70 Jahre nach Kriegsende : Hamburg und SH: Gedenken an Befreiung und KZ-Opfer

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), und einer der Überlebenden des Konzentrationslagers Neuengamme, Janusz Kahl aus Polen (rechts), vor Beginn einer Kranzniederlegung beim ehemaligen KZ Neuengamme.
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), und einer der Überlebenden des Konzentrationslagers Neuengamme, Janusz Kahl aus Polen (rechts), vor Beginn einer Kranzniederlegung beim ehemaligen KZ Neuengamme.

Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Auch ehemalige KZ-Häftlinge kehren an die Orte des Schreckens zurück.

shz.de von
04. Mai 2015, 20:57 Uhr

Hamburg/Lübeck | Mit offiziellen Gedenkfeiern ist in Hamburg und Schleswig-Holstein an das Ende des Zweiten Weltkrieges und der NS-Schreckensherrschaft vor 70 Jahren erinnert worden.

In Hamburg nahmen fast 1000 Menschen an einer Gedenkfeier für die 43.000 Opfer des KZ Neuengamme teil. Unter den Besuchern waren auch 54 KZ-Überlebende aus 20 Ländern. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) nannte es am Montag eine Tragödie, dass wenige Stunden vor der Befreiung mehr als 6600 KZ-Häftlinge aus Neuengamme beim Untergang von Schiffen in der Lübecker Bucht getötet wurden.

Hamburg wurde am 3. Mai 1945 den britischen Truppen kampflos übergeben, sagte Scholz. „Doch vorher sollten, wie es in einem Protokollvermerk der Diktatur hieß, die ,KZ-Elendsgestalten' aus der Stadt verschwinden.“ Neuengamme und die meisten der 85 Außenlager wurden von der SS geräumt, viele Häftlinge auf Todesmärsche geschickt. „Rund 9000 Häftlinge des Stammlagers wurden auf drei Schiffe in der Lübecker Bucht gebracht“, sagte Scholz. Britische Flugzeuge bombardierten die Schiffe irrtümlich. Sie fürchteten, Nazis und Soldaten würden versuchen, zu fliehen. Insgesamt waren 100.000 Menschen in dem größten KZ Nordwestdeutschlands und seinen Außenlagern inhaftiert, darunter 13.000 Juden.

Janusz Kahl, KZ-Überlebender aus Polen und Vizepräsident des Verbands der Überlebenden „Amicale Internationale KZ Neuengamme“, würdigte den Aufbau der Gedenkstätte, die mittlerweile 100.000 Besucher im Jahr zählt. Zugleich erinnerte er daran, dass erst die Hartnäckigkeit der Überlebenden diese Entwicklung angestoßen habe.

Mit einer ökumenischen Andacht und einer Feierstunde in der Lübecker St. Marienkirche erinnerte auch der schleswig-holsteinische Landtag an das Kriegsende vor 70 Jahren. Deutschland habe sich lange schwer mit dem Begriff der Befreiung getan, sagte Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) vor mehreren hundert Gästen. Dabei sei der Aspekt der Befreiung vom Nationalsozialismus der entscheidende Blickwinkel auf dieses Datum deutscher Geschichte, sagte er.

Dem britischen Botschafter Sir Simon McDonald dankte Schlie für die Unterstützung der damaligen britischen Besatzungsmacht beim demokratischen Neuanfang Schleswig-Holsteins. „Der Anfang der Besatzung war zugleich auch der Anfang, aus dem ein demokratisches Westdeutschland und schließlich ein geeintes, demokratisches, friedliches Europa entstand“, sagte der Landtagspräsident. Zugleich dürfe Deutschland nie vergessen, wieviel Leid, Gewalt und Zerstörung es durch den Zweiten Weltkrieg über die Welt gebracht habe, mahnte Schlie in der gemeinsamen Gedenkfeier des Landes, der Hansestadt Lübeck und der beiden großen Kirchen. 

Landesbischof Gerhard Ulrich rief dazu auf, die Last der Schuld am Krieg nicht zu verdrängen. „Das Christentum ist keine Religion der Schlussstriche. Ohne Erinnerung haben wir keine Zukunft“, sagte Ulrich.

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