Marine : "Gorch Fock" segelt künftig mit Pastor

Die Gorch Fock nimmt im januar wieder neue Offiziersanwärter an Bord. Für sie beordert die Marine einen Geistlichen als Ansprechpartner auf das Schulschiff.

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30. Oktober 2012, 10:25 Uhr

Kiel | Ende November sticht das Segelschulschiff "Gorch Fock" wieder in See, und im Januar kommen in Las Palmas (Kanaren) erstmal wieder Kadetten an Bord. Nach den negativen Schlagzeilen der Vergangenheit und der Reform der Ausbildung hofft das Verteidigungsministerium auf einen Neuanfang.
Damit er gelingt, segelt künftig auch ein Militärgeistlicher mit den Soldaten. Das hat das Presse- und Informationszentrum der Marine in Glücksburg (Kreis Schleswig-Flensburg) unserer Zeitung gestern bestätigt. "Der Geistliche wird bei längeren Fahrten immer dabei sein", sagte ein Sprecher. Seine Aufgabe sei es, sich um die Belange der jungen Kadetten zu kümmern. "Er ist ihr Ansprechpartner bei Sorgen und gibt gleichzeitig den lebenskundlichen Unterricht."
Schikane und abstoßende Rituale
Nach dem Tod der Kadettin Sarah Lena Seele, die aus der Takelage gestürzt war, hatten die Offiziersanwärter über harsche Ausbildungsmethoden, Schikane und abstoßende Rituale geklagt. Mit dem Einsatz eines Militärgeistlichen will die Marine offenbar künftig solche negativen Entwicklungen schneller erkennen und beheben. Geistliche gelten bei der Bundeswehr traditionell als erste Ansprechpartner bei Nöten von Soldaten.
Die Personalie ist laut Marine noch nicht besetzt. "Das richtet sich nach dem Bedarf und der jeweiligen Verfügbarkeit eines Dekans", heißt es. Fest steht, wann die "Gorch Fock" den Kieler Heimathafen verlässt: Am 27. November wird sie unter dem Kommando ihres neuen Kapitäns Helge Risch mit der Stammmannschaft in Richtung Kanaren ablegen, im Januar 2013 kommen dann in die Kadetten an Bord.
Training an Land
Die Einschiffung eines Geistlichen gehört dabei zum großen Paket von Reformen an Bord der Bark. Seit der Aussetzung der Ausbildung hat die Marine die Empfehlungen einer Expertenkommission geprüft und weitgehend umgesetzt. So ist die Untersuchung der Fitness der Rekruten verschärft worden, und das gefährliche Aufentern in die Takelage wird nun zunächst an Land an einem Trainingsmast geübt. Ebenso hat die Marine moderne Schwimmwesten beschafft.
Auch in einem weiteren Fall hat die Marine Konsequenzen gezogen. Nachdem ein Kapitänleutnant im Juli die ertrunkene "Gorch Fock"-Kadettin Jenny Böken verhöhnt hatte (unsere Zeitung berichtete), wurde jetzt das Disziplinarverfahren gegen den Offizier abgeschlossen. "Es hat in diesem Fall eine dienstrechtliche Würdigung gegeben", so der Sprecher. Welche Strafe genau verhängt worden ist, darüber schweigt die Marine allerdings.

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