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Prozessauftakt in Oldenburg : Grillkohle am Strand: Schwere Verbrennungen bei Vater und Sohn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die glühende Kohle lag verscharrt am Strand – im Prozess soll nun geklärt werden, wer für die schweren Verbrennungen eines Vaters und seines kleinen Sohnes verantwortlich ist.

Rettin | Die Grillkohle war noch heiß – und nur leicht mit Sand bedeckt. Im Sommer 2013 war ein Vater am Strand von Rettin bei Neustadt (Kreis Ostholstein) in die verscharrte Glut getreten, danach kippte der Kinderwagen mit seinem kleinen Sohn hinein. Beide erlitten schwerste Brandverletzungen. Gestern begann die Aufarbeitung des Falles vor dem Amtsgericht in Oldenburg.

Angeklagt ist Elektromeister Thomas K. (49) aus Neustadt. Er hatte im Juli zwei Tage lang am Strand seinen Geburtstag gefeiert, soll die glühende Kohle entsorgt haben. Die Staatsanwältin wirft ihm fahrlässige Körperverletzung vor.

Die Schilderungen des betroffenen Vaters, der auch Nebenkläger ist, sind bedrückend. Bankkaufmann Lars K. (36) aus Bebensee (Kreis Segeberg) hatte mit seiner Familie auf dem nahen Campingplatz Urlaub gemacht. Er sagt: „Ich war mit den Kindern am Strand spielen, wollte gegen 14.30 Uhr zurück zum Wohnwagen.“ Sohn Louis, damals eineinhalb Jahre alt, setzte er dazu in seine Karre. „Plötzlich spürte ich einen brennenden Schmerz an den Füßen.“ Schreiend lief der Bankkaufmann in die Ostsee – nur Sekunden später gellte das Weinen von Louis über den Strand. „Die Karre war über die Hinterräder umgekippt. Die Arme meines Sohnes lagen noch im Wagen, seine Beine im Sand.“

Ohne auf die eigenen Verletzungen Rücksicht zu nehmen, taumelte Lars K. zurück zum Kinderwagen, dessen Verdeck bereits geschmolzen war, zog seinen Sohn hinaus. Einer der Partygäste war Realschullehrer Thorsten M. (45) aus Neustadt. Er beobachtete den Vater, als er aus dem Wasser kam. „Ich dachte, er hätte weiße Strümpfe an, doch es war seine Haut.“ Der angeklagte Elektromeister kippte nach eigener Aussage eine Plastikwanne mit Wasser über die Unglücksstelle, dabei stieg eine gewaltige Dampf- und Qualmwolke auf.

Der Notarzt ließ Vater und Sohn in die Lübecker Uniklinik bringen, sie hatten Verbrennungen zweiten und dritten Grades erlitten, die mit Transplantationen versorgt werden mussten. Louis wurde dazu Kopfhaut entnommen. Vater Lars K. konnte noch Wochen nach dem Unfall gerade einmal hundert Meter gehen, leidet bis heute.

Der Angeklagte bestreitet, die Kohlen ausgekippt zu haben. „Die Asche vom Vorabend habe ich in den Dünen entsorgt, aber die war kalt“, sagt Thomas K. und fügt hinzu: „Unseren Edelstahlgrill könnte man gar nicht anfassen, wenn noch heiße Kohlen drin sind.“ Und als das Unglück passierte, sei man gerade wieder am Grillen gewesen. „Das war also niemals unsere Kohle.“

Realschullehrer Thorsten M. sagt jedoch aus: „Ich habe Thomas auf das Unglück angesprochen. Er fasste sich an den Kopf, meinte dann, dass er wohl Kohle ausgekippt habe.“ Auch ein Segler-Pärchen will gesehen haben, wie ein Mann einen Grill, allerdings einen mit zwei Griffen, an der Unglücksstelle ausgeleert habe, dann zum Partyzelt zurückgegangen sei. Und eine kaufmännische Angestellte sagt über den Träger des Grills: „Es gab dann eine Bewegung, als ob er Sand darüber macht.“

Der Rechtsanwalt von Nebenkläger Lars K. will wissen, ob die 40 bis 50 Partygäste tatsächlich nur mit einem Grill versorgt worden seien? Der Angeklagte erwidert: Ja, es gab nur einen Grill.“ Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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erstellt am 09.Sep.2014 | 12:47 Uhr

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