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Hooge ohne Hirte : Hallig-Pastor geht nach Dänemark

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Hooger Pastor Martin Witte verlässt seine Gemeinde. Erst im kommenden Sommer soll die Stelle neu besetzt werden.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2015 | 14:00 Uhr

Hooge | Nach fünf Jahren zieht es ihn wieder weg von der kleinen Hallig: Pastor Martin Witte verlässt Hooge und übernimmt ab November eine Pfarrstelle im Pfarrbezirk Süderwilstrup in der Nordschleswigschen Gemeinde in Dänemark. Das Pastorat auf Hooge wird erst einmal leerstehen. Die Gottesdienste werden von einer Prädikantin gehalten.

Erst im Sommer soll es wieder einen neuen Hirten für die Hallig geben. Zumindest soll die Stelle laut der „Evangelischen Kirchenzeitung“ zum Sommer neu ausgeschrieben werden. Doch das Pastorat auf Hooge ist schwer zu besetzen – denn es ist ein Job der Extreme. Besonders im stürmischen Herbst kommt es immer wieder zu „Landunter“, so dass nur noch die Warften aus der Nordsee luken. Das Leben ist geprägt von den Gezeiten.

Die Kirchwarft.

Die Kirchwarft.

Foto: Bandixen
 

Auch Abgeschiedenheit und Hektik wechseln sich ab. Auf Hooge leben rund 100 evangelische Kirchenmitglieder – eine solch hohe Mitgliederquote gibt es sonst kaum. Im Sommer wird die Hallig aber von bis zu 90.000 Tagesgästen besucht. Viele wollen sich auch die schmucke kleine Kirche ansehen, die auf ihrer eigenen Warft steht, um nicht von der Nordsee verschlungen zu werden. Dann wird aus dem Pastor kurzerhand ein Touristenführer, der zuweilen einer Schulklasse nach der nächste von den Besonderheiten der Kirche erzählt. Vom Fußboden aus Muschelsand, in dem die Nordsee im Notfall versickern kann und von der Flut, die einst die Christusfigur anschwemmte, die heute an der Kirchenwand hängt.

Auch Pastor Martin Witte hat sich schnell mit der Geschichte der Kirchwarft vertraut gemacht. Der Mecklenburger kam im Juni 2010 auf die Hallig, nachdem die Pfarrstelle auch dort ausgeschrieben worden war. Nicht ohne Warnung vor dem Halligleben: „Widerstandskraft ist bei Sturm und Flut nötig“, heißt es damals. Und die Stille und Abgeschiedenheit seien eine Herausforderung.

Am 1. November wird der 59-Jährige von Propst Kay-Ulrich Bronk im Reformationsgottesdienst in der Hooger Kirche verabschiedet.  Hooge ist die zweitgrößte der zehn Halligen im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Die Bewohner siedeln auf zehn Warften.

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