zur Navigation springen

Weihnachten : Gutscheine als Geschenk immer beliebter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Karten im Wert von zwei Milliarden Euro liegen unter den Weihnachtsbäumen. shz.de erklärt, welche rechtlichen Regeln beachtet werden müssen.

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 07:06 Uhr

Kiel | Der fünfte Eierkocher für Mutti. Aftershave, das niemand braucht? Und spielt das Enkelkind überhaupt noch mit Lego? Das passende Weihnachtsgeschenk zu finden, ist schwer. Auf der sicheren Seite, wenn auch nicht kreativ, ist, wer Geschenkgutscheine unter den Weihnachtsbaum legt. Und das werden in diesem Jahr so viel sein wie noch nie.

Für die Parfümeriekette Douglas ist der Gutschein inzwischen der „stärkste Artikel“. Geschenkkarten im Wert von insgesamt zwei Milliarden Euro erwartet der deutsche Handelsverband (HDE) unter hiesigen Weihnachtsbäumen, insbesondere bei jungen Menschen unter 34 Jahren sind sie laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ein beliebtes Geschenk.

„Trotz der Beliebtheit bei den Kunden sind Geschäfte nicht zum Ausstellen verpflichtet“, betont Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Auch für die Form existieren keine Vorgaben. Allerdings gibt es einige rechtliche Regeln:

Einlösefristen.  Der Gutschein sollte mindestens ein Jahr oder besser unbefristet gültig sein. „Ohne weitere Angaben verjähren Gutscheine nach drei Jahren“, so Hagen. Diese Frist beginnt nach Angaben der Verbraucherzentrale am Ende des Jahres, in dem der Gutschein ausgestellt wurde. Konkret: Ein Gutschein vom Januar 2012 gilt nicht nur bis Januar 2016, sondern bis 31. Dezember 2016. Wenn der Gutscheinbesitzer in dieser Zeit nichts im Laden abgeholt hat, muss der Verkäufer den Gutschein nicht mehr annehmen, dann ist das Geld weg.    Die dreijährige Frist hat das Oberlandesgericht München in einem Urteil bekräftigt. Es entschied, dass Geschenkgutscheine nicht nach einem Jahr verfallen dürfen (Az: 29 U 3193/07).

Doch es kommt auch darauf an, wofür ein Gutschein ausgestellt wurde. Geht es um ein bestimmtes Theaterstück, dann muss das Ensemble natürlich nicht noch einmal anreisen, wenn „Der Freischütz“ bereits vom Plan genommen, der Gutschein bis dahin aber nicht eingelöst wurde. Der Beschenkte kann sich jedoch in solchen Fällen den Geldwert erstatten lassen – abzüglich eines „entgangenen Gewinns“, der zum Beispiel 25 Prozent des Kaufpreises betragen könnte. Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg ließ in einem Urteil durchblicken, dass ein Kinogutschein erst nach zwei Jahren ungültig werde. (AZ: 10 U 11/00).

Umtausch: Gutscheine können nicht umgetauscht werden. Der Verkäufer ist auch innerhalb der Verjährungsfrist nicht verpflichtet, den Betrag bar auszuzahlen. Gefällt dem Beschenkten nichts, was er gegen seinen Gutschein eintauschen könnte, so geht er leer aus. Ausnahme: Ist der Gutschein für eine bestimmte Ware oder Dienstleistung bestimmt, die „ausverkauft“ ist, so muss der Verkäufer den Gegenwert auszahlen.

Teileinlösungen: Hat man einen 100-Euro-Gutschein im Möbelhaus geschenkt bekommen, kauft jedoch nur ein Regal für 79 Euro, wird das restliche Guthaben nicht ausgezahlt, sondern wiederum per Gutschein ausgehändigt. Dem Händler ist diese Praxis durchaus zuzumuten. Um solche Probleme zu umgehen, kann man den Wert stückeln. Fünf mal 20 Euro ergeben schließlich auch 100 Euro.

Persönliche Bindung: Oftmals wird bei einem Geschenkgutschein auch der Name des Empfängers angegeben. Hierzu hat das Amtsgericht Northeim entschieden, dass die namentliche Bezeichnung nicht die Weitergabe des Gutscheins ausschließt, denn hier diene die Namensnennung nur dazu, die persönliche Beziehung zwischen Schenker und Beschenktem zu dokumentieren (Urteil v. 26.08.1988, Az.: 3 C 460/88). Der Gutschein ist ein Inhaberpapier (§ 807 BGB). Dies bedeutet: Die Einlösung kann gegenüber jeder Person erfolgen, die den Schein vorlegt – selbst wenn der Name des ursprünglich Beschenkten auf dem Gutschein vermerkt ist.“

Insolvenz: Geht ein Händler, bei dem ein Gutschein gekauft wurde, in die Insolvenz, so trägt der Geschenkte leer aus. „Die Auswahl des richtigen Geschenks sollte also nicht zu lange hinausgeschoben werden“, mahnt Hagen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen