zur Navigation springen

Protest gegen Kleiderständer : Hakenkreuze beim Discounter?

vom

Kleiderständer - geformt wie Hakenkreuze. Dagegen protestiert ein Schleswig-Holsteiner jüdischer Abstammung.

Hanerau-Hademarschen | Sie stehen in Rendsburg und in Itzehoe, in Eutin und Flensburg - in jeder Stadt, in der das Unternehmen "Kik Textilien und Non-Food GmbH" mit Sitz in Bönen (Nordrhein-Westfalen) eine Filiale unterhält: Kleiderständer in der Form von Hakenkreuzen. "Ich war wie vor den Kopf gestoßen, als es mir aufgefallen ist", sagt Jens-Uwe Nickel (64) aus Hanerau-Hademarschen (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Der Sozialpädagoge im Ruhestand hat sofort zahllose Geschäfte des Textil-Discounters aufgesucht. "Überall bot sich mir das gleiche Bild: Hakenkreuz-Kleiderständer in Reih und Glied."
Jens-Uwe Nickel hat jüdische Vorfahren, empfindet die nationalsozialistische Symbolik als verletzend. "Meine Mutter war Halbjüdin, ihre kleine Buchhandlung wurde von den Nationalsozialisten enteignet. Aus meiner Familie wurden 14 Personen in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Treblinka ermordet." In einem Schreiben forderte Nickel den Discounter auf, die Kleiderständer in der "unmissverständlichen Form von Hakenkreuzen" zu entfernen. Die Reaktion sei mehr als unbefriedigend gewesen, sagt er. In einem kurzen Antwortschreiben von "Kik" heißt es: "Als international tätiges Handelsunternehmen und Mitglied im Verein ,Gesicht zeigen! heißen wir in unseren Filialen alle Menschen, egal welcher Abstammung sie sind, herzlich willkommen." Und weiter: "Bei den so genannten Winkelständern handelt es sich um Warenträger, die wir einsetzen, um unseren Kunden kleinere Artikelgruppen deutlicher zu präsentieren."
"Darf man Kleiderständer in Hakenkreuzform aufstellen?"
Jens-Uwe Nickel: "Mein Protest wurde ignoriert. Von einem international tätigen Unternehmen erwarte ich mehr Sensibilität in dieser Frage." Bereits im März dieses Jahres hatten Kunden die Form der Kleiderständer erstmals kritisiert. "Kik" reagierte nicht. Jens-Uwe Nickel kann das nicht fassen: "Offenbar ist sich das Management der Tatsache nicht bewusst, dass die Verwendung nationalsozialistischer Symbole strafbar ist."
"Kik"-Sprecherin Beatrice Volkenandt erklärte gegenüber unserer Zeitung: "Die leider immer wieder geäußerte Assoziation mit verfassungsfeindlichen Symbolen ist für uns nicht nachvollziehbar. Niemand in unserem Haus würde auch nur im Ansatz damit ein derartiges Symbol in Verbindung bringen." Es sei daher nicht geplant, die "Winkelständer" auszutauschen. Vielmehr sollen alle 2600 Filialen gleich ausgestattet sein. Aber darf man Kleiderständer in Hakenkreuzform aufstellen? Uwe Keller, Sprecher des Landeskriminalamts Kiel: "Allein die Darstellung eines Hakenkreuzes begründet den Verdacht einer Straftat." Jetzt prüft die Staatsschutzabteilung der Bezirkskriminalinspektion Kiel in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft den Fall.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Dez.2008 | 12:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen