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Fahri Yardim, Sido und Teclebrhan : „Halbe Brüder“: Filmdreh in SH

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Rapper Sido steht mit Fahri Yardim vor der Kamera. Fünf Tage lang dreht das Filmteam in Dahme und auf Fehmarn. shz.de hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Dahme | Beim Set-Termin des Kinofilms „Halbe Brüder“ in Dahme (Kreis Ostholstein) ist es kalt und stürmisch. „Am Set weht ständig alles weg“, erzählt Produzent Marc Conrad (ConradFilm). „Das stellt uns natürlich vor ein logistisches Problem, hat aber auch einen sehr dramatischen Effekt. Das ist besser als jede Windmaschine.“ Trotzdem hat die Filmcrew das Interview mit den drei Hauptdarstellern Paul „Sido“ Würdig, Fahri Yardim und Tedros „Teddy“ Teclebrhan lieber vom eigentlichen Drehort, einem Haus direkt am Meer, in ein kleines Hotel mitten im Ort verlegt. 

Als die drei Darsteller in den Speiseraum des Hotels kommen, tragen sie schon ihre Kostüme für die spätere Produktion und eine Maskenbildnerin klaut noch schnell eine pinke Haarspange aus Fahri Yardims schwarzen Haaren.

Im Film geht es um drei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Ein deutscher Familienvater mit Hang zum Trickbetrug (Sido), ein verwöhnter, strebsamer Türke (Yardim) und ein draufgängerischer, rappender Afrikaner (Teddy) entdecken, dass sie Brüder sind und ihre gemeinsame Mutter gestorben ist. Auf den ersten Blick können sie sich nicht leiden und würden eigentlich sofort wieder getrennte Wege gehen – wäre da nicht dieses ansehnliche, gut versteckte Erbe, an das sie nur kommen, wenn sie an einem Strang ziehen. Am Ende ihres turbulenten Roadtrips durch Berlin, Frankfurt, Köln und Hamburg führt der Weg der drei halben Brüder nach Fehmarn, wo ihre Mutter den Vater des einen Bruders 1973 beim Love-and-Peace-Festival kennengelernt hat. Fünf Tage lang dreht das Filmteam deshalb sowohl auf der Insel, als auch in Dahme. Hier spielt das bereits erwähnte Haus am Strand ebenfalls eine Rolle – nämlich die eines Hauses auf Fehmarn.

Auch im wahren Leben haben die drei Darsteller nicht viel miteinander gemeinsam: Der deutsche Paul Würdig veröffentlichte als Rapper Sido im November sein viertes Soloalbum. Der 33-jährige sieht ungewohnt aus in dem beigefarbenen Jacket, den zurückgekämmten Haaren und den überschminkten Tätowierungen auf seinem Handrücken. Eineinhalb Stunden saß er dafür in der Maske, erzählt er. Noch schlimmer sei es in den Szenen, in denen er mit nacktem Oberkörper zu sehen ist – „Dann muss ich aufstehen, wenn die anderen noch schlafen und sitze zweieinhalb Stunden in der Maske.“

Der deutsch-türkische Schauspieler Fahri Yardim war zuletzt an der Seite von Til Schweiger im Hamburger Tatort zu sehen und ist derjenige, der im Interview die meiste Zeit über das Wort führt.  Einmal wird er sogar fast poetisch, als er über den Norden spricht: „Die steife Brise hat mich gleich an meine Heimat Hamburg erinnert. Hier also kommt der Wind her, der mich sonst so mild umgarnt.“ Von seinen Schauspieler-Kollegen kommt dann auch gleich bewundernde Zustimmung und Teddy ruft – nur ein kleines bisschen sarkastisch: „Das ist genau das, was ich fühle.“ Der in Eritrea geborene Comedian Tedros Teclebrhan erreichte mit seinen Youtube-Videos ein Millionenpublikum, übernahm aber auch schon einige Rollen in Fernsehfilmen.

Vielleicht liegt es gerade an dieser Verschiedenheit, dass sich die drei Hauptdarsteller so gut verstehen. „Wir haben Drehtage mit elf bis zwölf Stunden, aber trotzdem haben wir unglaublich viel Spaß“, erzählt Fahri Yardim. „Wir müssen uns oft zusammenreißen, weil die Crew schon grimmig guckt, wenn sich ihr Feierabend nach hinten verschiebt.“ Oft würden Schauspieler über andere Schauspieler nur sagen, dass sie sich gut verstehen und stellten sich dann doch gegenseitig ins schlechte Licht. „Aber hier ist es anders. Wir verstehen uns wirklich gut.“

Im Laufe ihres turbulenten Roadtrips geraten die drei Brüder im Film in die Fänge von dealenden Omas, rachsüchtigen Geldeintreibern und mysteriösen Schönheiten. Ihre leiblichen Väter bringen sie näher an das erhoffte Erbe, aber auch an den Rand des Wahnsinns – und am Ende müssen die halben Brüder einsehen, dass sie nur ans Ziel kommen, wenn sie als Familie zusammenhalten. Bei dieser Geschichte geht es dem Produzenten Marc Conrad und Regisseur Christian Alvart („Tatort – Willkommen in Hamburg“) nicht um den erhobenen Zeigefinger – und noch viel weniger um Kultur-Klischees. „Es ist eine Komödie - in erster Linie soll der Film zum Lachen anregen“, sagt Fahri Yardim.

Die Dreharbeiten zu „Halbe Brüder“ dauern noch bis zum 8. Juli. Kinostart wird dann der 19. März 2015 sein.

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erstellt am 29.Mai.2014 | 11:21 Uhr

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