Sylt : Greenpeace versenkt weiter Steine

Aktivisten der Umweltschutzorganisation 'Greenpeace' an Bord des Arbeitsschiffes 'Noortland' versenken vor Sylt Felsblöcke. Foto: dpa
Aktivisten der Umweltschutzorganisation "Greenpeace" an Bord des Arbeitsschiffes "Noortland" versenken vor Sylt Felsblöcke. Foto: dpa

Trotz Androhung eines Ordnungsgeldes von 50.000 Euro: Die Umweltorganisation Greenpeace hat am Montag vor Sylt weitere Felsbrocken im Meer versenkt.

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18. August 2008, 04:27 Uhr

Mit den tonnenschweren Steinen soll das Außenriff westlich der Insel geschützt und Schleppnetzfischerei dort verhindert werden. In der vergangenen Woche hatte ein Greenpeace- Schiff bereits eine Ladung Steine versenkt.
Obwohl die Behörden Greenpeace bereits ein Ordnungsgeld von 50 000 Euro angedroht haben, halten die Umweltschützer an ihrem Vorhaben fest. "Die Artenvielfalt in der Nordsee ist es uns wert", sagte Iris Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace, am Montag in Hamburg. Insgesamt habe die Organisation 500 000 Euro in die nach eigenen Angaben "bisher aufwendigste Greenpeace-Kampagne zum Schutz der Meere", investiert.
"Es finden keine Maßnahmen zum Schutz der Fische statt"
Am Montag waren Aktivisten auf dem Greenpeace-Schiff "Argus" sowie einem Arbeitsschiff damit beschäftigt, die mindestens ein Kubikmeter großen Felsblöcke ins Wasser zu werfen. Das 5500 Quadratkilometer große Gebiet ist seit vier Jahren ein von der Bundesregierung bei der Europäischen Union gemeldetes "Natura 2000"-Schutzgebiet. "Trotzdem finden keine Maßnahmen zum Schutz der Fische statt, es gibt keine Beschränkungen für die Fischerei", sagte Menn. Deshalb sei Greenpeace aktiv geworden. Auf den Sandbänken und Steinriffen in 30 bis 40 Metern Tiefe wachsen unter anderem Seenelken. Außerdem biete das Meer dort viel Nahrung für bedrohte Fischarten. Schweinswale, die zur am stärksten bedrohten Walpopulation in Europa zählen, nutzten die Region zur Paarung und Geburt des Nachwuchses.
Greenpeace forderte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, die Fischerei in dem Schutzgebiet komplett zu verbieten und auch den Abbau von Sand und Kies zu stoppen. "Wir brauchen großflächige Schutzgebiete, in denen sich die Artenvielfalt regenerieren kann", sagte Iris Menn. Als positives Beispiel führte sie die Adria an. Zehn Jahre nach der Einführung eines Schutzgebietes sei dort an dessen Grenzen viermal so viel Fisch gefangen worden wie zuvor.
"Die Fischer wissen, wo die Steine liegen"
Fischer werfen den Umweltschützern vor, sogar den Untergang von Kuttern in Kauf zu nehmen, falls Schleppnetze an den Felsblöcken hängen bleiben. Dem widersprach Menn: "Die Fischer wissen, wo die Steine liegen." Bevor Greenpeace den ersten Stein versenkt habe, sei eine Warnmeldung abgeschickt worden. Diese habe innerhalb kurzer Zeit alle Fischer erreicht. Die Positionen der Steine würden regelmäßig den Wasserschutzdirektionen und Fischereiverbänden mitgeteilt.
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) nannte die Aktion illegal, Kritik kam auch von Umweltminister Gabriel. Schon kurz nach Beginn der Aktion vergangene Woche hatten Fischereiverbände auch aus Dänemark erklärt, man prüfe juristische Schritte. Im dänischen Parlament soll Fischereiministerin Eva Kjer Hansen zu einer Anfrage der Dänischen Volkspartei (DVP) Stellung beziehen, ob es Möglichkeiten zu einer strafrechtlichen Verfolgung von Greenpeace- Mitgliedern gebe.

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