Influenza in SH : Grippewelle ebbt ab – nur im Norden nicht

In Deutschland wurden in einer Woche so viele Fälle gemessen wie nie zuvor.
In Deutschland wurden in einer Woche so viele Fälle gemessen wie nie zuvor.

Nur im Norden der Republik bleibt die Zahl der Grippepatienten steigend. Es war ein Rekordjahr.

shz.de von
11. März 2018, 08:32 Uhr

Hamburg/Berlin | Die Grippewelle in Deutschland hat ihren Höhepunkt überschritten. Nur der Norden der Republik hinkt hinterher. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern registrierten die Ärzte entgegen dem bundesweiten Trend bis zuletzt einen Anstieg der Patienten mit akuten Atemwegerkrankungen, sagte Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut. So drängten sich in der 9. Kalenderwoche (24.02. bis 02.03.2018) rund zweieinhalb Mal so viele Grippe-Patienten in den Wartezimmern Norddeutschlands wie in einem vergleichbaren Zeitraum ohne Grippewelle, während es eine Woche zuvor nur zweimal so viele waren.

Trotz der Steigerung liegen die Norddeutschen immer noch unter dem Bundesdurchschnitt: Deutschlandweit sank die Zahl in dem Zeitraum von 2,73 Mal so vielen Arztbesuchen auf 2,61 Mal.

Obwohl die Grippe-Saison noch nicht beendet ist, stellt sie schon jetzt nach den Daten des Robert Koch-Instituts vergangene Grippewellen in den Schatten. „Es war ein Rekordjahr, was die Arztbesuche betrifft“, sagte Glasmacher. „2,7 Mal so viele Arztbesuche wie in einem vergleichbaren Zeitraum ohne Grippewelle: Das ist der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre.“ Und die „48.000 labordiagnostisch bestätigten Grippeerkrankungen auf Bundesebene (in der 9. Kalenderwoche) waren der höchste Wochenwert, seit es das Infektionsschutzgesetz gibt.“ Das IfSG trat im Jahr 2001 in Kraft.

Laut Glasmacher kann man aus den aktuellen Zahlen jedoch nicht die Schwere der Grippewelle ablesen. Dafür müsse unter anderem auch Zahl der Todesfälle berücksichtigt werden. Es habe in den vergangenen zehn Jahren mehrfach Grippewellen mit geschätzt 20.000 Todesfällen gegeben  „üblicherweise, wenn Grippevieren des Typs H3N2 dominierten“.

Konkrete Sterbe-Zahlen gebe es jedoch nicht, da gerade bei den Todesfällen oft kein Labortest gemacht werde. „Weil der Tod durch bakterielle Folge-Infektionen eintritt“, erläuterte Glasmacher.

Die Experten des Robert Koch-Instituts gehen davon aus, dass die Ärzte in den kommenden Wochen weniger Grippe-Patienten behandeln müssen. „Bundesweit denken wir, dass die Trendwende stattgefunden hat“, sagte Glasmacher. Die regionale Situation im Norden sei jedoch schwer vorherzusagen. „Möglicherweise wird die Zahl der Patienten noch einige Zeit ansteigen, es kann aber auch einige Zeit in dieser Höhe bleiben.“

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