Marine-Skandal : "Gorch-Fock"-Ermittler: Mannschaft kooperativ

Die Ausbildung auf dem Segelschulschiff 'Gorch Fock' war nach dem Tod einer Kadettin in die Kritik geraten. Foto: dpa
Die Ausbildung auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" war nach dem Tod einer Kadettin in die Kritik geraten. Foto: dpa

Die Stammbesatzung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" ist nach dem ersten Eindruck des Untersuchungsteams betroffen über die Vorwürfe, aber kooperativ.

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30. Januar 2011, 01:59 Uhr

"Wir haben vor einer Stunde mit den Interviews begonnen, und der Eindruck ist, dass die Leute über die Vorwürfe betroffen aber zugleich auch bereit sind, Auskunft zu geben, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Es gibt keine Ablehnung und keine Verweigerung der Aussage", sagte der Leiter der Ermittler, Marineamtschef Horst-Dieter Kolletschke, am Freitag bei einer Pressekonferenz auf der Pier im Hafen der argentinischen Hafenstadt Ushuaia auf Feuerland.
Dort liegt die "Gorch Fock" seit vergangener Woche auf Reede. Das Untersuchungsteam mit insgesamt zehn Mitgliedern war am Vorabend an Bord des Dreimasters gegangen. "Ich habe den Auftrag, die Vorfälle, die im Zusammenhang mit dem tödlichen Unfall am 7. November auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" vorgebracht wurden, aufzuklären", betonte der Konteradmiral. Der Unfall selbst, bei dem eine 25-jährige Offiziersanwärterin nach dem Sturz aus der Takelage gestorben war, sei aber nicht Gegenstand seiner Ermittlungen. "Die Vorfälle beziehen sich auf gemeldetes Verhalten der Besatzung nach dem Unfall", sagte Kolletschke.
Drangsalierungen durch die Stammbesatzung?
Kadetten hatten von Drangsalierungen durch die Stammbesatzung, großem Druck, Schinderei und sogar von sexuellen Belästigungen berichtet. Auch von mangelndem Mitgefühl nach dem Tod der jungen Frau war die Rede.
Auf die Frage, ob der bisherige Kommandant Norbert Schatz sein Kommando schon an den ebenfalls nach Ushuaia gereisten früheren Kommandanten Michael Brühn übergeben habe, antwortete Kolletschke: "Es wird keinen Kommandowechsel geben. Der bisherige Kommandant (Schatz) ist lediglich für eine Zeit von seinen Pflichten entbunden".
Untersuchungsteam bleibt 14 Tage
Schatz werde das Schiff erst verlassen, kurz bevor die "Gorch Fock" am 30. Januar die Heimreise an der Pazifikküste Südamerikas hinauf unter der Führung von Brühn antreten werde, sagte der Leiter der Untersuchung weiter. Seit dem Unfall in Brasilien fährt das Schulschiff ohne Auszubildende.
Das Untersuchungsteam werde etwa 14 Tage an Bord bleiben und erst im nächsten Hafen im chilenischen Valparaiso von Bord gehen. Nach der Befragung der Stammbesatzung sollten auch alle Kadetten in Deutschland noch einmal angehört werden. "Wir glauben, dass wir so ein umfassendes Bild erhalten", sagte Kalletschke.
Das Segelschulschiff werde dann durch den Panama-Kanal in die Karibik fahren und von dort aus nach Deutschland zurückkehren, wo es Ende April oder Anfang Mai eintreffen werde. Es sei geplant, die Offiziersausbildung Mitte nächsten Jahres wieder aufzunehmen, betonte der Konteradmiral.
(dpa, shz)

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