zur Navigation springen

Kieler Flugzeugträger : „Graf Zeppelin“ trat nie den Dienst an

vom

Der einzige deutsche Flugzeugträger lief vor 75 Jahren in Kiel vom Stapel. Fertig wurde das Riesenschiff nie. Nach dem Zweiten Weltkrieg versenkten es die Russen. Erst fast 60 Jahre später wurde das Wrack entdeckt – bei der Suche nach Öl.

shz.de von
erstellt am 02.12.2013 | 17:00 Uhr

Kiel | Es war großer Bahnhof in Kiel an jenem Wintertag vor 75 Jahren: Diktator Adolf Hitler kam am 8. Dezember 1938 nach Kiel, um den Stapellauf des ersten deutschen Flugzeugträgers zu erleben. 262 Meter lang war die „Graf Zeppelin“, die an der Förde gebaut wurde – und nie in ihrer geplanten Funktion zum Einsatz kam.

1760 Mann Besatzung, 43 Flugzeuge, viele Dutzend Flakgeschütze, 200.000 PS Maschinenleistung, Höchstgeschwindigkeit 33,8 Knoten (63 km/h) - das Datenblatt liest sich beeindruckend. Die technische Leistung der Beteiligten war es gewiss auch, aber gemessen an den Erwartungen wurde das Großprojekt ein Schlag ins Wasser.

„Es war technisch eine großartige Leistung der Kieler Werft, dieses Ding zu bauen“, sagt der Marineexperte Ulrich H.-J. Israel, Autor des Buches „Einziger deutscher Flugzeugträger Graf Zeppelin“. Aber als Hitler 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg auslöste, hatte die Deutsche Werke Kiel AG - eine Vorgängerwerft von HDW - die „Graf Zeppelin“ nicht fertig. Die Werften sollten sich dann auf den Bau von U-Booten konzentrieren; das Vorhaben Flugzeugträger rückte in der Prioritätenliste nach hinten und blieb schließlich unvollendet.

„Der Bau wurde nie abgeschlossen, weil Marine und Luftwaffe sich nicht einigen konnten, wer auf dem Schiff das Sagen hat“, sagt Jürgen Rohweder, viele Jahre lang HDW-Sprecher und profunder Kenner der Werftgeschichte an der Förde. „Es gab permanent Kompetenzgerangel.Außerdem hatte Hitler immer mehr Zweifel an der Leistungsfähigkeit der schweren Überwasserschiffe und warf ihnen Anfang 1943 beträchtliche Misserfolge vor.“ Dies sei letztlich das Aus für den Flugzeugträger gewesen. Luftwaffenchef Hermann Göring habe in seiner Taufrede durchblicken lassen, dass die Marine das Schiff zwar fahren könne, die Luftwaffe aber für die Fliegerei verantwortlich sein solle, schildert Israel. „Und die Marine hatte keine Lust, für die Luftwaffe den Chauffeur zu machen.“ 

Der Flugzeugträger wurde nach Danzig geschleppt und zur Lagerung von Edelhölzern verwendet. Später kam er noch einmal zum Weiterbau zurück nach Kiel, doch auf Anordnung Hitlers folgte das Aus. Zu 85 Prozent war das Schiff fertig. 76,7 Millionen Reichsmark waren nach Angaben Israels bis 1941 schon in das Prestigeprojekt geflossen.

Schließlich verankerten die Deutschen den Stahlkoloss in einem Seitenarm der Oder. Als die Sowjetarmee immer näher rückte, wurden Löcher in den Rumpf gesprengt, so dass die „Graf Zeppelin“ auf Grund sank. Die Russen konnten den unvollendeten Flugzeugträger aber heben und schleppten ihn hinaus auf die Ostsee. Über das weitere Geschehen gibt es unterschiedliche Versionen.

1947 wurde die „Graf Zeppelin“ schließlich in der Ostsee versenkt. Die Russen hatten nach Darstellung Israels die Wirkung von Bomben und Torpedos an dem Schiff getestet; dann ging es unter. Fast sechs Jahrzehnte blieb es verschollen. Im Sommer 2006 kam dann die Meldung, eine polnische Ölfirma habe bei der Suche nach Öl- und Gasvorkommen das Wrack 30 Seemeilen nördlich vor Wladyslawowo (Ellerwald) entdeckt. Marine-Experten identifizierten es eindeutig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen