"Google Maps" : Google: Schleswig-Holstein brauchen wir nicht

Mit elf Kameras auf dem Dach fotografieren die Google-Autos die Straßen in Metropolen. In Schleswig-Holstein sind sie aber bisher nur auf Durchreise zu sehen. Foto: dpa
Mit elf Kameras auf dem Dach fotografieren die Google-Autos die Straßen in Metropolen. In Schleswig-Holstein sind sie aber bisher nur auf Durchreise zu sehen. Foto: dpa

"Wir machen Straßenfotos von Metropolen - nicht von Schleswig-Holstein", sagt Google-Sprecher Kay Oberbeck zu shz.de. Der ganze Protest der Politik war unnötig - wirklich?

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03. Oktober 2008, 12:00 Uhr

Ein Mann fährt über den Jungfernstieg in Hamburg. Er sieht, wie am rechten Fahrbahnrand ein Taxi hält, am linken Rand zwei Männer ein paar Kisten aus einem Lkw abladen. Doch der Manngibt kein Gas mit dem Fuß, sondern klickt mit seinem linken Zeigefinger auf eine Maus. Er sitzt vor seinem Computer und nutzt das Projekt "Street View" (zu deutsch: "Straßenansicht") von Google.
Die Bilder aus Hamburg sind zwar noch nicht online verfügbar, sollen aber in ein paar Monaten folgen. Der berühmte Broadway in New York ist bereits "befahrbar".
Für das Projekt "Street View" fährt Google mit einem Auto zahlreiche Straßen ab. Auf dem Fahrzeug sind elf Kameras montiert, die während der Fahrt ihre Umgebung rundum fotografieren. So ergeben sich 360-Grad-Aufnahmen. Diese können dann am Computer angesehen werden, als fahre der Nutzer selbst durch die Straßen.
Google hat Schleswig-Holstein nicht auf dem Plan
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Die Gemeinde Molfsee bei Kiel hat bereits angekündigt, dem Unternehmen mit der bekannten Suchmaschine die Aufnahmen ihrer Straßen zu untersagen. Die FDP-Ratsfraktion in Neumünster fordert, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Fotografieren der Straßen ihrer Stadt zu unterbinden. Und auch in Lübeck stößt das Projekt "Street View" auf Ablehnung: "Die Daten könnten von Kriminellen missbraucht werden", fürchtet Innensenator Thorsten Geißler (CDU). Aber Google-Sprecher Kay Oberbeck sagt gegenüber shz.de: "Die Fotografien für die Funktion der Straßenansicht konzentrieren sich auf Ballungsräume und große Städte wie zum Beispiel Hamburg, Berlin, München, Köln, Stuttgart oder Frankfurt. Es war daher nicht geplant und ist derzeit nicht geplant, das Gebiet von Schleswig-Holstein für die Funktion der Straßenansicht in Google Maps zu befahren."
Aufatmen in Molfsee, Neumünster und Lübeck - und wohl auch im Landtag. Der Innen- und Rechtsausschuss hat das Problem bereits diskutiert. Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert verbucht bereits einen kleinen Erfolg: "Falls in Schleswig-Holstein doch Bilder gemacht werden, hat Google angekündigt, uns zu verständigen", sagt Weichert. Das könnte nach seinen Informationen frühestens im Frühjahr 2009 sein. Er ist überzeugt davon, dass das Unternehmen durch den Druck aus den Städten und Gemeinden aber zunächst "einen großen Bogen um Schleswig-Holstein" machen werde.
Google selbst kann die Aufregung um den Datenschutz nicht verstehen: erkennbare Personen oder Autokennzeichen werden unkenntlich gemacht, bei Beschwerden werden Bilder gelöscht, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

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