Flensburg : "Gorch Fock" kommt nicht nach Flensburg

Seit der Rückkehr von ihrem Südamerika-Törn liegt die 'Gorch Fock' in Kiel. Foto: dpa
Seit der Rückkehr von ihrem Südamerika-Törn liegt die "Gorch Fock" in Kiel. Foto: dpa

Segelschulschiff bleibt im Kieler Hafen / Morgen Offiziersanwärter-Vereidigung in der Marineschule Mürwik

Avatar_shz von
04. August 2011, 08:28 Uhr

Flensburg | Die diesjährigen Offiziersanwärter der Marine werden nicht auf der "Gorch Fock" ausgebildet. Nach dem Unfalltod der Kadettin Sarah Lena Seele, die im November 2010 aus der Takelage des Segelschulschiffes gestürzt war, sei das neue Ausbildungskonzept noch in Arbeit, erklärt Fregattenkapitän Gunnar Wolff. "Sicherheit bleibt dabei das oberste Gebot."
Am morgigen Freitag werden 189 Offiziersanwärter, darunter 33 Frauen, in der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt. Ihr seemännisches Grundwissen sollen sie an Land und auf Schiffen des Einsatz-Ausbildungsverbandes erlernen. Details stehen noch nicht fest.
Ursprünglich sollte die "Gorch Fock" im Herbst für zwei Monate von ihrem Heimat hafen Kiel nach Flensburg verlegt werden. Darauf verzichtet die Marine jetzt, so Wolff.
Ab 2012 wird die Basisausbildung aber wieder auf der "Gorch Fock" stattfinden. Bis dahin soll das neue Konzept vorliegen und ein Übungsmast zum sicheren Klettern an Land errichtet sein. Eine Reihe konkreter Forderungen aus dem Bericht der "Pommerin-Kommission" zur Verbesserung der seemännischen Ausbildung wird laut Wolff derzeit intensiv ausgewertet. Die Vorschläge würden auch abgeglichen mit den Folgerungen aus dem Bericht der Staatsanwaltschaft Kiel, des Beauftragten für Havarie-Untersuchungen der Marine und den internen Untersuchungen des Marineamtes zu den Vorwürfen und Feststellungen des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP).
Die Prüfung und Umsetzung der zahlreichen Empfehlungen benötige Zeit: "Wir gehen zügig, aber sorgfältig vor, da wir einen echten Neuanfang starten und die Ausbildung auf eine solide Grundlage stellen wollen." Neben dem Übungsmast soll an speziellen Sportgeräten besonders die fürs Aufentern notwendige Körpermotorik trainiert werden. In der Übergangszeit würden nicht alle Ausbildungsziele, die auf der "Gorch Fock" möglich seien, erreicht werden können, betonte Wolff. "Wir suchen Ausbildungselemente, die dem stark fordernden Charakter auf dem Segelschulschiff nahe kommen." Es ist nicht das erste Mal, dass ein Offiziersjahrgang auf den Dreimaster verzichten musste. Im Jahr 2000 lag das Schiff wegen aufwendiger Reparaturen in der Werft. In der Regel lernt aber jeder deutsche Marine-Offizier auf der "Gorch Fock" das seemännische Handwerk.
Eine unabhängige Kommission unter Leitung des Historikers Reiner Pommerin hatte kürzlich konkrete Forderungen zur Verbesserung der Ausbildung erhoben, beispielsweise zur Sicherung an Bord und in der Takelage und zur Auswahl und Ausbildung der Stammbesatzung. Die Kommission sprach sich für die Fortführung der seemännischen Basisausbildung auf der "Gorch Fock" aus.
Die "Gorch Fock" liegt seit der Rückkehr von ihrer Südamerika-Reise im Mai in ihrem Heimathafen Kiel. Kommandant Norbert Schatz wird nicht auf das Schiff zurückkehren. Wer neuer Kommandant wird, steht noch nicht fest.
(lno, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen