Premiere in Bad Segeberg : "Grüß Gott, Herr Winnetou" - bayerische Note am Kalkberg

Resolut: Rosalie Ebersbach (Kabarettistin Lisa Fitz) und Sam Hawkins (Mathias Engel, links) wehren sich gegen den Ölprinzen Grinley (Marek Erhard, Mitte) und seine raffgierigen Geldmänner (rechts). Foto: rtn
Resolut: Rosalie Ebersbach (Kabarettistin Lisa Fitz) und Sam Hawkins (Mathias Engel, links) wehren sich gegen den Ölprinzen Grinley (Marek Erhard, Mitte) und seine raffgierigen Geldmänner (rechts). Foto: rtn

8000 Gäste sahen den Auftakt der 60. Karl-May-Spiele in Bad Segeberg. Dieses Jahr macht "Der Ölprinz" den Indianern das Leben schwer.

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28. Juni 2011, 11:18 Uhr

Bad Segeberg | Die Karl-May-Gemeinde in Bad Segeberg hat einen neuen Ehrenhäuptling. 8000 Besucher in der Freilichtarena am Kalkberg erhoben sich von ihren Sitzen, als Martin Böttcher bei der Saisonpremiere der Titel "Großer Meister der Melodien" verliehen wurde. Böttcher hat die unvergessene Musik zu den legendären Karl-May-Filmen geschrieben, seine Old-Shatterhand-Melodie belegte einst monatelang Platz 1 der Hitliste. Als Ehrenhäuptling steht der 84-Jährige jetzt in einer Reihe mit Karl-May-Freunden wie Johannes Rau, Peter Maffay oder Ella Fitzgerald.
In ihrer 60. Saison wollen die Karl-May-Spiele mit dem Klassiker "Der Ölprinz" wieder 300.000 Besucher nach Bad Segeberg locken. Auf der Naturbühne geht es rasant zur Sache. Schon nach wenigen Minuten fällt der erste Öl-Arbeiter als brennende Fackel vom Bohrturm, fliegt "Feuerauge", ein afrikanischer Schreiseeadler, majestätisch über das Publikum hinweg, galoppiert das berühmteste Blutsbrüderpaar aus dem Wilden Westen quer durch die Zuschauerreihen. Erol Sander als Winnetou und das Segeberger Urgestein Joshy Peters als Old Shatterhand halten ihre schützenden Hände über unerfahrene Siedler aus Deutschland.
Markus Majowski glänzt mit Gesang
Der Treck wird angeführt von der resoluten Rosalie Ebersbach. Die Rolle ist der schlagfertigen Kabarettistin Lisa Fitz förmlich auf den Leib geschrieben. Zudem bringt die Kleinkunst-Lady aus dem deutschen Süden eine ungewöhnliche bayerische Note in das Wild-West-Spektakel ein. Was hätte wohl Karl May als bekennender Sachse gesagt, dass in seinem Namen eines fernen Tages die Treck-Chefin den Apachenhäuptling mit den Worten "Grüß Gott, Herr Winnetou" willkommen heißt?
Zu Rosalies Begleitung gehören der kauzige Kantor Hempel und sein mit einer Notendecke ausstaffierter Muli Rigoletto. Markus Majowski glänzt mit witzigen Versen und mit Gesang, macht in der Wagenburg aus seiner Orgel schon mal einen Granatwerfer und möchte jedes gemeinsame Abendessen mit einer Arie begleiten. Gäbe es Wildschwein, könnte man an Troubadix, den verkannten gallischen Barden, denken. Denn auch Hempel steht mit seinem Versuch, im Wilden Westen eine Heldenoper in zwölf Akten zu komponieren, auf verlorenem Posten.
"Nur ein toter Banker ist ein guter Banker"
Dafür sorgt schon der Bösewicht des Abends, der umtriebige Ölprinz Grinley (Marek Erhard), der ahnungslose, aber raffgierige Geldmänner zur Ölquelle führt, sie ausraubt und ins Jenseits befördert. "Nur ein toter Banker ist ein guter Banker", lässt Drehbuchautor Michael Stamp den skrupellosen Ölprinzen sprechen. Sein Colt ist im Übrigen vom Modell Witwenmacher, "und das ist besser als Nonnenmacher". Auch die Anspielung auf den früheren Chef der HSH Nordbank findet ihre Lacher im Publikum.
Der Kampf zwischen Gut und Böse, das zeigen die Segeberger Karl-May-Spiele stets gerne, ist eben nicht auf den Wilden Westen beschränkt. Die Welt ist voller Ölprinzen, die die Bodenschätze stehlen wollen. "Wir müssen aber die Erde für unsere Kinder bewahren", lautet der Appell am Kalkberg. Ökologisch geht es mit gutem Beispiel voran. Die Steinschafe und die Waldziegen, das Hinterwälder Rind und die Brahma-Hühner, die alle zum Siedlertreck gehören, stammen aus dem Arche-Tierpark in Warder, der sich seltener Haustierrassen annimmt.
Schon Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, der als "Starker Bär des Nordens" die Jubiläumssaison mit dem Pistolenschuss offiziell eröffnete, sah den Triumph der Helden voraus. Natürlich behielt er Recht. Nach hartem Kampf in einem furiosen Finale mit brennenden Lanzen wendet sich alles zum Guten. Der Treck wird gerettet, die Bande des Ölprinzen zerschlagen. "Mein Bruder, das war knapp", atmet Old Shatterhand neben Winnetou erleichtert auf. "Doch nun lass uns reiten." Dem nächsten Abenteuer entgegen.
(uca, shz)

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