FH Kiel : Grundstein für Qualitätsjournalismus

Ihr Studiengang - akkreditiert: Volontärin und Studentin Sophie Pawelke (l.) und ihre Kommilitonen an der Fachhochschule Kiel mit dem Siegel-Zertifikat des Akkreditierungsrates. Foto: Dewanger
Ihr Studiengang - akkreditiert: Volontärin und Studentin Sophie Pawelke (l.) und ihre Kommilitonen an der Fachhochschule Kiel mit dem Siegel-Zertifikat des Akkreditierungsrates. Foto: Dewanger

Der neue Medien-Studiengang an der FH Kiel ist akkreditiert - in einer Rekordzeit von 18 Monaten. Der Master-Studiengang bildet zukünftige Redakteure aus.

shz.de von
01. Mai 2011, 03:49 Uhr

Kiel | Das ist rekordverdächtig: Vor nicht einmal 18 Monaten fand das erste Gespräch über einen neuen Ausbildungsgang für Journalisten an der Fachhochschule (FH) in Kiel statt. Schon nach knapp einem Jahr lag die Genehmigung des Wissenschaftsministeriums vor, und 18 Studenten konnten mit dem Studium beginnen. Jetzt ist die nächste entscheidende Hürde genommen: Namhafte Wissenschaftler haben den neuen Studiengang begutachtet, ihn als innovativ und vielversprechend beurteilt und die offizielle Akkreditierung ausgestellt. "Normalerweise dauert dieser Vorgang mindestens zwei Jahre", freute sich FH-Präsident Udo Beer bei einer Feierstunde in Kiel.
Und nicht nur vom Zeitfaktor her kann sich das Ergebnis sehen lassen. Der Studiengang, der zusammen mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z), dem Zeitungsverlag Schwerin und dem A. Beig-Verlag - alle gehören zur medien holding:nord (mh:n) - entwickelt wurde, sei ein Leuchtturmprojekt, ja sogar ein Prototyp, der Mediengeschichte schreiben könne, betonte die Staatssekretärin im Wissenschaftsministerium, Cordelia Andreßen. Gewinner seien die FH, da die Zeitungen den gebührenpflichtigen Masterstudiengang voll finanzieren, die Wirtschaft, die hochqualifizierte Mitarbeiter bekomme, und das Ministerium, das keinen Pfennig dazu bezahlen müsse. Gewinner seien aber auch die Studenten, die nach dreijährigem berufsbegleitenden Studium beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.
Master in Journalismus und Medienwirtschaft
Die Studierenden, die alle bereits einen Hochschulabschluss in den unterschiedlichsten Fächern in der Tasche haben, erwerben parallel zu ihrer Ausbildung in den Redaktionen einen Master im Fachgebiet "Journalismus und Medienwirtschaft". Möglich wird dies durch Fernstudienanteile. Am Wochenende und nach Feierabend pauken sie Theorie - der Stoff soll in 20 Stunden pro Woche zu schaffen sein. Drei Mal pro Halbjahr gibt es Blockseminare von Freitag bis Sonntag, die von 20 erfahrenen Dozenten mit Berufspraxis erteilt werden. Die tägliche Arbeit in den Verlagen wird als Praxisanteil im Studium gerechnet.
"Schleswig-Holstein ist zwar kein großer Medienstandort, doch mit diesem Studiengang haben wir etwas Besonderes und bundesweit Einmaliges geschaffen - nämlich ein Modell für eine zukunftsfähige Journalistenausbildung", erklärte sh:z-Chefredakteur Stephan Richter. Besonders die Printmedien stehen nach seiner Ansicht im Internetzeitalter vor großen Herausforderungen und einer Bewährungsprobe. "Diese Herausforderungen sind langfristig nur durch kreative Köpfe, die ihr Handwerk verstehen, zu meistern", sagte er.
Branche hat einiges nachzuholen
Zukunftsfähig sei nur ein Qualitätsjournalismus, der eine systematische Aus- und Fortbildung voraussetze. Hier habe die gesamte Branche einiges nachzuholen, räumte der Chefredakteur ein. Mit dem neuen Masterstudiengang "sind wir jetzt besser aufgestellt, zumal sich nur die Besten für den zweifellos anstrengenden Studiengang beworben haben". Das bisherige Ausbildungssystem - ein zweijähriges Volontariat und ein vierwöchiges Kompaktseminar in einer externen Ausbildungsstätte - hält Richter für "nicht mehr ausreichend", zumal Journalisten verstärkt crossmedial, also in verschiedenen Medienbereichen, arbeiteten.
Das sehen offenbar auch andere Zeitungshäuser so. "Die Nachfrage nach unserem Modell ist enorm. Aus allen Teilen der Bundesrepublik haben wir Anfragen", erklärte der Dekan des Fachbereichs Medien, Professor Dr. Bernd Vesper. Die Verzahnung von Wissenschaft und Praxis werde als beispielhaft gewertet. Zugute komme der Fachhochschule auch, dass der Zeitpunkt für die Etablierung des neuen Studiengangs genau der richtige gewesen sei. "Die neuen Medien - wie das Internet - sind nicht mehr nur was für Spinner, sondern haben inzwischen genug Reife erlangt, um damit Geld zu verdienen."
Doppelt so hohe Kosten wie beim klassischen Volontariat
Masterabsolventen, die ihr Handwerk nicht nur im Printbereich verstehen, sondern auch profund für den Online-Auftritt der Zeitungen ausgebildet wurden, "werden am Ende dieses Weges zu den Besten der Zunft gehören", betonte auch Richter. Dies sei auch der Grund, warum die mh:n gern in dieses neue Ausbildungsmodell investiere: Die Kosten für die Verlage sind gut doppelt so hoch wie beim traditionellen Volontariat.
Die medien holding:nord mit Sitz in Flensburg ist eine der größten unabhängigen Verlagsgruppen Norddeutschlands und erreicht mit 31 Tageszeitungen und einer Auflage von 320.000 Exemplaren täglich 860.000 Leser in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

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