Schauspieler Marek Ehrhardt : "Hab Blut geleckt, den Bösen zu spielen"

Schauspieler, Sänger, Sprecher – und Sympathieträger: Der 42-jährige Hamburger Marek Ehrhardt. Foto: Dommasch
Schauspieler, Sänger, Sprecher – und Sympathieträger: Der 42-jährige Hamburger Marek Ehrhardt. Foto: Dommasch

Fernsehhund "Kalle" ermittelt wieder. Und mit ihm Marek Ehrhardt alias Oliver Kottke. Im Interview spricht Ehrhardt über seine Rolle als Oberkommissar, Ölprinz.

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03. Oktober 2011, 09:35 Uhr

Flensburg | Ab Sonnabend (19.25 Uhr) zeigt das ZDF zwölf neue Folgen der Krimiserie "Da kommt Kalle". Die in Flensburg ermittelnden Kommissare haben es in der 5. Staffel mit einer Entführung des kleinen Parson Russell Terriers, mit Vandalismus, Drogenschmuggel und der Ermittlung der Identität einer verwirrten, alten Dame zu tun. Einer der gestandenen Gesetzeshüter ist Marek Ehrhardt (42) alias Oliver Kottke.
Wie darf ich Sie ansprechen - als Oberkommissar Olli?
Okay, den spiele ich bereits im fünften Jahr.
Beschleicht einen da nicht die Angst, in der öffentlichen Wahrnehmung auf eine Rolle festgelegt zu werden - wie einige Tatort-Kommissare oder weiland Horst Tappert als Derrick?
Eigentlich sehe ich diese Gefahr nicht, da ich noch einige andere Sachen drehe und immer wieder schöne neue Rollenangebote bekomme. Wenn das allerdings mal ausbleiben sollte, könnte das natürlich zu einem Problem werden.
Sie haben einen neuen Serien-Partner an Ihrer Seite.
Ja, Max Woelky spielt den jungen Oberkommissar Lukas Hoffmann. Das ist spannend und führt bisweilen zu einer Art Generationskonflikt. Schließlich ist er 16 Jahre jünger als ich. Aber der Junge ist mir sehr ans Herz gewachsen.
Wie haben Sie denn die Drehtage hier in Flensburg erlebt?
Total Klasse! Ich bin ein riesiger Flensburg-Fan und freue mich jedes Mal, wenn wir hier hoch fahren.
Das sagen Sie jetzt nur, um sich einzuschmeicheln.
(lacht) Ganz sicher nicht. Das habe ich zum Glück nicht nötig. Nein, ich genieße diese Zeit wirklich sehr. Und wenn wir im Strandhotel Glücksburg wohnen, ist das Entspannung pur. Im Übrigen habe ich Flensburg auch in anderen Interviews schon lobend hervorgehoben.
Sie haben in diesem Sommer den "Ölprinz" bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg verkörpert. War das eine große Umstellung für Sie?
Zunächst . . . genau das ist der Beleg, dass ich nicht auf eine Rolle festgelegt bin. Schließlich habe ich da den Bösewicht gespielt. Ich gebe aber zu - es waren viele Kinder da, die gefragt haben: "Wann kommt Kalle wieder?" Und das ist irgendwie auch schön.
Sie stehen auf einer Freilichtbühne. Keine Kamera. Live und in Farbe.
Theater ist eine ganz andere Herausforderung als Fernsehen. Ich bekomme die Belohnung noch am gleichen Tag vom Publikum direkt nach der Vorstellung. Beim Drehen kann ich einen schlechten Tag mal wegdrücken. Das ist auf der Bühne relativ schwer möglich. Und in Bad Segeberg hat natürlich das Wetter noch eine ganz eigene Rolle gespielt. Das macht die Sache schon sehr interessant.
Hand aufs Herz: Spielen Sie lieber den Bösen oder den Guten?
Ganz ehrlich hab ich ein wenig Blut geleckt, den Bösen zu spielen. Das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wichtig an Rollen finde ich, dass sie einen Bruch haben, dass ich in gewissen Situationen etwas spiele, was nicht vorhersehbar ist. Es geht also um das Überraschungsmoment. Und der Ölprinz muss ja einen gewissen Charme spielen lassen, um die Leute zu der Ölquelle zu locken, wo er dann sein Unwesen treibt.
Apropos Überraschungsmoment: Sie haben Johnny Depp synchronisiert, was wohl nur wenige wissen.
Ja, allerdings nicht in allen Filmen. Johnny Depp ist einer der Charaktere, bei denen die Stimme nach dem jeweiligen Film ausgesucht wird. Es gibt einige US-Stars, die hier auch mal eine andere Stimme bekommen dürfen.
Sie sind sehr umtriebig unterwegs: Schauspieler, Sänger, Synchron- und Stadionsprecher, begehrte Werbestimme . . .
Ich glaube, ich bin ein irrsinniges Organisationstalent. Das muss ich auch sein. Und ich habe gelernt, relativ schnell wieder entspannen zu können. Ich leg mich eine halbe Stunde auf die Couch und bin dann wieder fit.
Lassen Ihre Kinder (Anm.: 4 und 8 Jahre alt) Sie denn in Ruhe?
(lacht) Ich bin ja schlau! Und mache es genau zu dem Zeitpunkt, wo die Kleinen in der Schule oder im Kindergarten sind.
Sie sind bekennender HSV-Fan und sitzen seit Januar im Aufsichtsrat des Vereins. Woher rührt Ihre Affinität zum Fußball?
Der HSV ist von Kindesbeinen an eine Herzensangelegenheit für mich.
Dann müssen Ihnen die letzten Wochen und Monate besonders weh getan haben. Sportlicher Misserfolg, unprofessionelles Management - und nun die holprige Trainersuche . . .
Das tut weh. All das, was auf uns eingeprasselt ist. So etwas geht auch an mir nicht spurlos vorbei. Aber es ist Zeit für einen Umbruch. Den haben wir gewagt. Ein krasser Neuanfang, da gebe ich Ihnen Recht und, ja, auch ich hätte mir bessere Ergebnisse gewünscht. Aber weder Vorstand noch Aufsichtsrat stellen die Mannschaft auf.
Wie nehmen Sie die Reaktion der Fans wahr?
Was mich freut, ist, dass viele Fans den Umbruch als richtig empfunden haben und diesen Weg mitgehen. Auch wenn ein paar Dinge so gelaufen sind, wie sie nicht laufen sollten. Wir werden eine sehr anstrengende Saison sehen, aber der HSV wird zu alter Stärke zurück finden.
Wie kommt es denn bei Ihnen an, wenn "Kaiser" Beckenbauer sagt, kein Trainer der Welt könne dem HSV helfen. Vielleicht sollten einfach Sie den Job machen?
Ich hoffe, dass wir Franz Beckenbauer schon bald vom Gegenteil überzeugen können. Zum Trainer kann ich nichts sagen. Kann ich nicht und will ich nicht. Das ist nicht meine Aufgabe. Wir werden jedenfalls einen Trainer präsentieren, der dem Verein auf lange Sicht weiterhilft. Ich kenne aber keine Prioritätenliste.
Wie hoch wird der HSV am Sonntag gegen Schalke und den verschmähten Huub Stevens gewinnen?
Wie hoch, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber ich hoffe, dass wir unseren ersten Heimsieg feiern werden.

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