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Zehn Feuer im Ort : Grube – Ein Dorf sucht seinen Brandstifter

vom

Die kleine Gemeinde Grube im Kreis Ostholstein kommt nicht zur Ruhe. Brandstifter legen ein Feuer nach dem anderen. Der jüngste Fall hat eine besonders bittere Qualität.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 07:54 Uhr

Grube | Erst brannte das Kaffeehaus der Bürgergilde, eine Woche später stand dann die denkmalgeschützte Festhalle der Gilde in Flammen. Seit den beiden Großfeuern im Februar sind die 1000 Einwohner der kleinen Gemeinde im Kreis Ostholstein nicht mehr zur Ruhe gekommen: Ihre Reetdachhäuser brennen.

Ermittler sprechen von mehr als zehn Bränden. „In fast allen Fällen gehen wir von Brandstiftung aus“, sagt Polizeisprecherin Anett Dittmer. Die Kripo arbeite auf Hochtouren. „Noch ist nicht klar,  ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten gibt.“ Zuletzt war am Wochenende ein VW-Tiguan angezündet worden. Die Flammen griffen aufs Carport über, dann auf das Haus, das durch Ruß und Löschwasser nicht mehr bewohnbar ist. Schaden: 300.000 Euro.

Der jüngste Fall hat für die Menschen im Ort eine neue, bittere Qualität: „Zum ersten Mal waren Menschen im Haus“, erklärt Gemeindewehrführer Volker Langbehn. „Der Täter wird immer dreister, und wir werden immer verletzlicher.“

Die Serie hatte zunächst nur leerstehende Gebäude getroffen, neben den Häusern der Gilde zum Beispiel Zweitwohnsitze. Alle waren reetgedeckt. Das Feuer vom Wochenende hat nun erstmals ein mit Ziegeln gedecktes Haus getroffen. Doch auch dafür haben die Gruber eine Erklärung. „Es brennen im Wechsel Autos und Häuser“, sagt Kirsten Schwardt. „Und in diesem Fall wurde das Feuer an einem Auto gelegt.“ Schwardt, die seit 15 Jahren in Grube lebt, hat noch weitere Strukturen erkannt. „Der Täter schlägt immer gegen 20 Uhr zu.“ Anfangs seien die Feuer mittwochs gelegt worden, dann donnerstags und nun sonnabends. „Die Stimmung im Ort ist schlecht, alle haben Angst.“

Das bestätigt auch der Gemeindewehrführer. „Die Anspannung belastet uns sehr. Geht die Sirene, krampft sich sofort der Magen zusammen.“ Für Volker Langbehn gibt es in Grube eine nette, gelebte Dorfgemeinschaft. Das quält ihn jetzt. „Wir fragen uns natürlich, wer der Täter ist. Ob wir mit ihm gefeiert haben? Warum wir nicht merken, dass es ihm so schlecht geht, dass er zum Brandstifter wird.“ Und dann sei da noch die Sorge, der Täter könnte aus den Reihen der Feuerwehr stammen. „Es wäre eine furchtbare Enttäuschung“, sagt Langbehn. „Hoffentlich wird er von der Polizei geschnappt.“

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