"Schildkröte" im Interview : "Halt die Klappe, ich hab Feierabend"

Zu viel Trubel in Waabs: Franz Jarnach alias  'Schildkröte' hat seinen Campingwagen aufgegeben und widmet sich jetzt wieder ganz und gar der Musik. Foto: Staudt
Zu viel Trubel in Waabs: Franz Jarnach alias "Schildkröte" hat seinen Campingwagen aufgegeben und widmet sich jetzt wieder ganz und gar der Musik. Foto: Staudt

Franz Jarnach ist vielen besser bekannt als "Schildkröte" aus der Comedy-Serie "Dittsche": Arne Peters sprach mit ihm übers Campen, das Lotterleben und Elvis Presley.

shz.de von
11. März 2010, 08:47 Uhr

Er ist ein Idol: Der Profimusiker Franz Jarnach alias "Mr. Piggi". Vielen ist der 66-Jährige besser bekannt als schweigsame "Schildkröte" aus der Comedy-Serie "Dittsche - das wirklich wahre Leben" mit Olli Dittrich. Und einigen Schleswig-Holsteinern als Dauercamper auf dem Platz in Waabs (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Unser Redakteur Arne Peters sprach mit dem Musiker und Schauspieler übers Campen, das Lotterleben und Elvis Presley.
Die obligatorische Frage: Wie soll ich Sie nennen?
Du kannst ruhig "Piggi" zu mir sagen. Aber schreib mal lieber "Mr. Piggi".
Welche Musik spielt Ihr mit dem "Schildkröte-Duo"?
Wir spielen RocknRoll und Blues, Stücke von Jerry Lee Lewis, Ray Charles, Fats Domino und Elvis. Franny an der Gitarre, ich am Keyboard.
Das ist ja eine Art Heimspiel im Kreis Rendsburg-Eckernförde: Immerhin hast du seit vielen Jahren einen Wohnwagen auf dem Campingplatz in Waabs.
Hatte ich mal. Aber vor einem Jahr habe ich meinen Platz verkauft. Ich hatte da keine Ruhe mehr. Die Leute haben langsam spitz gekriegt, dass sie mich dort treffen können. Da saß ich dann morgens am Tisch und die Leute guckten mir durchs Fenster aufs Frühstücksei.
Hast du dir woanders einen Platz gesucht?
Nein, dafür habe ich gar keine Zeit mehr. Ich bin viel unterwegs.
Wie bist du auf den Campingplatz in Waabs gekommen?
Durch meinen besten Freund Rock’n’Roll-Peter. Der hat hier immer gecampt und mich mal mitgenommen. Er ist übrigens der wichtigste Mann in der Band: Er baut nicht nur auf und ab, sondern fährt auch zurück. So kann ich mal ’n Schluck Bier trinken.
Neulich ist Tony Sheridan in Eckernförde aufgetreten. Mit dem warst du - genau wie mit Lee Curtis - ja auch mal auf Tournee. Habt Ihr noch Kontakt?
Ach was, das wusste ich gar nicht. Dem hab ich grad vor zwei Wochen ne Simse geschickt. Das ist ein guter Freund von mir. Wenn ich grad hier in der Gegend gewesen wäre, hätte ich sicher mal reingeschaut und wär vielleicht mit eingestiegen.
Du bist seit über 40 Jahren Profimusiker, hast mit den Beatles auf der Bühne gestanden, mit Gitte Haenning, Roland Kaiser, Jürgen Drews und den Rattles gespielt. Aber erst durch die Rolle als wortkarge "Schildkröte" bei "Dittsche" bist du bekannt geworden. Ist das nicht deprimierend?
Nein. Ich habe ja keine Schallplatte in der Hitparade, und dann ist man natürlich nur da bekannt, wo man auftritt - bei mir ist das der norddeutsche Raum. Durch meine Rolle als Schildkröte ist es jetzt so, dass ich überall bekannt bin. Und dann sind manche Leute doch überrascht, dass die ach so ruhige Schildkröte auf einmal richtig losrocken kann.
Und wollen die Leute immer noch nur den einen Satz hören?
Nein. Ich sage bei meinen Auftritten immer gleich, dass es keine Comedy, sondern Musik gibt. Sonst würde ich ja nur zwei Stunden schweigend am Klavier sitzen, am Ende "Halt die Klappe, ich hab’ Feierabend" sagen und dann nach Hause gehen. Das wäre ein bisschen langweilig.
Worüber kannst Du selbst lachen?
Ich kann über viele Sachen lachen. Über die "Schillerstraße" und den Martin mit seinem breiten Mund zum Beispiel. Ich bin ich ein fröhlicher Mensch und liebe das Lotterleben.
Das Lotterleben?
Ja, das ist es ja, was wir machen. Mir wurde schon damals im Hamburger Starclub gesagt: "Du musst doch mal was Vernünftiges machen. Musik - das hat doch keine Zukunft. Spätestens mit 30 Jahren bist zu alt, da will dich keiner mehr auf der Bühne sehen." Damals war ich 24. Jetzt bin ich 66 und mach immer noch Musik.
Und wie lange soll es noch so weitergehen?
I rock till I drop. Ich werde so lange Musik machen, bis ich umfalle. Was soll ich auch anderes machen? Rente und nur noch Camping.Dafür fühle ich mich noch zu jung, um gar nichts mehr zu machen.
Wie hat sich Dein Leben durch Dittsche verändert?
Ich kann kaum noch einkaufen gehen, ohne dass Leute mich ansprechen oder mich angucken, wenn sie sich nicht sicher sind.
Nervt das?
Nein, das ist doch schön. Berühmt werden in meinem Alter. Das macht Spaß.
Dir werden sicherlich immer die gleichen Fragen gestellt, zum Beispiel wie es zu Deinem Spitznamen gekommen ist.
Ich kenne Olli Dietrich schon lange, er ist ja selber ein guter Musiker. Er hat mich angesprochen und gefragt, ob ich die Rolle übernehmen möchte. Da stand der Name "Schildkröte" aber schon fest.
Ihr spielt auch selbstgeschriebene Stücke. Eines davon ist ein richtiges Schildkröten-Lied.
Ja, aber nicht immer. Das ist zu langweilig für die Zuhörer, nur instrumental und dann sag ich am Ende "Halt die Klappe, ich hab’ Feierabend."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen