Falsche Dosierung? : Häftling stirbt nach Methadon-Konsum

Ein 26-jähriger Insasse der Justizvollzugsanstalt (JVA) Itzehoe ist möglicherweise an einer Über- oder Fehlmedikation mit Methadon gestorben.

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22. Januar 2011, 11:24 Uhr

itzehoe | Der junge Mann aus Wedel war am Mittwoch in die JVA gebracht worden, um dort eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen unerlaubten Handels mit Betäubungs mitteln zu verbüßen. Weil er angegeben hatte, drogenabhängig zu sein und Methadon zu benötigen, wurde er bereits am Dienstag im Klinikum Elmshorn auf seine Haftfähigkeit untersucht. Am darauffolgenden Tag wurde er gegen 10 Uhr nach Itzehoe gebracht. Dort bekam er vom Sanitätspersonal der JVA Methadon und Diazepam verabreicht, wie die Staatsanwaltschaft informierte.
"Am Mittagessen hat er noch ganz normal teilgenommen", berichtete JVA-Leiterin Verena Serger. Doch als man ihm die Abendkost bringen wollte, fanden die Beamten den 26-Jährigen schlafend vor und waren nicht in der Lage ihn zu wecken. "Es wurde umgehend ein Arzt gerufen. Als dieser kam, war der Inhaftierte noch am Leben", sagt Verena Serger. Gegen 19 Uhr stellte der Notarzt vom Klinikum Itzehoe den Tod des jungen Mannes fest.
Keine klare Todesursache
Eine erste Obduktion hat keine klare Todesursache ergeben. Eine Über- oder Fehlmedikation könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, erklärte Ralph Döpper, Oberstaatsanwalt in Itzehoe. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Arzt der JVA eingeleitet. Die Ergebnisse einer weiteren Obduktion werden in der kommenden Woche erwartet.
Das Mittel Methadon wird zur Drogenersatz-Therapie bei Heroinabhängigen verwendet. Auch dieses Medikament ist bei einer Überdosis tödlich; insbesondere ist es lebensgefährlich neben Methadon andere Drogen einzunehmen. Diazepam wird als Schlaf-, Beruhigungs- und Muskelentspannungs-Mittel eingesetzt.

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