Millionenschaden bei Brand : Haftbefehle nach Flammen-Inferno

Hoch schlagen die Flammen aus dem Sonderpostenmarkt am Sophienhof: Die 40 Einsatzkräfte der Feuerwehr können weder das Gebäude noch den Warenbestand retten.
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Hoch schlagen die Flammen aus dem Sonderpostenmarkt am Sophienhof: Die 40 Einsatzkräfte der Feuerwehr können weder das Gebäude noch den Warenbestand retten.

Die drei Männer, die in der Nacht zum Freitag den Restposten-Markt "Thomas Philipps" in Brand gesteckt haben, sind in Untersuchungshaft. Sie hatten den Brand gestanden, sich aber noch nicht zum Motiv geäußert.

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25. August 2008, 07:11 Uhr

Flensburg | Es ist kurz nach fünf in der Früh, als Rosemarie Salifu auf dem Weg zur Arbeit ist. Die Angestellte einer Tankstelle befährt die Husumer Straße in Richtung Flensburg Weiche, als ihr Wagen plötzlich von dichtem Qualm eingeschlossen wird. "Ich dachte zunächst an Nebel", sagt sie. Doch dann durchfährt es sie: "Die Tankstelle brennt."
Es ist nicht der SB-Tanktreff, der kurz nach Mitternacht in Flammen aufgegangen ist, sondern der gegenüber liegende Discounter.
Was war das Motiv?
Die drei Tatverdächtigen im Alter von 17 bis 22 Jahren haben den Brand gestanden, sich aber noch nicht zum Motiv geäußert. Der Schaden wurde auf rund eine Million Euro geschätzt. Ein 20-Jähriger, der zunächst auch festgenommen wurde, sei von der Staatsanwaltschaft wegen fehlender Haftgründe entlassen worden, hieß es.
Zu retten gibt es für die Feuerwehr hier nichts mehr. Der Großbrand im Restpostenmarkt "Thomas Philips" im Industriegebiet Sophienhof hat verheerende Folgen. Nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr und Zeugenaussagen liegt der Brandherd in einem Außenlager hinter dem Markt aus, das Feuer breitet sich rasend schnell aus. Als die Rettungskräfte eintreffen, stehen bereits Teile des Daches in Flammen. Innerhalb weniger Minuten zündet das Feuer durch und erfasst den kompletten, rund 1300 Quadratmeter großen Restpostenmarkt in dem rund 45 mal 30 Meter großen Gebäude. Dabei lodern die Flammen über mehrere Stunden rund 30 Meter hoch in den Nachthimmel. Einen Innenangriff kann die Feuerwehr nicht mehr vornehmen, da immer wieder Teile des Daches einstürzen. Während der Brandbekämpfung kommt es zu mehreren Explosionen durch Gas-Kartuschen, die die Einsatzkräfte zum Rückzug zwingen. Unermüdlich kämpfen die 40 Einsatzkräfte der Flensburger Berufsfeuerwehr sowie der Wehren Klues, Weiche, Tarup und Sünderup gegen die Flammen an - trotzdem kann das Gebäude samt Warenbestand nicht gerettet werden. 2000 Liter pro Minute pumpen die Feuerwehrleute in das flammende Inferno. Zu wenig: "Das Löschwasser ist in der Gluthitze einfach nur verdampft", sagt Einsatzleiter Hans Werner Petersen.
Zwei Mitarbeiter des Marktes erleiden einen schweren Schock

Wegen der extremen Rauchsäule über der Stadt führt der Umweltschutztrupp der Polizei Luftmessungen durch - da in dem Markt auch giftige Pflanzendünger gelagert wurden, besteht die Gefahr einer Gesundheitsgefährdung für die Anwohner. Dieser Verdacht bestätigt sich zum Glück nicht.
Zwei Mitarbeiter des Marktes, die an der Brandstelle eintrafen, erleiden einen schweren Schock und müssen vor Ort vom Notarzt behandelt werden. Auch die Eigentümerin des Gebäudes eilt herbei. Das Entsetzen steht ihr ins Gesicht geschrieben - zumal es im Vorfeld mehrere Einbrüche in den Schnäpppchenmarkt gegeben hat. Zwölf Mitarbeiter des Geschäftes werden durch den Großbrand vorerst arbeitslos. "Das ist besonders bitter", sagt eine Anwohnerin aus dem Hasenhof mit ihrem kleinen Sohn auf den Schultern. sie blickt neben vielen anderen Schaulustigen auf die Brandruine. "Traurig ist das", sagt sie.
Das gesamte Ausmaß des Schadens wird erst mit Tageseinbruch sichtbar. Das große Gebäude brennt bis auf die Grundmauern nieder. Verkaufsfläche, Büro- und Verwaltungstrakt - vollständig zerstört. Gegen Mittag werden die letzten Brandnester gelöscht, Hans Werner Petersen ist jetzt zwölf Stunden auf den Beinen und gönnt sich ein Mittagsschläfchen - gleichwohl in ständiger Bereitschaft.

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