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Eichenprozessionsspinner : Giftig und gefräßig: Raupe erobert SH

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Der Eichenprozessionsspinner breitet sich in Schleswig-Holstein aus. Die Raupe ist giftig und kann allergische Schocks auslösen.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 11:41 Uhr

Kiel | 30 Kilometer schafft die Raupe pro Jahr - gen Norden. Nicht etwa krabbelnd. Nein, ihre Eltern, unscheinbare Nachtfalter, lassen sich einfach vom Wind tragen. Die Gefahr heißt Eichenprozessionsspinner - noch vor zwei Jahren galt Schleswig-Holstein frei von den Schädlingen. Auch Hamburg hatte die giftige Raupe noch nicht erobert. Doch jetzt gelten der lauenburgische Süden und die Hansestadt nach Angaben des Julius Kühn Instituts für Pflanzenkunde (JKI) offiziell als befallen. "Die Tiere verbreiten sich entlang der Elbe in Richtung Nordsee", erklärt JKI-Sprecherin Stefanie Hahn.
Was Schleswig-Holstein blüht, wenn sich der gefährliche Vielfraß breit macht, zeigt ein Blick nach Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Dort wird bereits Gift aus Hubschraubern versprüht. Der Schädling frisst nicht nur ganze Bäume kahl, Probleme bereiten die Raupen auch den Menschen. Bei Kontakt verbreiten sie das Nesselgift Thaumetopoein. Das kann allergische Reaktionen auslösen: Hautjucken, Pustelbildung, Bindehautentzündung, Asthma. Menschen mit Pollen- oder Hausstaubmilbenallergien droht sogar ein allergischer Schock.

Symptome treten erst nach sechs bis acht Stunden auf


In beiden Nachbarländern tobt bereits ein erbitterter Krieg zwischen Behörden und Naturschützern, die gegen den Pestizid-Einsatz per Hubschrauber Sturm laufen. Doch handeln muss man: Jetzt im Mai schlüpft die Raupe aus dem Ei und beginnt zu fressen. Bis Ende Juni häutet sie sich sechsmal. Am Schluss ihrer Entwicklung verfügt sie über bis zu 600.000 kaum sichtbare Härchen mit winzigen Widerhaken an den Enden. Kommen die Härchen mit der Haut des Menschen in Kontakt, brechen die Widerhaken ab und sie setzen das Gift frei.
Die Symptome treten erst nach sechs bis acht Stunden auf. Raupen und Gespinste dürften nicht berührt werden, warnen die Behörden. Andernfalls sei die Kleidung sofort zu wechseln, man solle duschen, bei intensivem Hautkontakt den Arzt aufsuchen.

"Es gibt keine vorbeugenden Maßnahmen"


"Schleswig-Holstein ist intensiv auf das Vordringen des Eichenprozessionsspinners vorbereitet", versichert Nicola Kabel, Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel. Bereits in den vergangenen beiden Jahren seien Kommunen, Straßenbauverwaltung, Ärzte und Forstverwaltungen umfänglich aufgeklärt worden. Doch Kabel räumt ein: "Es gibt keine vorbeugenden Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner." Wichtig sei, einen Befall früh zu erkennen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Thaumetopoea processionea - so der lateinische Name des Baumschädlings - bald auch im hohen Norden heimisch wird, hatte das Ministerium bereits 2012 als "sehr groß" eingestuft. Da die Raupe als wärmeliebend gilt, gehen Fachleute davon aus, dass die Klimaerwärmung für die rasante Ausbreitung in Deutschland mitverantwortlich ist. Der kalte Winter habe den Larven, die in ihren Eiern überwintern, nichts ausgemacht. "Da warten die Raupen halt länger, bis sie das Gelege verlassen können", erklärt JKI-Sprecherin Hahn.
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