

Warum findet der Tag der offenen Moschee am 3. Oktober statt?

Das Datum wurde nach Angaben des Zentralrats der Muslime in Deutschland bewusst gewählt, um das Ziel einer religionsübergreifenden Verständigung zu verdeutlichen. Zudem soll das Selbstverständnis der Muslime, Teil des 1990 wiedervereinigten Deutschen Staates zu sein, und die Verbundenheit mit allen nicht-muslimischen Bewohnern Deutschlands zum Ausdruck gebracht werden.

Anlass für den ersten Tag der offenen Moschee war auch das Europäische Jahr gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit 1997 und die Interkulturelle Woche - Woche der ausländischen Mitbürger vom 28. September bis 4. Oktober 1997. Quelle: Wikipedia

Wie sind die Muslime im Norden organisiert?

Das Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland (BIG) e.V. ist ein von Muslimen in Neumünster gegründeter Landesverband mit Sitz in Hamburg. Es ist Mitglied des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland. Das Bündnis organisiert die lokale Moscheengemeinde mit Schwerpunkten in Hamburg (neun Moscheen, u. a. die Centrum-Moschee, Schleswig-Holstein (fünf Moscheen, wie die Centrum-Moschee in Rendsburg und Niedersachsen (zwei Moscheen). Es gibt mehrere Dachverbände.

Die Zahl der Muslime wird in Deutschland anhand der Herkunft und der Mitgliedschaft in islamischen Vereinen geschätzt, da der Islam nicht in öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften organisiert ist, in denen Muslime eingeschriebenes Mitglied sind. Der Islam kennt keinen mit der Kirchenmitgliedschaft vergleichbaren Status. Quelle: Wikipedia.

Was passiert am Tag der offenen Moschee?

Der Tag steht unter dem Motto „Umweltschutz - Moscheen setzen sich ein“. Umweltschutz ist laut Koordinationsrat der Muslime in Deutschland für Muslime eine Pflicht. Der Mensch habe die Verantwortung, für den Schutz der Umwelt zu sorgen, "um das von Gott gegebene Gleichgewicht der Schöpfung zu erhalten." Für Muslime beginne das beim Wasserverbrauch während der Gebetswaschung und ende bei der umweltfreundlichen „grünen“ Moschee, die etwa erneuerbare Energien einsetze.

Welche Moscheen nahmen am Tag der offenen Moschee in Schleswig-Holstein teil?

Islamische Gemeinde Glinde
Tannenweg 5
21509 Hamburg
Telefon 040 / 71 14 14 55

Islamische Gemeinde Norderstedt
Quickborner Strasse 126
22848 Norderstedt
Telefon 040 / 522 86 76

Islamische Gemeinde Lübeck
Katharinenstrasse 37
23552 Lübeck
Telefon 0451 / 453 13

Islamische Gemeinde Neumünster
Friedrichstrasse 26
24534 Neumünster
Telefon 04321 / 151 09

Islamisches Zentrum Rendsburg
Eckernförder Strasse 60
24768 Rendsburg
Telefon 04331 / 399 91

Islamische Gemeinde Kiel
Alte Lübecker Chaussee 19
24113 Kiel
Telefon 0431 / 67 45 35

Welche Moscheen nahmen am Tag der offenen Moschee in Hamburg teil?

Islamische Gemeinde Hamburg

Centrum Moschee
Böckmannstraße 40
20099 Hamburg
Telefon 040 / 24 16 07

Islamische Gemeinde Nobistor
Nobistor 40-A
22767 Hamburg
Telefon 040 / 31 79 10 47

Islamische Gemeinde
Schnelsen-Eidelstedt

Wiebischenkamp 23
22459 Hamburg
Telefon 040 / 55 50 56 62

Islamische Gemeinde Wilhelmsburg

Vogelhüttendeich 74
21107 Hamburg
Telefon 040 / 75 83 99

Islamische Gemeinde Veddel

Veddeler Brückenstrasse 148
20539 Hamburg
Telefon 040 / 78 34 53

Islamische Gemeinde Harburg

Knoopstrasse 4
21073 Hamburg
Telefon 040 / 77 27 85

Islamische Gemeinde Neugraben
Cuxhavenerstrasse 334
21149 Hamburg
040 / 21 99 76 01

Islamische Gemeinde Neuenfelde

Neuenfelder Fährdeich 18
21129 Hamburg
Telefon 040 / 745 75 81

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