Weißer Ring : Gewaltverbechen werden häufiger und brutaler

Gewaltverbrechen nehmen in Schleswig-Holstein weiter zu und sie werden oft immer rücksichtsloser ausgeführt. Das berichtet der Opferschutzverein Weißer Ring.

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01. April 2011, 12:27 Uhr

Die Tendenz beklagte der Opferschutzverein Weißer Ring am Donnerstag in Kiel bei der Vorstellung seines Jahresberichts. Das Vorgehen vieler Täter sei unbeschreiblich brutal, sagte der amtierende Landesvorsitzende, Uwe Rath. Auch die hohe Zahl von Sexualstraftaten sei erschütternd. Insgesamt 1381 Opfer von Kriminalität unterstützte der Weiße Ring im vorigen Jahr, 2009 waren es mit 1338 etwas weniger.
Opfer müssen monatelang warten
Der Weiße Ring hilft Verbrechensopfern und deren Familien mit Geld, Beratung und Betreuung. Fast 210.000 Euro gab der Verein 2010 dafür aus. Neben juristischer und psychotraumatischer Beratung wurden erstmals auch rechtsmedizinische Erstuntersuchungen finanziert, um Beweise gerichtsfest zu sichern. Rath kritisierte, dass Verbrechensopfer oft monatelang auf einen Termin beim Traumatologen warten müssten. Der Weiße Ring fordert daher eine flächendeckende Versorgung mit Traumaambulanzen.
Unter den Opfern, die der Weiße Ring im vergangenen Jahr besonders intensiv unterstützte, sind die zehn Kinder einer Frau aus Dithmarschen. Der Lebensgefährte erstach die Mutter in der Woche vor Ostern. Die traumatisierten Kinder kamen über die Feiertage bei einer Mitarbeiterin des Weißen Rings unter. Der Opferschutzverein half mit zwei Anwälten und mit Geld, außerdem wurden Ausflüge organisiert.
Neuer Vorsitzender gesucht
Auch eine 33-Jährige aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg und ihren sechsjährigen Sohn unterstützt der Weiße Ring. Ihr früherer Lebensgefährte stach im Juni 2010 mit einem Küchenmesser 26 Mal auf die Frau ein. Ärzte retteten der Frau in einer achtstündigen Notoperation das Leben. Der Sechsjährige, der seine Mutter kurz nach dem Angriff blutend im Flur gefunden hatte, befindet sich bis heute in psychologischer Behandlung. Der Täter wurde zu sechs Jahren Gefängnisstrafe verurteilt.
In eigener Sache erinnerte Rath an den im Februar gestorbenen Landesvorsitzenden Heinz-Werner Arens, für den noch ein Nachfolger gesucht wird. "Es wird schwer sein, diese Lücke zu schließen", sagte Rath. Mit der Lauenburgerin Ane-Maryke Knudsen hat der Weiße Ring in Schleswig-Holstein erstmals eine Jugendbeauftragte. Sie kümmert sich um die Nachwuchsförderung für die 17 Außenstellen des Opferschutzvereins. Derzeit sind im Norden 168 ehrenamtliche Helfer für den Weißen Ring aktiv.
(dpa, shz)

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